Nach den Millionenverlusten durch die Behandlung ausländischer Patienten stellt sich das Klinikum Stuttgart neu auf. Orientierungshilfe bieten die Häuser in Freiburg, Heidelberg und Tübingen. Auch dort suchen viele Araber und Russen Hilfe.

Stuttgart - Mehr als 250 000 Medizintouristen kommen jährlich für eine stationäre oder ambulante Betreuung nach Deutschland und bescheren dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von 1,2 Milliarden Euro. Die gleiche Summe gaben die Patienten und ihre mitgereisten Angehörigen für Betreuungsleistungen aus. Es handelt sich dabei vor allem um Selbstzahler sowie von ihrer Regierung oder Firmen unterstützte Menschen aus Russland und von der arabischen Halbinsel. Das Spektrum reicht vom Gesundheitscheck über Schönheitsoperationen, chirurgische und internistische Eingriffen bis hin zu Reha-Maßnahmen.

Das Klinikum Stuttgart wie auch die Universitätskrankenhäuser im Land profitieren vom Interesse ausländischer Patienten; Baden-Württemberg ist nach Bayern und Nordrhein-Westfalen das Bundesland mit den meisten Medizintouristen. Mittlerweile wird Stuttgart aber nicht mehr mit Leistung in Verbindung gebracht, sondern mit Misswirtschaft.

Bessere Auslastung der Privatstationen reduziert das Defizit deutlich

Der Anteil ausländischer Patienten am Gesamtaufkommen beträgt nur wenige Prozent. Deren Behandlung trägt aber zur besseren Auslastung der Privatstationen bei und zur Erwirtschaftung positiver Deckungsbeiträge, die nicht auf das Budget angerechnet werden. Die Internationale Abteilung (IU) des Klinikums Stuttgart setzte zwar jährlich nur rund 20 Millionen Euro um, ein Klacks in Anbetracht des Gesamtumsatzes von 600 Millionen Euro des städtischen Eigenbetriebs. Die IU erlöste damit aber acht Millionen Euro und reduzierte das Defizit des Hauses immerhin um ein Drittel.

„Wir brauchen diese Einnahmen, das gibt uns Spielraum“, sagt der Ärztliche Direktor der Uniklinik Freiburg, Jörg Rüdiger Siewert, dieser Zeitung. Die Zurückhaltung des Landes zwinge die Unikliniken, Geld für Investitionen auf dem freien Markt zu verdienen. Hohe Erlöse bedeuten aber auch ein hohes Ausfallrisiko. Das Stuttgarter Klinikum hat offene Rechnungen in einstelliger Millionenhöhe, weil die Behandlungen über die Botschaften abgewickelt wurden. Und dort werden Forderungen gerne ausgesessen.