Einkaufszentrum Gerber Streit über den Denkmalschutz geht weiter

Von Markus Heffner 

Nach den Ferien beraten die Ratsfraktionen über einen dritten Eingang für das Einkaufszentrum. Die Umsetzung wird kontrovers diskutiert.

Nach den Pfingstferien gehen die Beratungen über einen dritten Eingang für das Einkaufszentrum Gerber weiter. Foto: Benjamin Beytekin/Archiv
Nach den Pfingstferien gehen die Beratungen über einen dritten Eingang für das Einkaufszentrum Gerber weiter. Foto: Benjamin Beytekin/Archiv

Stuttgart - Ob es den geplanten dritten Eingang für das Einkaufszentrum Gerber an der Tübinger Straße geben wird, darüber wollen die Gemeinderäte in der ersten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik (Uta) nach den Pfingstferien am 28. Juni beraten und dann auch einen Beschluss fassen. Einen Tag zuvor, am 27. Juni, soll nochmals der Bezirksbeirat Mitte über den Stand der Verhandlungen informiert werden.

Anfang Juni hatten die Bezirksbeiräte den vorgeschlagenen Umbau zweier denkmalgeschützter Gebäude in der Tübinger Straße 22 und in der Sophienstraße 21 zu einem dritten Eingang für das Einkaufszentrum abgelehnt. In der darauffolgenden Uta-Sitzung war dann erneut eine heftige Diskussion zwischen den Ratsfraktionen und Baubürgermeister Matthias Hahn (CDU) über die von der Stadt vorgeschlagene Bebauungsplanänderung entbrannt. Die Beschlussfassung wurde daraufhin vertagt.

Ein weiterer Eingang wird zwar von allen Seiten grundsätzlich begrüßt, weil das Einkaufszentrum dadurch besser in Richtung Tübinger Straße und Königstraße angebunden wird, über die Umsetzung gibt es aber kontroverse Standpunkte. "Es wurde zugesichert, dass die denkmalgeschützten Gebäude erhalten bleiben. Darauf bestehen wir", betonte die Bezirksvorsteherin Mitte, Veronika Kienzle. Der Sachverhalt sei bereits entschieden, die zuständige Denkmalschutzbehörde habe dem Interesse der Investoren bereits Vorrang eingeräumt, erklärte dagegen der Baubürgermeister Matthias Hahn. "Was noch zu schützen ist, wird von uns im städtebaulichen Vertrag festgeschrieben."

Veronika Kienzle: "Wir wollen, dass die denkmalgeschützten Häuser komplett stehen bleiben"

Nach den ursprünglichen Plänen hatte der Investor, die Württembergische Lebensversicherung, das denkmalgeschützte Gebäude Tübinger Straße 22 bis auf die Fassade abreißen wollen. Nach heftigen Protesten gegen dieses Vorhaben wurde in einer Sitzung mit allen Beteiligten ausgehandelt, dass das Haus bei dem Eingriff weitgehend erhalten wird. Diese ausgehandelten Kompromisse seien vom neuen Projektentwickler immer mehr aufgeweicht worden, so Veronika Kienzle, daher habe der Bezirksbeirat Mitte die Bebauungsplanänderung abgelehnt. "Wir wollen, dass die denkmalgeschützten Häuser komplett stehen bleiben, nicht nur die Fassade."

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kotz ist diese Haltung "angesichts der vorangegangenen Diskussionen mit allen Beteiligten und der Beschlusslage nicht nachvollziehbar", wie er betonte. Die Stadtverwaltung müsse sich gegenüber den Investoren als verlässlicher Partner zeigen. Daher dringe seine Fraktion darauf, der Änderung so zuzustimmen. Die Grünen hingegen sehen in den jüngsten Gesprächen über den dritten Eingang, an denen auch Vertreter des Investors und der Denkmalschutzbehörde zugegen waren, keinerlei Beschlusskraft, so Peter Pätzold. Zudem sei es dringend nötig, noch über die Entwicklung des öffentlichen Raums und die Beteiligung des Investors zu sprechen. "Da muss noch mehr möglich sein."

Weiteren Gesprächsbedarf sieht auch die SPD-Fraktion. Es sei seinerzeit schon für alle überraschend gewesen, so die Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind, dass der Investor eine Änderung im "maßgeschneiderten" Bebauungsplan wollte, "auf dem noch nicht mal die Tinte trocken war".

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