Einkauf in Corona-Zeiten Renaissance der regionalen Hofläden

Von Harald Beck 

Viele Leute auf engem Raum im Lebensmittelmarkt – und plötzlich wird die Direktvermarktung im Hofladen, der Markthalle oder auf dem Wochenmarkt geschätzt.

Keine Selbstbedienung: Simone Wilhelm (rechts)  erledigt  die Bestellung. Foto: / Stoppel
Keine Selbstbedienung: Simone Wilhelm (rechts) erledigt die Bestellung. Foto: / Stoppel

Einkauf - Aber meine Sachen auf der Einkaufsliste, die bekomme ich schon noch, oder?“ Die ältere Dame steht mit Sicherheitsabstand am quer ins Eingangstor gestellten Verkaufstresen bei Wilhelms Hofmarkt in Kernen. Die Sorge, dass es in dem seit zehn Jahren bestehenden Hofladen in Stetten kein Gemüse geben könnte, ist unbegründet – alles da, wie immer, nur unter anderen Vorgaben.

Vor dem Laden weisen große handgeschriebene Plakate auf das an die Corona-Gefahrenlage angepasste Prozedere hin: Abstand halten von anderen Kunden und am Tresen. Ganz wichtig: keine Selbstbedienung. Jawohl, das klappe, sagt Simone Wilhelm. Und eines falle in diesen Tagen auf: Es komme mehr Kundschaft als sonst zum Hofladen. „Man merkt, dass die Familien zu Hause sind, selbst kochen und frische Sachen brauchen. Wir mussten schon Kartoffeln nachbestellen.“ Die Schließungen an anderen Stellen, der Zwang, weitgehend zu Hause zu bleiben, wirken sich aus. Ganz klar, sagt Simone Wilhelm: „Was die Gastronomie gerade an Verlusten hat, führt hier zu stärkerem Verkauf“ – vor allem frische Dinge sind gefragt: Obst, Gemüse, Brot, Eier.

Der Einkauf als Sozialkontakt

Im gesamten Rems-Murr-Kreis haben sich die Hofläden und die mit eigenen Verkaufsständen vertretenen Direktvermarkter auf die neuen Bedingungen eingestellt. Angesichts der Ängste und vereinzelter Trends zu Hamsterkäufen im Lebensmittelmarkt kommt ihnen offenkundig ein höherer Stellenwert zu. Ihre Waren gelten als vertrauenswürdig, die Abläufe werden als sicher empfunden, und es gibt etwas Sozialkontakt.

„Wir werden für die Leute da sein, komme was da wolle“, verspricht in Fellbach Dominic Welz mit voller Überzeugung. Auch er berichtet von einer merklich höheren Kundenfrequenz in der Markthalle und an den anderen Verkaufsstellen, die auch unter den völlig neuen Bedingungen die frischen regionalen Lebensmittel an die Kundschaft bringen. Das Warten mit Distanz zu anderen, auch wenn sich vor dem Eingang Schlangen bilden, das Abstand halten und keinerlei Zugriff der Kundschaft auf die Waren, das sind auch hier die neuen Regeln, an die sich manch einer noch gewöhnen muss. „Da kann sich keiner mehr die schönste Karotte, den makellosesten Apfel aussuchen.“ Andererseits seien es eher die Gewohnheiten, das Nichtbegreifen, die zu Verstößen gegen die neuen Einkaufsetikette in Corona-Zeiten führen, sagt Welz. Wie bei dem Herrn, der, wohl wie sonst immer, sofort bis ganz nach vorne durchgegangen sei, sich direkt neben die ersten Wartenden stellte. „Das ist kein Problem, das lösen die Kunden selbst.“

Lob auch für die Kunden

„Was sagen die anderen, wie läuft es dort?“, fragen Dominic Welz und auch die anderen Anbieter während der „Tour de Hofladen“. Die Tatsache, dass man womöglich als eine Art Pandemiegewinnler wirken könnte, beschäftigt durchaus den einen oder anderen Direktvermarkter angesichts der zumindest gefühlten Renaissance der Hofmärkte und -lädle. Aber es ist offensichtlich: „Die Leute finden es richtig gut, was wir machen.“

Nicht nur die engagierten Mitarbeiter lobt in Weinstadt Marianne Kielburger, sondern auch die Kunden, die in ihrem Markt an der S-Bahn-Station Beutelsbach einkaufen. „Das klappt hervorragend, die halten Abstand, und man hat das Gefühl, dass die Leute Rücksicht nehmen.“




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