Einkaufen in Stuttgart Wann der Schnelltest keine Pflicht für den Einkaufsbummel ist

Bei Wittwer-Thalia gibt’s am Eingang ein „Schocklädle“ Foto: mh
Bei Wittwer-Thalia gibt’s am Eingang ein „Schocklädle“ Foto: mh

Der Handel beklagt erneut die schlechte Information durch die Politik bei den Coronaverordnungen: Viele Kunden wissen nicht, dass man auch ohne negativen Coronatest einkaufen kann.

Lokales: Martin Haar (mh)
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Stuttgart - Zehn Traditionsläden in der Stuttgarter Innenstadt, namentlich Feinkost Böhm, Korbmayer, Maute Benger, Lederwaren Acker, Wittwer-Thalia, Kutter, Unique, Hochland und Kästner, rollen ihren Kunden zur Wiedereröffnung nach dem Lockdown sprichwörtlich den roten Teppich aus. „Wir freuen uns so über die Öffnung des Handels, dass wir die Kunden in der Innenstadt wie Stars begrüßen wollen“, erklärt Wittwer-Thalia-Geschäftsführer Rainer Bartle die Aktion „Red-Carpet-Opening“, das den Kunden in den teilnehmenden Läden Aufmerksamkeiten wie ein „Schocklädle“ (Bartle) oder Ähnliches verspricht.

Man darf die Geste aber auch als Wiedergutmachung für eine von der Politik gestiftete Verwirrung bei den Kunden sehen. „Bei uns und bei anderen Läden kommen die Kunden rein und fragen, ob und wie man denn jetzt einkaufen dürfe. Eigentlich sollten die Regelungen der Politik für jeden klar verständlich sein“, berichtet Bartle.

Informationsdefizit bei Kunden

Holger Siegle von der City-Initiative Stuttgart (CIS) bestätigt die Verunsicherung, die manchen womöglich ganz von einem Einkaufsbummel in der Stadt abhalten könnte: „Die Leute denken, dass sie ausschließlich mit einem negativen Coronatest in ein Geschäft dürfen.“

Tatsächlich gebe es aber zwei Optionen für den Einkauf, so Siegle. Die erste und bekanntere Variante sei, dass zwei Personen pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche ohne Anmeldung Einlass in einen Laden finden, wenn sie einen Test-, Impf- oder Genesenennachweis vorweisen.

Was aber viele nicht wüssten, sei, dass die Läden auch eine einzige Person pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche ohne Coronatest oder Impf- oder Genesenennachweis einlassen dürfen, wenn sich dieser Kunde angemeldet hat und damit auch seine Kontaktdaten hinterlässt, erklärt Holger Siegle. „Diese Option wurde bislang recht schwach kommuniziert, ist aber gerade für Händler mit größerer Verkaufsfläche durchaus relevant“, so Siegle, „aber selbst viele Händler wissen nichts von dieser Möglichkeit.“

In diesem Fall bestehe somit sogar die Gefahr, dass Händler von allen Kunden einen negativen Test verlangen, obwohl dies gar nicht notwendig sei. Diese Unkenntnis, so glaubt der Stellvertreter von Citymanager Sven Hahn, könne durchaus zu einem gehemmtem Kaufverhalten führen. Welches Potenzial jedoch in der Einkaufsvariante ohne Test für manchen Händler liege, zeigt Siegle an den Beispielen der großen Kaufhäuser wie Breuninger oder Kaufhof auf. Holger Siegle rechnet vor: „Bei 20 000 Quadratmetern Verkaufsfläche dürften hier tatsächlich 500 Kunden ohne Coronatest gleichzeitig einkaufen.“




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