Die deutsche Wirtschaft gerät immer stärker in den Abwärtssog, und auch im gesamten Euroraum nehmen die Rezessionsrisiken zu. Das ist das Ergebnis des Einkaufsmanagerindex, einer monatlich vom Finanzkonzern S&P Global erstellten Umfrage unter Unternehmenslenkern.
Privatwirtschaft schrumpft wie seit sieben Monaten nicht mehr
Das Stimmungsbarometer, das als zuverlässiger Frühindikator gilt, sank im September gegenüber dem Vormonat um 1,2 auf 47,2 Punkte. Der Index fiel damit weiter unter die Expansionsschwelle bei 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. „Die deutsche Privatwirtschaft ist noch tiefer in den rezessiven Bereich abgesackt und so stark geschrumpft wie seit sieben Monaten nicht mehr“, teilte S&P Global mit.
Die Furcht vor einer dauerhaften Wirtschaftsflaute und die Schwäche im Automobil- und Bausektor führten zu einer drastischen Verschlechterung der Geschäftsaussichten. Die deutsche Industrieproduktion verzeichnete den Daten nach den schwächsten Indexwert seit einem Jahr, die befragten Manager meldeten zugleich das größte Auftragsminus seit knapp zwölf Monaten.
„Der Abschwung im verarbeitenden Gewerbe hat sich erneut verschärft und jegliche Hoffnung auf eine baldige Erholung zunichte gemacht“, sagt Chefökonom Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank, die den Einkaufsmanagerindex sponsert.
Die Zahlen dürften die Debatte über das Risiko einer Deindustrialisierung anheizen und auch darüber, was die Regierung dagegen tun sollte, so de la Rubia. „Es macht schon fast einen resignierenden Eindruck, dass die Unternehmen die Beschäftigung so stark reduziert haben wie seit der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 nicht mehr“.
Auch Frankreich schwächelt nach Olympia-Aufschwung wieder
Als größte Volkswirtschaft der Eurozone ist Deutschland ein Hemmschuh für die Konjunktur im gesamten Währungsraum. Den Umfrageergebnissen zufolge ist die Privatwirtschaft in der Eurozone erstmals seit sieben Monaten wieder geschrumpft. Auch Frankreich habe nach dem Olympia-Aufschwung im August wieder Wachstumseinbußen hinnehmen müssen. Die übrigen Länder der Währungsunion verzeichneten die niedrigsten Wachstumsraten seit Januar.
„Die wirtschaftlichen Aussichten trüben sich für die Wintermonate ein, ohne dass zuvor eine klare konjunkturelle Erholung erkennbar gewesen wäre“, erklärt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Vor allem das verarbeitende Gewerbe leide – doch inzwischen breite sich die Krise stärker aus.
„Bislang konnte der Dienstleistungssektor zumindest etwas von der schwachen Lage in der Industrie kompensieren, doch dies scheint nun auch nicht mehr der Fall zu sein.“ Der Service-Index für die Eurozone fiel im September von 52,9 auf 50,5 Punkte – das niedrigste Niveau seit sieben Monaten.
Nach Einschätzung von Experte Gitzel könnte die Wirtschaft mit Blick auf den Arbeitsmarkt vor einer entscheidenden Bewährungsprobe stehen. „Lange lautete das Motto: Arbeitskräfte horten bis zum nächsten Aufschwung. Doch der Aufschwung lässt zu lange auf sich warten, als dass Unternehmen an personellen Überkapazitäten festhalten können.“ Die Wirtschaft in der Eurozone scheine auf dem Weg in eine erneute Rezession zu sein, resümiert Gitzel.