Seit kurz vor Ostern steht der ehemalige Gemüseladen an der Harthäuser Ortsdurchfahrt leer, nun aber tut sich was. Wer sind die Neuen? Und wann geht es los?

Das Schlimmste ist überstanden, sagt Markus Abrutat und lacht laut. Immerhin, seinen Humor hat er nicht verloren, obwohl die vergangenen Monate zäh waren für ihn und seine Frau Caroline. Ursprünglich hätten sie ihr Harthäuser Lädle schon im Sommer eröffnen wollen, dann wurde alles auf den Herbst geschoben, und nun ist bald Weihnachten, und das Geschäft an der Ortsdurchfahrt von Harthausen steht immer noch leer, obwohl die Mietzahlungen laufen. Woran es hängt? „Am Kassensystem“, sagt Caroline Abrutat. Erst wenn das endlich installiert ist, kann es losgehen.

 

In Harthausen tut sich was. Erst Anfang November hat im Zentrum Tesori D’Olivo eröffnet, ein kleines Geschäft mit Spezialitäten und Geschenkartikeln aus der Toskana, und gleich daneben kriegt der kleinste Filderstädter Ortsteil bald auch wieder einen Einkaufsladen. Damit wird eine Lücke geschlossen, die viele Menschen schmerzt. Kurz vor Ostern hatte der Landwirt Simon Knecht an dieser Stelle seinen Gemüseladen geschlossen – nach 15 Jahren. Es habe sich nicht mehr gelohnt, erläuterte er seinerzeit im Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Umsatz geht stetig zurück, und die Kosten steigen in allen Bereichen“, sagte Simon Knecht und bemängelte einen Kundenschwund.

„Harthausen ohne Laden geht nicht, ganz einfach“

Die Abrutats wollen sich davon nicht entmutigen lassen. „Harthausen ohne Laden geht nicht, ganz einfach“, sagt Markus Abrutat. Zwar lebt der 45-Jährige mittlerweile in Bonlanden, er ist aber in Harthausen aufgewachsen. „Als ich klein war, gab es zwei Läden an der Hauptstraße, alles weg“, erzählt er, auch Modeboutiquen, zwei Metzgereien und vier Bäckereien habe es gegeben. „Man konnte sagen: Vor zehn Jahren war in Harthausen mehr los als in anderen Stadtteilen“, sagt er, heute aber drohe der Ortsteil auszubluten, „es ist traurig“.

Dem wollen die Eheleute entgegenwirken – und haben sich ein ausgefuchstes Konzept überlegt. Anbieten wollen sie im Harthäuser Lädle regionale Waren. Obst und Gemüse, Brot, Mehl, Öle, Nudeln, Honig, Eier und Eis soll es beispielsweise geben, allesamt Waren aus einem Umkreis von wenigen Kilometern. „Es gibt alles in Filderstadt. In Filderstadt sind wir gesegnet“, sagt Markus Abrutat. Er selbst ist Landwirt, betreibt eine Schäferei in Plattenhardt. Auch eigene Waren, Wurst und Fleisch, sollen daher im Lädle angeboten werden.

SB-Geschäft in Harthausen: Einkaufen ohne Personal

Viele Waren kommen aus dem Umkreis (Symbolbild). Foto: Fabian Sommer/dpa

Das Besondere: Das Paar plant ein SB-Geschäft, in das man sich per EC-Karte Zutritt verschafft, dann in aller Ruhe Waren aussucht und diese dann selbst scannt und bargeldlos bezahlt; ein Prinzip, das man mittlerweile aus Supermärkten und Drogerien großer Ketten kennt. „Auch in Österreich sind diese Läden gang und gäbe“, sagt Caroline Abrutat. Der Vorteil liegt für sie auf der Hand: Es braucht kein Personal, und „wir allein können das nicht leisten“, sagt die 45-Jährige. Anfangs jedoch wollen die Betreiber häufiger im Laden sein, um der Kundschaft alles zu erklären.

Die Abrutats sagen, dass sie ständig angesprochen werden. Die Menschen wollen wissen, wann es losgeht. Wann das Harthäuser Lädle starten kann, ist allerdings noch unklar. „Der Wunsch ist vor Weihnachten, realistisch ist im neuen Jahr“, sagt Markus Abrutat. Ihm und seiner Frau sind die Hände gebunden. Erst muss das Kassensystem installiert sein. Der Rest ist jedoch bereits vorbereitet. Haltbare Waren sind besorgt, Einkaufstaschen sind mit dem neuen Logo bedruckt. Caroline Abrutat sagt: „Wird sind in den Startlöchern.“ Die Kundschaft werde man übers Amtsblatt und mit Flugblättern auf dem Laufenden halten. Ihr Mann lacht wieder. „Das wird gut.“