Einkaufen in Ludwigsburg Durchbruch im Marstall-Center

Von  

Das marode Einkaufszentrum in der Unteren Stadt scheint gerettet. Alle Eigentümer wollen ihre Ladenflächen an einen Investor verkaufen.

Anblicke wie Foto: factum/Bach
Anblicke wie Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Vor drei Jahren haben die Ludwigsburger Kommunalpolitiker noch darüber gewitzelt, nun könnte es ernst werden: Die Stadt verhandelt mit der Firma ECE über die Übernahme und den Betrieb des Marstall-Centers in der Unteren Stadt. Seit dem vergangenen Freitag haben alle Eigentümer von Geschäften in dem

heruntergekommenen Einkaufszentrum die vorläufigen Verkaufsverträge unterschrieben. Damit hat die von der Stadt eigens gegründete Gesellschaft Untere Stadt Ludwigsburg GmbH alle Unterlagen, die nötig sind, um die Ladenfläche gebündelt an einen Investor zu verkaufen, der das Haus saniert, modernisiert und betreibt. Bislang waren potenzielle Investoren vor der komplexen Eigentümerstruktur zurückgeschreckt.

Nun jedoch gibt es offenbar gleich mehrere Interessenten. Dass es sich bei einem davon um das Hamburger Unternehmen ECE handelt, dementiert der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried nicht. Er betont allerdings, dass für dieses Geschäft „einige Partner potenziell in Frage kommen“. Einen Vertrag gebe es noch nicht, noch sei man dabei, Gespräche zu führen.

Das Gespräch mit ECE entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Im Jahr 2009 war zwischen der Stadt und dem von ECE betriebenen Breuningerland im Tammerfeld ein heftiger Streit entbrannt. Das Einkaufszentrum wollte seine aktuelle Verkaufsfläche um 9800 auf dann fast 46 000 Quadratmeter erweitern. Doch die Ludwigsburger Verwaltung und die Innenstadthändler lehnten den Ausbau rigoros ab. Sie befürchteten, dass ein noch attraktiveres Breuningerland eine noch schärfere Konkurrenz für die Innenstadt werden würde. Erst recht, da es um das Marstall-Center zu jener Zeit noch schlechter bestellt schien als ohnehin. Letztlich legte der in dieser Frage tief gespaltene Gemeinderat mit einer sogenannten Veränderungssperre sämtliche Pläne auf Eis, vorerst. Anfang dieses Jahres hat der Gemeinderat diese Sperre einmütig wieder aufgehoben – nachdem zuvor das Breuningerland überraschend seine Ausbaupläne zurückgezogen hatte.

Mancher Stadtrat will damals munkeln gehört haben, dass es eine Absprache der Verwaltung mit dem Centermanagement gebe, wonach eine Erweiterungsanfrage kleineren Ausmaßes zu gegebener Zeit positiv beschieden würde. Auch jetzt gibt es Stadträte, die von einem „Deal“ sprechen: Übernimmt ECE das Marstall-Center dürfe es in gewissem Umfang erweitern. Eine solche Verknüpfung sei gar nicht zulässig, entgegnet jedoch Konrad Seigfried, der den urlaubenden Oberbürgermeister Werner Spec vertritt. Das ECE in Hamburg lässt lediglich mitteilen, dass man sich zu diesem Thema „momentan“ nicht äußere.

In den kommenden drei Monaten soll allerdings Klarheit geschaffen werden. „Wir müssen zu Potte kommen“, sagt Seigfried. Ende dieses Jahres laufen nämlich die Optionsverträge mit den bisherigen Eigentümern aus. Doch bereits zuvor muss geklärt sein, wer bereit ist, die nun ausgehandelten Preise für die Ladenflächen zu bezahlen und noch dazu eine „mächtige Investition“ für die Revitalisierung des Marstall-Centers stemmen kann.

Eine Studie, die die Stadt und die damaligen Eigentümer in Auftrag gegeben hatten, hat dargestellt, wie das Gebäude auf einen modernen Stand gebracht werden könnte. Die Pläne des Büros Blocher und Blocher, das auch die Wilhelmgalerie konzipierte, sahen eine Ausgabe von 16 Millionen Euro vor – doch das war im Jahr 2007. Auch das Umfeld könnte dann aufgewertet werden. Die Untere Stadt ist zwar längst als offizielles Sanierungsgebiet ausgewiesen. Mit mindestens 1,5 Millionen Euro würden Bund und Land die Maßnahme unterstützen. Doch bislang wurde damit nicht begonnen. Die Stadt wollte warten, bis es ein Konzept für das Kaufhaus gibt.