Einkaufen in Bietigheim-Bissingen Unverpackt-Laden stemmt sich gegen die Krise

Ondrej Vyroubal hat mit seinem Laden viel gewagt. Foto: Simon Granville

Während andere Geschäftsleute aufgeben, ist es Ondrej Vyroubal in Räumen in der Bietigheimer Altstadt gelungen, seine Umsätze langsam zu steigern.

Ludwigsburg: Anne Rheingans (afu)

Dass die Kundin nicht zum ersten Mal da ist, ist ihr sofort anzumerken. Routiniert steuert sie auf die Waage zu. Dort notiert sie die Gewichte ihrer Plastikdosen und Gläser und wendet sich dann den Regalen zu. Rund zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung hat der Unverpackt-Laden von Ondrej Vyroubal einige Stammkunden. Anders als so manche Kollegen im Umkreis, von denen einige aufgegeben haben, schreibt der Betreiber des „Schütte dir ein“ in der Altstadt von Bietigheim keine roten Zahlen. Einfach war für ihn und seine Frau Iva der Start allerdings nicht.

 

Mehr als 20 Jahre lang war der 52-Jährige in der Automobilbranche tätig. Der Job als Entwicklungsingenieur sei interessant, aber auch anstrengend gewesen, sagt Vyroubal rückblickend. Er fühlte sich ausgebrannt, brauchte eine berufliche Veränderung – und kündigte, ohne zu wissen, wohin die Reise gehen würde. Dann kam ihm die Idee, einen Unverpackt-Laden zu eröffnen. „Das passte gut, weil meine Familie sich vorgenommen hatte, nachhaltiger zu leben“, erklärt er. Außerdem gab es in ganz Bietigheim keinen solchen Laden, und die Branche boomte.

Mehrere Hürden auf dem Weg zur Eröffnung

Die Suche nach einem geeigneten Ladenlokal gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Als ihn die Stadt schließlich auf die frei werdenden Räume in der Schieringer Straße aufmerksam machte, war Vyroubal sofort begeistert. „Ich war auf den ersten Blick verliebt in das Haus“, sagt er. Dann tauchte die nächste Hürde auf: Wegen eines Feuchtigkeitsschadens musste das Innere komplett saniert werden. Die Eröffnung verschob sich weiter. Zuletzt verzögerte der Beginn der Pandemie den Start zusätzlich. Ondrej Vyroubal ließ sich aber nicht unterkriegen und hielt an seinem Vorhaben fest.

Nun gibt es in dem Laden in der Altstadt organische und unverpackte Lebensmittel und Haushaltswaren für den täglichen Bedarf, zum Beispiel Teigwaren, Backzutaten, Öle, Kaffee, Tee, Gebäck, Eier und Drogerieartikel. Einige Produkte bezieht er direkt von Erzeugern oder kleinen Manufakturen. Der Rest, vor allem Importiertes wie Reis, kommt von Großhändlern. Viele Produzenten arbeiten jedoch nicht mit Kleinabnehmern zusammen, erklärt der 52-Jährige. Das ist der Grund, weshalb es im „Schütte dir ein“ keinerlei Milchprodukte zu kaufen gibt. Auch Obst und Gemüse sind dort nicht zu finden, was jedoch hauptsächlich mit der Konkurrenz des Wochenmarkts zu tun hat.

Preisdruck ist nicht die größte Herausforderung

Gewürze, Kakao, Schokolade und Bionudeln bietet Ondrej Vyroubal günstiger als so mancher Markt an. Dass Bio-Produkte teuerer sind, mit diesem Vorurteil wird er dennoch konfrontiert. Tatsächlich könne er preislich bei vielen Waren nicht mit Supermärkten mithalten. Das habe unter anderem damit zu tun, dass seine Produkte oft hochwertiger seien. „Qualität steht für einen höheren Aufwand, zum Beispiel beim Balsamicoessig“, sagt er. Das koste eben mehr.

Die Inflation macht es vielen Unverpackt-Läden schwer. Auch der 52-Jährige ist noch nicht soweit, dass er sich selbst ein regelmäßiges Gehalt auszahlen kann. Der Preisdruck ist für den Bietigheimer aber nicht die größte Herausforderung. Zu schaffen macht ihm eher, dass viele den Laden auch zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung noch nicht kennen oder Berührungsängste haben. Sein Tipp ist daher: „Fangen Sie mit kleinen Schritten an.“ Und wer sich erst einmal nur umschauen möchte, sei ebenfalls willkommen.

Die Öffnungszeiten und weitere Infos gibt es unter www.schuettedirein.de

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