Das Ergebnis hat Jürgen Trautwein, einer der beiden Sprecher der Marktbeschicker, nicht wirklich überrascht. „Die Rückmeldungen der Kundschaft sind immer in diese Richtung gegangen, aber sicher kann man sich natürlich nicht sein“, sagt der Landwirt aus Kirchberg, der am Ende ein Ergebnis dann doch anders erwartet hätte: 62 Prozent der Besucher, die an der Umfrage teilnahmen, waren aus Marbach. 31 Prozent von auswärts, die restlichen sieben Prozent haben keine Angaben zum Wohnort gemacht. „Ich dachte eigentlich, dass es weniger Marbacher sind, die auf dem Markt einkaufen oder anders gesagt, dass der Anteil der Auswärtigen größer ist, aber vielleicht ist das auch nur eine Wahrnehmung an unserem Stand.“
Vergangene Woche hatten die Marktbeschicker einen offenen Brief an die Stadtverwaltung und an die Mitglieder des Marbacher Gemeinderates geschickt. Darin kritisieren sie die Rückkehr des Marktes in die Innenstadt und die Vorgehensweise der Verwaltung. Sie fühlen sich nicht gehört und mitgenommen. Und sie prognostizieren Konflikte, wenn es tatsächlich so kommt wie es der Gemeinderat einstimmig beschlossen hat – vor allem auf dem Kelterplatz. Auch mit Anwohnern.
Dass die von den Beschickern angekündigte Umfrage nicht bei allen gut ankommt, hat Jürgen Trautwein am Samstag zu spüren bekommen. Er und seine Mitarbeiter seien teilweise heftig angegangen worden, wie man sich überhaupt erdreisten könne, einen Beschluss des Gemeinderates anzugehen. „Da frage ich mich wirklich, was das für ein Verständnis von Demokratie ist, wenn man versucht, auf vollkommen legale Weise für seine Überzeugung einzustehen und einfach auch Meinungen abzufragen“, wundert sich der Kirchberger. Die Beschicker hatten alle an ihren Ständen Umfragezettel zum Ausfüllen bereitgelegt.
SPD-Kandidat startet ebenfalls eine Umfrage
Jürgen Trautwein und seine Mitstreiter hoffen, dass das deutliche Ergebnis Bürgermeister Jan Trost und die Gemeinderäte noch einmal nachdenken lässt. „Und wenn es wirklich bei einer Rückkehr bleibt, dass dann zumindest nachjustiert wird, denn so wie es aktuell geplant ist, geht es nicht.“
Während die Beschicker am Samstag vor Ort auf dem Markt eine Umfrage durchgeführt haben, hat Felix Gschwind, SPD-Kandidat für die Kommunalwahl, am Sonntag auf Facebook eine Umfrage gestartet. 251 Personen hatten bis Montag um 14 Uhr teilgenommen. Das Ergebnis: 56 Prozent wollen den Markt wieder in der Innenstadt. Ob sie alle auch Kunden des Marktes sind, bleibt offen. Allerdings wird auch in der Diskussion auf Facebook deutlich, dass das Thema durchaus emotional diskutiert wird. Ein Kandidat der Gruppe Puls verweist etwa auf besagten Ratsbeschluss und findet eine Umfrage deshalb „überflüssig“. Das Thema sei längst entschieden.
Auch das Wegbleiben einiger Beschicker im Falle einer Rückkehr in die Innenstadt wird kontrovers diskutiert. Die bisherigen Beschicker könnten mitmachen – oder eben nicht. Es würden sich sicher andere finden, schreibt ein Gruppenmitglied. Jürgen Trautwein warnt jedoch. „Marktbeschicker sind eine aussterbende Spezies. Es ist für die Kommunen schwer, Beschicker zu finden.“
Ein Gespräch ist geplant
Bürgermeister Jan Trost, der bis Montagnachmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen ist, hat indessen wohl schon reagiert. „Er hat uns zu einem Gesprächstermin für eine erfolgreiche Rückverlegung des Marktes gebeten“, berichtet Trautwein. Wann das Gespräch stattfinden soll, sei jedoch noch nicht klar. „Der Termin muss noch vereinbart werden, da auch Gemeinderatsvertreter anwesend sein sollen“, sagt Jürgen Trautwein. „Wir sollen Termine vorschlagen.“