Einkaufen in Stuttgart-Vaihingen Todesanzeige für das Kartenlädle

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Ein findiger Unbekannter hat einen Zettel an das zugeklebte Schaufenster gehängt. Das Kartenlädle bleibt geschlossen, über die Gründe gibt es nur Mutmaßungen. Und es gibt die Hoffnung, dass die Fläche am Vaihinger Markt nicht lange leer steht.

Ein findiger Unbekannter hat diese „Todesanzeige“ am Schaufester des Kartenlädle angebracht. Foto: privat
Ein findiger Unbekannter hat diese „Todesanzeige“ am Schaufester des Kartenlädle angebracht. Foto: privat

Vaihingen - Erneut ist ein hochgeschätztes Mitglied aus der Mitte unserer Gemeinde genommen worden“, heißt es auf dem Ausdruck. Darunter prangt ein großes schwarzes Kreuz. „Dies haben wir der Heimtücke des Internets und unserem daraus resultierenden Einkaufsverhalten zu verdanken.“ Wer die „Todesanzeige“ am Schaufenster des Vaihinger Kartenlädle angebracht hat, ist unbekannt. Das sei zwar makaber, sagt Matthias Filbinger, der Vorsitzende des Bunds der Selbstständigen (BDS) in Vaihingen. „Aber der Inhalt stimmt wohl.“

Das Internet ist Konkurrent für viele Geschäftsleute, auch Tickets für Veranstaltungen können bequem am Computer bestellt werden. Ob das tatsächlich der Grund für die dauerhafte Schließung des Kartenlädles ist, darüber gibt es nur Mutmaßungen. Der Inhaber war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Seine weiteren Ticketcenter im Breuninger in der Stuttgarter Innenstadt und im Breuningerland in Sindelfingen bleiben laut seiner Internetseite ebenfalls geschlossen.

Online bestellen, im Laden abholen

Dem Internet alleine die Schuld an Geschäftsschließungen zuzuweisen, sei aber falsch, sagt Filbinger. Es liege auch am Kaufverhalten der Kunden. „Wir sollten online bestellen und die Waren im Laden abholen. Nicht andersrum“, so der BDS-Vorsitzende. „Wenn sich das Kaufverhalten nicht ändert, sterben noch mehr Geschäfte“, warnt Filbinger.

Auch Alter und Krankheit sind Gründe für Geschäftsschließungen in Vaihingen. „Wir sind dem demografischen Wandel unterworfen. Die Geschäftsführer und Inhaber gehen in den Ruhestand, und Nachfolger finden sich oft schwer“, sagt Ingo Vögele, der Pressesprecher des Verbunds Vaihinger Fachgeschäfte (VVF).

Ein weiteres Traditionsgeschäft schließt

Die Schließung des Kartenlädles bedauert er. „Der Service, das Persönliche, haben den Laden ausgemacht. Ich habe die Dienste gerne in Anspruch genommen“, sagt Vögele. Auch Matthias Filbinger war Kunde des Ticketcenters. „Meine Frau und ich sind immer gerne ins Lädle gegangen. Die Mitarbeiter waren immer freundlich und hilfsbereit. Es war eine Institution in Vaihingen“, sagt er und fügt hinzu: „Wieder ein Traditionsunternehmen, das für immer geschlossen bleibt.“ 20 Jahre lang gab es das Kartenlädle am Vaihinger Markt. Es reiht sich in die inzwischen lange Liste ein, auf der unter anderem die Schiller-Buchhandlung, die Bäckerei Greiner oder die Apotheke am Schillerplatz stehen. „Es ist beängstigend, mit welcher Kontinuität die Schließungen kommen“, sagt Filbinger.

Aber: Vaihingen habe eine hohe Kaufkraft, es gelte, diese zu halten. „Der Vaihinger Markt ist nach wie vor ein starkes Zentrum“, sagt der BDS-Vorsitzende. „Die Kaufkraft ist höher als im Stuttgarter Durchschnitt, und die Angebote werden angenommen.“ Cafés beispielsweise würden sehr gut angenommen. „Sie sind Treffpunkte, ein Gegenpol zum Internet“, sagt Filbinger. Rund um den Vaihinger Markt, die Hauptstraße und den Schillerplatz sei von Metzgereien über Bekleidungsgeschäfte und Feinkostläden bis zu Dienstleistern wie Optikern und Schneidereien trotz der zahlreichen Schließungen einiges geboten. Das sieht auch Ingo Vögele so. „Die Vielfalt ist groß“, sagt er. „So müde ist Vaihingen nicht. Man muss nur offenen Auges durch den Ort gehen, dann entdeckt man viel Gutes“, sagt der VVF-Sprecher.

Der Laden wird wohl nicht lange leer stehen

Dennoch möchte er „nichts beschönigen“. „Es muss etwas passieren in Sachen Aufenthaltsqualität am Vaihinger Markt“, sagt Vögele. Dazu zählen etwa die Erneuerung des Bodenbelags und Sanierungen der Gebäude. Dafür hat die Stadt im Rahmen des Konzepts Stadtteilzentren konkret einen Topf mit Fördermitteln für die Eigentümer bereit gestellt. Wie diese Förderung angenommen wird, wird sich zeigen.

Wegen des weiteren Leerstands macht sich der VVF-Pressesprecher keine Sorgen. Es gebe bereits Interessenten für die Fläche des Vaihinger Kartenlädles. Genaueres möchte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Nur so viel: „Ich denke, das wird nicht lange eine Brache bleiben.“ Auch, wenn die Anzeige am Schaufenster vermuten lässt, dass manch ein Bürger das anders sieht: „Der Vaihinger Markt ist nicht tot“, betont Ingo Vögele.

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