Mittendrin statt nur dabei. Die Esslinger Innenstadt darf keine Außenseiterrolle spielen. Damit die Altstadt nicht alt aussieht, sondern neue Impulse erhält, soll es verschiedene Aktionen geben. Der City-Manager Thomas Müller spricht von Workshops, Veranstaltungen und Aktionsbühnen. Er gibt aber auch zu, dass die Lage durch schwieriger werdende Rahmenbedingungen nicht einfach ist.
Humor gehört zum Geschäft. „Charmant ist die Tatsache, dass derzeit die Nachfrage nach wärmenden Produkten anzieht“, meint Müller mit Blick auf die Lage des Esslinger Handels. Abseits von allem augenzwinkernden Optimismus ist der City-Manager aber überzeugt, dass sich Inhaber und Betreiber von Geschäften wärmer anziehen müssen. Die Verwerfungen des russischen Angriffskrieges, Inflation und Energiekrise hätten Auswirkungen auf Einkäufe, Dienstleistungsnutzung und Gastronomiebesuche in der Esslinger Innenstadt. Folgen für den Einzelhandel haben seiner Erfahrung nach zudem das bewusstere, umweltorientierte Einkaufsverhalten aufgrund des Klimawandels und die Auswirkungen der Coronapandemie. Sein Fazit: „Schwierig ist die Tatsache, dass vielfach Kaufzurückhaltung zu erkennen ist, wenn die Kunden insbesondere mit Blick auf steigende Energiepreise weniger ausgeben und mehr Geld auf die Seite legen wollen“.
Shoppen im Spannungsfeld aktueller Entwicklungen ist schwierig. Tot ist die Innenstadt nach Ansicht von Müller aber nicht. Im Gegenteil. Der City-Manager sieht sogar eine Belebung: „Insgesamt gut war und ist – sicherlich auch dank des schönen Sommerwetters – die Frequenz in der Esslinger City.“ Diese Aussage macht er an verschiedenen Beobachtungen fest: Vielfach genutzte Liegestühle, Bänke und besondere Sitzmöglichkeiten vor den Geschäften seien deutliche Zeichen für den gestiegenen Wunsch der Kunden, in der historischen Innenstadt länger zu verweilen. Bei besonderen Anlässen seien die gute Laune und Stimmung auf den Straßen und Plätzen spürbar. Seine Kollegen und Kolleginnen beim Stadtmarketing sprächen von einer „Rückkehr des Tourismus“. Denn es kämen wieder Gruppen, Unternehmen, Vereine oder Schüler nationaler und internationaler Couleur zu Stadtführungen.
Thomas Müller setzt auf modernes Eventmanagement im historischen Ambiente der Altstadt. Denn der Groß- und Außenhandelskaufmann und Betriebswirt führt die Frequenzsteigerung in der City auch auf verkaufsfördernde Veranstaltungen zurück. Aus seiner Sicht wurden Angebote wie „ES funkelt“, die Nacht des offenen Denkmals oder das Stadtfest Estival Anfang August sehr gut angenommen. Beliebt, begehrt und gut besucht waren seiner Meinung nach auch Aktivitäten und Aktionen im öffentlichen Raum wie das Sommerfunkeln in den Sommerferien: „Spielpunkte, Musik vor dem Laden, Walk-Acts wie auch die Sommerferienmärkte setzten bunte und fröhliche Akzente.“ Die Fachgeschäfte und die Gastronomiebetriebe würden damit täglich eine Einladung in die City aussprechen. Das Motto „Draußen ist das neue Drinnen“ würde sympathische Kundenaktionen ermöglichen: „Die Verbesserungen der Gestaltungssatzung mit Blick auf die Außenbewirtschaftung der Gastronomie sowie die hervorragende Kooperation bei Sondernutzungen haben der Innenstadt gutgetan.“
Ein Verharren beim Istzustand ist nach Ansicht von Thomas Müller passé. Er setzt auf eine dynamische Vorwärtsentwicklung in der Esslingen Innenstadt. Auch die Ritterstraße habe von den zahlreichen Events profitiert: „Diese Aktivitäten und die besonderen Märkte im Rahmen von Einkaufssonntagen und -abenden zeigen, dass die Ritterstraße eine ideale Erlebnisstraße mit eigentlich hoher Aufenthaltsqualität ist.“ Durch diese Bespielung werde sie zu einer attraktiven Verbindung zwischen Küferstraße und Postmichel und somit der östlichen mit der westlichen Innenstadt.
Die beiden Aktionsbühnen in der Straße hätten sich bewährt, meint Thomas Müller. Esslinger Musizierende hätten dort ihre Bühne gehabt und mit entspannter wie auch experimenteller Musik für Stimmung gesorgt. Der Fanfarenzug Blau-Weiss Esslingen oder der Liederkranz seien dort bereits aufgetreten. Bauliche Akzente in dieser wichtigen Straße mit Geschäften und Dienstleistern seien durch das Grüne Zimmer und Pflanzelemente mit Sitzmöglichkeiten gesetzt worden: „Weitere dauerhafte Verweil- und Wohlfühlangebote wären wichtig und notwendig, um diese Straße noch weiter als Fußgängerzone aufzuwerten.“
Impulse für die Esslinger Innenstadt
Aktionen
Die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST), Kulturamt, Stadtplanung und Ordnungsamt haben zwei Aktionsflächen in der Ritterstraße angelegt. Auf den Bühnen vor Rewe und an der Einmündung zur Küferstraße sind verschiedene Aktionen geplant. Am Mittwoch, 5. Oktober, und am Montag, 17. Oktober, lädt das Spielmobil des Stadtjugendrings zum Spielen in die Ritterstraße ein. Am Donnerstag, 6., und Freitag, 7. Oktober, wird das Circusmobil jeweils von 14 bis 18 Uhr dort gastieren. Vereine, Kulturinitiativen oder Künstler können sich auf einer der beiden Fläche „einbuchen“. Mehr unter www.esslingen.de/aktionsflaechen.
Workshops
Workshops zur Belebung der Innenstadt sind geplant. Am Donnerstag, 6. Oktober, geht es um 19 Uhr in der Augustinerstraße 22 unter der Regie der Stadtwerke Esslingen um „Energiesparen im Gewerbe“. Am Donnerstag, 13. Oktober, um 19 Uhr steht „Bechtle digital - Quick-Wins im Onlinemarketing“ bei Bechtle-Verlag und Druck in der Zeppelinstraße 116 in Esslingen auf dem Programm. Am Donnerstag, 20. Oktober, um 19 Uhr wird mit Unterstützung der Firma Wastemonkey das Thema „Ist das Abfall, oder kann das recycelt werden?“ bei Makers Inn in der Küferstraße 46 behandelt. Anmeldungen sind über die Geschäftsstelle der City Initiative Esslingen beim Citymanagement der EST unter info@cityinitiative-esslingen.de möglich.