Eingesperrt im zweiten Parkdeck mit einem vollen, schweren Einkaufswagen – es ist ein Schreckensszenario für viele Kunden der Kaufland-Filiale in der Fellbacher Merowingerstraße. Einer Kundin ist genau das vor wenigen Wochen passiert. Versehentlich war sie in den zweiten statt in den ersten Stock gefahren, wo sie ihr Auto abgestellt hatte. Als sie ausstieg und zurückfahren wollte, streikte der Aufzug. Die beiden weiteren Lifte waren defekt, der Notausgang sei abgesperrt gewesen. „Ich war kurz davor, die Feuerwehr zu rufen“, erzählt die Frau, die schließlich von ihrem Ehemann abgeholt wurde. „Mir graut es jedes Mal, wenn ich den Aufzug benutzen muss und versuche das nach Möglichkeit zu vermeiden.“ Doch wenn die Parkplätze direkt vor dem Ladeneingang belegt sind, bleibt nur das Weiterfahren in die Tiefgarage oder auf die oberen Parkdecks.
Stressfreies Einkaufen sieht anders aus
Einen schönen Anblick bieten die mehr als 20 Jahre alten Fahrstühle ohnehin nicht. Sie sind durch Graffiti und Aufkleber verunstaltet, der Boden ist teilweise aufgerissen und einige Halt-Knöpfe fehlen. Beim Ortsbesuch zeigen die Passanten wenig Verständnis dafür, dass sich scheinbar niemand um die Probleme kümmern würde. Besonders an den Wochenenden, wenn der Andrang groß ist, würden die Aufzüge regelmäßig ausfallen. „Kaufland sollte die Dinger dringend generalüberholen“, sagt ein Mann, der mit einem Kinderwagen davor steht. Stressfreies Einkaufen sieht anders aus, doch dieses Mal kommt der Lift. Was der Mann offenbar nicht weiß: Die Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm, zu der auch Lebensmittelhändler Kaufland gehört, ist gar nicht der Inhaber, sondern nur der Pächter. Vermietet werden Laden- und Parkflächen vom auf der Rückseite des Gebäudes liegenden Autohaus Kloz.
Dessen Geschäftsführer Dietrich Kloz allerdings kann die Aufregung überhaupt nicht nachvollziehen. „Wir bedauern es außerordentlich, wenn es durch Störungen an den Aufzügen zu Ärger und Unannehmlichkeiten bei Kauflandkunden gekommen ist“, sagt Kloz. Kleinere Beschädigungen in den Aufzügen seien unvermeidlich angesichts der Vielzahl an Einkaufswägen, die Tag für Tag hindurch rollen und auch einmal „anecken“. Von unverhältnismäßigen oder dauerhaften Ausfällen sei ihm allerdings nichts bekannt, berichtet Kloz. Es sei abgestimmt, dass sich Kaufland bei Problemen sofort an die Serviceabteilung des Aufzugherstellers wendet.
Ausfälle bei Aufzügen gibt es nicht nur in Fellbach
Dietrich Kloz verweist auf bestehende Wartungsaufträge mit „kurzer Reaktionszeit“. Die Aufzüge würden außerdem jährlich vom TÜV auf Funktionsfähigkeit und Betriebssicherheit geprüft. „Dass ein Aufzug einmal ausfallen kann, kommt überall vor“, sagt der Automobilhändler. Aus den vergangenen drei Jahren seien ihm allerdings nur ein oder zwei Fälle bekannt, in denen wirklich jemand in der Kabine eingeschlossen war. Was hingegen korrekt sei: In der vergangenen Woche habe es eine mehrtägige Störung der beiden Aufzüge zu den Verkaufsräumen gegeben.
Für eine ältere Stammkundin aus Schmiden war das besonders ärgerlich, denn mit ihrer Knieprothese ist sie beim Einkaufen auf funktionierende Fahrstühle angewiesen. „Es ist zum Davonlaufen“, stöhnt sie. Zum zweiten Mal sei es der Fall gewesen, dass beide Aufzüge aus der Tiefgarage ins Geschäft defekt waren. Namentlich möchte die Frau nicht genannt werden, doch ihren Unmut habe sie in den vergangenen Jahren sowohl bei der Kauflandzentrale als auch gegenüber Dietrich Kloz mehrmals deutlich zum Ausdruck gebracht. Dabei sei ihr zugesagt worden, dass beide Seiten nach einer Lösung suchen werden. Passiert sei aber nichts, stattdessen würden sich die Störungen im 14-tägigen Rhythmus wiederholen: „Es bleibt alles im gleichen Trott, und das stinkt mir.“
Ärger über „unhaltbare Zustände“
Wenn sie mit den Mitarbeitern über diese „unhaltbaren Zustände“ spricht, dann würden diese nur noch genervt die Augen verdrehen. Denn auch die Aufzüge im Lager des Lebensmittelhändlers sind öfter defekt. „Ich verstehe nicht, dass die Konzernzentrale nicht mal wirklich Tacheles redet oder die Pacht kürzt“, sagt die Kundin. Sie äußert die Befürchtung, dass die für sie fußläufig erreichbare Filiale auf kurz oder lang geschlossen werden könnte. Dabei sollten die finanziellen Mittel vorhanden sein, um die Aufzüge nicht nur dauernd zu reparieren, sondern umfassend zu erneuern.
„Wir haben unsere Filiale in Fellbach 1995 eröffnet und sind dort auch weiterhin gerne für unsere Kunden da“, teilt Kaufland auf Anfrage mit. In der knappen Stellungnahme entschuldigt sich die Firma bei ihren Kunden für die Unannehmlichkeiten, widerspricht aber gleichzeitig dem Vermieter: „Wir sind über die Situation an den Aufzügen bereits informiert. Leider gab es in der Vergangenheit einige technische Defekte.“ In der letzten Zeit hätten die Aufzüge aufgrund langer Lieferzeiten für Ersatzteile nicht unverzüglich repariert werden können.
Ein Aufzug wird komplett erneuert
„Wir sind mit Kaufland gemeinsam immer an Verbesserungen und gemeinsamen Lösungen bei technischen Problemen interessiert“, teilt Dietrich Kloz mit. Für die drei Aufzüge im Außenbereich stellt er immerhin Besserung in Sicht. „Wir werden diese sukzessive erneuern“, verspricht Kloz: „Doch wir können eben nicht alle drei Aufzüge auf einmal schließen und erneuern.“ Einer dieser Fahrstühle ist aktuell stillgelegt, werde aber laut Plan bis zum 15. Dezember ersetzt und damit noch zum Weihnachtsgeschäft in Betrieb gehen. Die Kosten dafür liegen bei circa 175 000 Euro.
Weitere 30 000 Euro hat der Vermieter bereits in den vergangenen Wochen in die Hand genommen, um Schutznetze am Außendeck anzubringen. Damit sollen künftige Verunreinigungen durch Tauben verhindert werden. Das viel größere Ärgernis, so Kloz, sei allerdings der ausufernde Vandalismus etwa in Form der bereits erwähnten Graffiti: „Aber dagegen können wir relativ wenig machen. Wir können das Parkhaus ja nicht 24 Stunden lang bewachen.“