Einkaufen auf den Fildern Das Smartphone bezahlt die Brezeln

Von Amadeus Banerjee 

Was in Supermärkten längst Alltag ist, funktioniert jetzt auch bei allen Filialen der Bäckereikette Treiber: mit der Karte zu bezahlen. Und nicht nur das, auch das Handy dient als digitaler Geldbeutel. Doch hier sind viele noch skeptisch.

Susann Wendler arbeitet in der Bäckerei-Filiale in Echterdingen. Sie sieht viele Vorteile bei der neuen Zahlungsweise. Foto: Amadeus Banerjee
Susann Wendler arbeitet in der Bäckerei-Filiale in Echterdingen. Sie sieht viele Vorteile bei der neuen Zahlungsweise. Foto: Amadeus Banerjee

Filder - Wer eine Filiale der Bäckerei Treiber betritt, dem fallen neuerdings rasch die kleinen Geräte mit Display und Zahlenfeld an der Theke auf. Was in Supermärkten längst Alltag ist, ist bei der Bäckereikette mit Hauptsitz in Steinenbronn nun ebenfalls möglich: Brezeln, Brot und Croissants mit dem Handy zu bezahlen.

Im Zuge eines Projekts mit der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen hat Treiber seine 33 Filialen auf der gesamten Filderebene und darüber hinaus mit der dafür nötigen Technik ausgerüstet. Start war Anfang Februar. Die Bankmitarbeiter haben die Technik installiert und das Personal in den Bäckereien geschult. Die Treiber-Bäckerei an der Nikolaus-Otto-Straße in Echterdingen war die erste, inzwischen haben die Kunden in allen Filialen eine Alternative zur Barzahlung.

Weg vom Bargeld, hin zur Karte und mobilem Bezahlen mit dem Handy? Susann Wendler, eine Treiber-Angestellte in Echterdingen, ist sich sicher, dass das die Zukunft ist. „Viele Kunden, die bei uns einkaufen, sind froh, dass wir Kartenzahlungen akzeptieren“, sagt sie. Die Nachfrage wachse stetig, berichtet Wendler. „Am Anfang waren es noch rund fünf Käufe mit der EC- oder Kreditkarte am Tag“, berichtet sie. „Mittlerweile kann man die Leute kaum noch zählen, die mit der Karte oder mit dem Handy bezahlen.“

Das sind die Vorteile der neuen Bezahlweise

Die 37-Jährige sieht in der neuen Bezahlweise Vorteile, wie sie sagt. Menschen, die kein Bargeld im Geldbeutel hätten, müssten nicht mehr erst zum Bankautomaten. Wer dennoch auf Bares setze, sei dadurch aber nicht im Nachteil – etwa durch längere Wartezeiten wegen der Kartenzahler. „Für uns hinter der Theke bedeutet die Kartenzahlung keinen Mehraufwand“, sagt Wendler. „Das geht alles automatisch und oft sogar schneller als bei Kunden, die das Kleingeld vorher noch abzählen.“

Die Kreissparkasse (KSK) ist die Kooperation mit Treiber bewusst eingegangen. Die Bank hat, wie die Konkurrenz auch, ein eigenes Programm fürs Handy entwickelt, das es erlaubt, mit dem Telefon zu bezahlen. Weniger Bargeld in der Kasse bedeutet weniger Aufwand, wenn die Scheine am Ende des Tages zur Bank gebracht werden müssen. Letztlich erhöht das auch die Sicherheit. „Wir wollen aber auch, dass der Bezahlvorgang hygienischer ist“, sagt Martin Turetschek von der KSK. „Das hat sowohl für den Händler als auch den Kunden Vorteile.“

Der Kunde muss Daten preisgeben

Doch nicht jedem dürfte es geheuer sein, die Brezeln mit dem Smartphone zu bezahlen. Viele zeigen sich deshalb beim Zahlen mit dem Handy eher scheu. Erich Nolte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kann das nachvollziehen. „Der Verbraucher hat eben wieder einmal eine neue Technologie, mit der er zurechtkommen soll“, erklärt er. „Hier muss er unter Umständen wieder Daten von sich preisgeben.“

Gleichwohl könne man das sogenannte Mobile Payment durchaus sicher betreiben. „Jedem Bezahlvorgang mit Mobile Payment ist ein Bankgeschäft zugeordnet“, erklärt er. „Entweder habe ich ein Guthaben aufgebucht, ein Bankkonto mit Einzugsermächtigung hinterlegt, oder ich benutze dafür meine Kreditkarte.“ Heißt, wenn etwas nicht stimmen sollte, sei der Bezahlvorgang schriftlich dokumentiert. „Bezahle ich in bar, ist mein Geld danach weg“, sagt Erich Nolte. Gebe es dann ein Problem, müsse man einen ungleich größeren Aufwand betreiben, um sein Geld zurückzubekommen.

So zahlt der Kunde der Zukunft

Das Bundesfinanzministerium lässt in einer schriftlichen Stellungnahme zum mobilen Bezahlen wissen: „Digitale Finanztechnologien bieten zahlreiche Chancen, um auch das Bezahlen einfacher und kostengünstiger zu machen. Dabei dürfen aber auch die neuen Herausforderungen, wie zum Beispiel Betrugs- und IT-Risiken, nicht aus den Augen verloren gehen.“

Der Verbraucherschützer Nolte ist sich dennoch sicher, dass der Kunde der Zukunft immer seltener auf Bargeld zurückgreifen wird. „Mobiles Bezahlen ist weiterhin stark im Kommen“, sagt er.