Die Sanierung der Marbacher Fußgängerzone liegt in den Endzügen. Die langersehnte Einweihung naht – und damit auch die Rückkehr des Wochenmarktes in die Innenstadt. Doch statt eitel Sonnenschein braut sich ein Gewitter zusammen. Denn so groß die Freude der Einzelhändler über den Samstagsmarkt vor ihrer Ladentüre ist, so groß sind Sorgen und Ärger der Marktbeschicker über den Standortwechsel. Sie prognostizieren Konflikte und befürchten zudem ein Minus an Kunden. In der Tat haben sich viele in den vergangenen Jahren an die Großzügigkeit des Areals vor dem Gymnasium gewöhnt. Zudem schätzen sie die gute Erreichbarkeit mit Parkplätzen direkt neben den Marktständen. Schwere Körbe tragen, kistenweise Blumen schleppen? Kein Problem, das Auto steht ja nur ein paar Meter entfernt.
Ärger auf dem Kelterplatz
Auch Ärger mit Anwohnern ist vorprogrammiert. Schon vor der Sanierung gab es immer wieder Probleme, denn nicht selten stehen auf dem Kelterplatz morgens Autos auf den Plätzen, auf denen eigentlich Stände aufgebaut werden müssten. Dann wird abgeschleppt, oder es werden Anwohner herausklingelt. Das dauert und kostet die Beschicker, die mit ihren Anhängern festsitzen oder rangieren müssen, Nerven und bedeutet für die Anwohner unnötigen Lärm am frühen Samstagmorgen.
Vor der Sanierung gab es drei Stände auf dem Kelterplatz, jetzt sind sogar vier vorgesehen, denn in der Fußgängerzone ist der Platz künftig knapper. Einer der Stände, ausgerechnet von dem Beschicker mit dem längsten etwa 14 Meter langen Anhänger, soll direkt neben der öffentlichen Toilette Obst und Gemüse verkaufen. Was ihm und den Kollegen mächtig stinkt – aufgrund der Länge des Verkaufsstandes aber auch logistisch nicht möglich sein wird.
Auf der anderen Seite ist die Freude der Einzelhändler verständlich. Sie haben in den vergangenen Jahren aufgrund der Baustelle starke Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Der Frequenzbringer Wochenmarkt wird ihnen helfen – zumindest am Samstag. In Zeiten, in denen das Ausbluten der Innenstädte beklagt wird, ist deren Revitalisierung alternativlos. Und ein Mittel besagter Revitalisierung sind zweifelsohne Wochenmärkte. Sie binden die Kaufkraft an den Standort Innenstadt. Deshalb ist die Rückkehr des Marktes in die Marbacher Innenstadt richtig.
Konträre Interessen
Falsch war es jedoch, die Beschicker nicht frühzeitig an einen Tisch geholt zu haben und mit ihnen ins Gespräch gegangen zu sein. Idealerweise zusammen mit den Einzelhändlern. Wenn Interessen so konträr sind, braucht es eine gute Kommunikation, um Verständnis zu schaffen und Lösungen zu finden, mit denen alle leben können. Den Beschickern einen Standplan vorzulegen und ihnen zu sagen, dass sie ja untereinander tauschen können, ist zu einfach. Den Frequenzbringern der Innenstadt wird so ohne Not der Schwarze Peter zugeschoben. Am Ende, so ist zu hören, könnte es dazu führen, dass der eine oder andere seine Waren auf anderen Märkten verkauft. Und das möchte auch keiner.