Einkaufszentrum Milaneo Mobilitätskonzept ohne Dynamik

Von Hildegund Oßwald 

Es gibt neue Ideen zur Verkehrsanbindung des Einkaufszentrums Milaneo. Doch wer dafür bezahlen soll, ist unklar.

In der großen Baugrube neben der Stadtbibliothek ist die Tiefgarage für das neue Einkaufszentrum Milaneo zum Teil bereits im Rohbau erstellt Foto: Achim Zweygarth 42 Bilder
In der großen Baugrube neben der Stadtbibliothek ist die Tiefgarage für das neue Einkaufszentrum Milaneo zum Teil bereits im Rohbau erstellt Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Bei der Grundsteinlegung für das Einkaufszentrum Milaneo vor wenigen Wochen war dem Investor die Frage nach einem Mobilitätskonzept und dem Stand der Verhandlungen mit benachbarten Tiefgaragenbetreibern über die Mitbenutzung von deren Parkplätzen eher unangenehm. Gerhard L. Dunstheimer von der ECE, die das Milaneo von 2015 an auch betreiben wird, beschied knapp: „Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel.“ Tatsache ist, dass die ECE der Stadt längst das geforderte Mobilitätskonzept vorgelegt hat. Dieses allerdings hat, allen hitzigen politischen Debatten im Vorfeld zum Trotz, bisher keine Dynamik entfaltet – weder im Rathaus noch bei der ECE.

Der Grund dafür dürfte nicht zuletzt darin zu suchen sein, dass bisher nicht geklärt ist, wer die Kosten für die vorgeschlagenen Maßnahmen übernehmen müsste. Denn dies hat die Stadt im städtebaulichen Vertrag nicht festgelegt. „Der Vertrag regelt nicht, in welcher Form das Konzept ausgeführt sein muss und wer bezahlt“, räumt Arne Seyboth vom Stadtplanungsamt ein. Er verweist darauf, dass man mit dem Mobilitätskonzept „Neuland“ betrete.

Konzept abgegeben

Auch die ECE, die europaweit ein Einkaufszentrum nach dem anderen baut, sah sich erstmals mit dieser kommunalen Forderung konfrontiert und ging sie pragmatisch an. „Unsere Aufgabe war es, ein Mobilitätskonzept zu entwickeln, das haben wir abgegeben“, sagt Maria Sotirova, die Milaneo-Projektleiterin von der ECE in Hamburg. Sie verweist auf 880 Fahrradstellplätze, die zwischen den drei Gebäuden und in der Tiefgarage entstehen werden und auf Stellplätze für ein Carsharing-Angebot sowie eine Ladestation für Elektrofahrzeuge.

„Das alles berücksichtigen wir jetzt schon im Bau und tragen dafür auch die Kosten“, sagt sie und betont: „Damit haben wir den städtebaulichen Vertrag bereits übererfüllt.“ Denn was die Carsharing-Plätze und die Ladestation für Elektrofahrzeuge anbelange, sei die ECE von der Stadt eigentlich nur verpflichtet worden, diese Angebote zu untersuchen. Mehr nicht. Nur die Radstellplätze hat die Stadt nach dem Streit um die Zahl der Autostellplätze auf Druck von Grünen und SPD vorgegeben.

Was aus den anderen Vorschlägen des von einem Ingenieurbüro erstellten Mobilitätskonzeptes wird, steht dagegen in den Sternen. Weder die Stadt noch die ECE wollen das Konzept öffentlich machen, nennen auf Nachfrage lediglich einzelne Ideen daraus, mit welchen das Verkehrsaufkommen gedämpft und Kunden wie Beschäftigte zum Verzicht auf die Anfahrt im eigenen Auto bewegt werden könnten: eine eigene Call-a-Bike-Station könnte Leihräder anbieten, eine Wegweiser-App mobil durchs Europaviertel führen; ein Terminal könnte alle Informationen über nachhaltige Verkehrsangebote bündeln, eine so genannte dynamische Fahrgastinformation an den Zugängen ständig auf Leuchtbändern über die nächste Stadt- oder S-Bahnverbindung informieren.

Diskussion verfrüht

Darüber hinaus hat das Stadtplanungsamt Jahrestickets für Beschäftigte, Anreize für Fahrgemeinschaften und einen Fahrzeugpool für Dienstfahrten angeregt. Was daraus wird, ist Sache der ECE. Eine Diskussion über einzelne Maßnahmen hält die Projektleiterin allerdings für verfrüht. „Das Einkaufszentrum eröffnet ja erst in zweieinhalb Jahren“, so Maria Sotirova.

Bei der Umsetzung des Mobilitätskonzeptes dagegen ist über die Schaffung von guten Radfahr- und Wegeverbindungen hinaus auch die Landeshauptstadt gefordert. „Die Investoren sind ihrer Pflicht nachgekommen. Jetzt ist die Stadt am Zug, die Mobilitätsplanung zu konkretisieren und offenzulegen“, sagt die städtische Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht. Sie hatte vor der Baugenehmigung des umstrittenen Einkaufszentrums die von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster eingesetzte Lenkungsgruppe für das Milaneo geleitet.

Es wird nun doch einen kleinen Taxistand geben

Immerhin: Zwei verkehrskonzeptionelle Entscheidungen hat man im Stuttgarter Rathaus inzwischen bereits getroffen. So wird es auf Intervention des Amts für öffentliche Ordnung nun doch einen kleinen Taxistand geben, wohl in der Kopenhagener Straße. Seitens der Stadtplaner war ein Taxistand zunächst nicht vorgesehen – oder auch schlicht vergessen worden.

Das Amt für öffentliche Ordnung wiederum hat eingesehen, dass man das Radfahren nicht fördern kann, indem man die Radler zum Schieben verdonnert. Dies war dem Vernehmen nach ernsthaft erwogen worden, weil das Milaneo in einer Fußgängerzone liegen wird. „Wir werden den Radverkehr im gesamten Europaviertel zulassen und damit auch in der Fußgängerzone erlauben“, stellt Peter Koch von der Straßenverkehrsbehörde auf Anfrage klar.

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