Doch in Baumärkten mit Grün-Bereich gelten zwei Regeln: Wer eine Pflanze oder Blumenerde möchte, kann einfach kommen. Ein Hammer oder ein Eimer Farbe müssen aber vorher bestellt werden.
Leonberg - In Gartencentern herrscht in diesen Frühlingstagen eigentlich Hochbetrieb. „Normalerweise würde das Gartengeschäft derzeit 50 bis 60 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen“, sagt Frieder Bolay. „Doch momentan sind es maximal 40 Prozent. Die Kunden sind völlig verunsichert. Sie bleiben schlicht weg.“
Dabei könnten sie ohne Weiteres, also ohne vorherige telefonische Anmeldung oder Internetbestellung, sich mit Pflanzen Erde oder Saatgut eindecken. Denn die Gartengeschäfte können normal öffnen.
Verunsicherte Kunden
Doch Frieder Bolay verkauft nicht nur Gartenartikel. Gemeinsam mit seiner Schwester Christina Almert betreibt er in Rutesheim, in Ditzingen und in Oberndorf am Neckar drei Hagebau-Märkte mit angeschlossenen Gartencentern.
Das Problem ist: Wer einen Eimer Farbe oder einen Hammer möchte, der muss vorher online bestellen oder telefonisch ordern und dann zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt die Ware abholen. Denn in den Baumärkten gilt das „Click & Collect“-Prinzip. Der Kauf von Blumen oder Pflanzen hingegen ist genauso unproblematisch wie der Gang in den Supermarkt.
Ein Geschäft, zwei Kaufsysteme
Zwei unterschiedliche Voraussetzungen, um im gleichen Laden einzukaufen: das verwirrt die Kundschaft vollends. „Allein zwei unserer Mitarbeiterinnen sind nur damit beschäftigt, die vielen Anrufe zu beantworten“, berichtet Frieder Bolay.
Das in der Corona-Verordnung erlassene Prinzip „Ein Geschäft, zwei Kaufsysteme“ macht auch Daniel Wöhr zu schaffen. Denn in seinem Obi-Markt in Leonberg gibt es sowohl Heimwerker-, wie auch Gartenbedarf. Auch hier stehen die Telefone nicht still. „Es ist für viele nicht einsehbar, dass sie quasi zweimal kommen müssen, wenn sie Pflanzen oder einen Heimwerkeartikel gleichzeitig haben möchten“, erzählt der Geschäftsführer.
Umsatz-Killer
„Um es den Kunden so leicht wie möglich zu machen, haben wir nahezu unser ganzes Sortiment auf unsere Homepage gestellt“, sagt Wöhr. „Wenn jemand etwas elektronisch bestellt, kann er es sehr schnell abholen.“ Dennoch seien die Umstände ein Umsatz-Killer: „Wir merken das sehr deutlich. Und dadurch ist auch im Gartenbereich viel weniger los.“
Das permanente Hin und Her und die nicht immer verständnisvollen Reaktionen belasten zudem die Mitarbeiter, schildert Daniel Wöhr: „Viele sind durch die mehr als ein Jahr andauernde Ausnahmesituation sehr angespannt.“
Luca-App als Angebot
Bei der Firma Kriesten kann es zumindest zu keinen Missverständnissen kommen. Im Leonberger Mahdental gibt es ausschließlich Gartenartikel, die die Corona-Verordnung dem täglichen Bedarf zuordnet. Birgit Kriesten-Ploppa und ihr Team können also normal öffnen.
Neu bietet der Familienbetrieb den Kunden die Nutzung der Luca-App an, das aber auf freiwilliger Basis. Um noch mehr Abstand zu ermöglichen, wird jetzt auch das Glashaus als Verkaufsfläche genutzt.