Der Einkaufsgarten Peter Haag in Degerloch schließt nach 32 Jahren. An Heiligabend ist der letzte offizielle Verkaufstag, im Januar beginnt der Ausverkauf. Die Inhaber sprechen über die Gründe für das Aus.

Viele warme Worte, viele geschüttelte Hände, viele Abschiedsgrüße: Für Peter Haag und seine Ehefrau Gabriele Knobloch-Haag sind die vergangenen Tage bitter und süß zugleich gewesen. Das Paar schließt seinen Einkaufsgarten im Degerlocher Gewerbegebiet Tränke, und viele Stammkunden kommen vorbei, um sich ein letztes Mal mit Pflanzen und Geschenkartikeln aller Art einzudecken und persönlich Tschüss zu sagen. „Das ist der Wahnsinn, was als Resonanz kommt. Es ist beglückend, obwohl es traurig ist“, sagt Gabriele Knobloch-Haag. Die Wertschätzung sei enorm.

Aus nach 32 Jahren

Das Aus kommt nach 32 Jahren – nicht aus Altersgründen, und auch wirtschaftlich stehe das Unternehmen gut da. „Der Grund ist, dass wir genug haben und nicht mehr können“, sagt Peter Haag. Er und seine Frau bekennen: Die vergangenen drei Jahre, geprägt durch Corona, haben sie zermürbt. „Die letzten Jahre waren sehr kräftezehrend“, sagt Gabriele Knobloch-Haag. Immer neue Abläufe, immer neue Vorschriften, „bis dahin, dass sie uns eine Woche vor Weihnachten den Laden zugemacht haben“, sagt Peter Haag rückblickend.

Viel Verderbliches sei seinerzeit kaputt gegangen. Der Einzelhandel habe es generell schwer gehabt. Aber auch abseits der Pandemie sei das Geschäft stets ein anstrengendes gewesen. Das Ehepaar wohnt im Dachgeschoss des Gebäudes. Um die Oase, die der Pflanzenmarkt mit dem großen Außengelände für viele ist, zu erhalten, sei jede Menge Einsatz abseits der Öffnungszeiten nötig. Nun aber sei die Luft raus. „Den Standard zu halten, ist uns körperlich nicht mehr möglich“, stellt Peter Haag klar. Abstriche wollten er und seine Gattin aber auch nicht machen. „Dann wären wir nicht zufrieden und die Kunden auch nicht.“

Gleichnamiges Pflanzencenter nicht betroffen

Er, der Gärtnermeister, und sie, die Gartenbauingenieurin, beschäftigen fünf Mitarbeiterinnen in unterschiedlichen Teilzeit-Modellen. Zwei haben allerdings das Rentenalter erreicht. Sprich: Auch Personalmangel hätte gedroht, und neue Fachleute zu finden, das sei branchenübergreifend schwierig. „Unser Sortiment ist sehr breit, vielseitig und persönlich. Das pflegt man nicht mal so geschwind“, sagt Gabriele Knobloch-Haag. Sie und ihr Mann betonen: Das Pflanzencenter Haag in Möhringen trifft die Geschäftsaufgabe nicht. Man sei zwar verwandtschaftlich verbunden, betrieblich aber getrennt. „Nur wir hören auf, das betrifft nur Peter Haag“, sagt sie.

Räumungsverkauf ab 9. Januar

Der letzte offizielle Öffnungstag im Einkaufsgarten an der Chemnitzer Straße ist an diesem Heiligabend, „bis dahin versuchen wir so gut zu sein wie immer“, sagt Peter Haag. Am 9. Januar wird dann ein Räumungsverkauf starten, voraussichtlich zwei Wochen lang immer nachmittags von 14 bis 18 Uhr. Wer dieser Tage kommt, kriegt eine Abschiedszeitung ausgehändigt. Darin hat das Ehepaar mit dem grünen Daumen Tipps fürs Gartenjahr niedergeschrieben, auch Verweise auf empfehlenswerte Branchenkollegen finden sich dort. Viele Fotos aus 32 Jahren sind abgedruckt. „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“, sagt Peter Haag.