Einkommen in Großstädten im Vergleich Stuttgart auf Platz 2 beim hohen Netto-Einkommen

Stuttgart ist eine Stadt mit vielen Gutverdienern. Foto: dpa//Marijan Murat

Nur in einer deutschen Großstadt gibt es mehr Haushalte mit hohem Nettoeinkommen als in Stuttgart. Sie verteilen sich übers gesamte Stadtgebiet, wie unsere interaktive Karte zeigt.

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Rund einer von vier Haushalten in Stuttgart hat mehr als 5000 Euro netto im Monat zur Verfügung. Das ergibt eine Auswertung von Daten des Dienstleisters infas360 zu allen deutschen Großstädten mit mehr als 200 000 Einwohnern.

 

Nur in München ist der Anteil der Gutverdiener mit 28,2 Prozent höher als in Stuttgart (23,3 Prozent). Zum Vergleich: In ostdeutschen Großstädten wie Erfurt oder Chemnitz liegt der Anteil unter sieben Prozent.

Daten zum Einkommen in Deutschland veröffentlicht unter anderem auch das Statistische Bundesamt. Typischerweise werden Durchschnittswerte angegeben oder, bei den Einkommensklassen, Werte für ganz Deutschland. Die Daten von infas360 liegen in deutlich höherem Detailgrad vor als die amtliche Statistik, nämlich auf Ebene der Siedlungsblöcke. Das sind typischerweise Straßengevierte mit ähnlicher Bebauung und einigen dutzend bis einigen hundert Haushalten. Wir werten sie für Stuttgart im Projekt „Einkommensatlas“ aus.

Jedes Einkommen für jeden Haushalt

Die Daten zeigen für jeden Siedlungsblock den Anteil der Haushalte in sechs Einkommensklassen zwischen weniger als 1000 und mehr als 5000 Euro Haushaltsnettoeinkommen. Es handelt sich dabei um Schätzungen auf Basis von Befragungen sowie weiteren Strukturmerkmalen, darunter der Gebäudetyp und -preis, das Alter der Bewohner, der Eigentümer- und Ausländeranteil.

Sie hängen teils stark mit dem Einkommen zusammen. Laut infas360 werden Haushalte in knapp 15 Prozent der Fälle deutlich falsch eingeschätzt. Deshalb sagen die Daten nichts über einzelne Haushalte aus, sehr wohl aber über die Einkommensstruktur.

Interaktive Einkommenskarte

Unsere Zeitung wertet die Daten mit dem Projekt „Einkommensatlas“ für alle Nachbarschaften Stuttgarts aus. Online eingeloggte Abonnenten können eine interaktive Karte nutzen, in der Zeitung erscheinen großformatige Karten zu allen Stadtbezirken.

Die Kontraste seien in Stuttgart vergleichsweise gering, sagt der Ungleichheitsforscher Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung – „so wie in vielen anderen süddeutschen Städten auch“. Städte im Ruhrgebiet und Ostdeutschland sind viel stärker sozial gespalten, Geringverdiener ballen sich dort eher in bestimmten Wohnvierteln.

Hohe Mieten als Grund

Stuttgart ist nicht in eine ärmere und eine reichere Hälfte geteilt, auch gibt es keine typischen Plattenbausiedlungen wie etwa in Ostdeutschland. Eine Rolle spielen laut Helbig die hohen Mietpreise, die auch Gutverdiener in weniger attraktive Wohnlagen bringen.

Der Anteil der Geringverdiener mit höchstens 1500 Euro Haushaltsnetto ist im Großstadtvergleich wiederum in München am niedrigsten (17,6 Prozent), Stuttgart liegt mit 22,4 Prozent auf Platz acht. Am höchsten ist der Anteil in Halle (Saale) mit 33,8 Prozent.

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