Klagen über zu hohe Steuern in Deutschland gibt es jederzeit. Doch wie viel Steuern und Abgaben zahlen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland tatsächlich im internationalen Vergleich?

Wirtschaft: Daniel Gräfe (dag)

Einmal im Jahr veröffentlicht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Zahlen, die schnell die Gemüter in vielen Ländern erhitzt. Die OECD wertet die Belastung von Bürgerinnen und Bürgern durch Steuern und Sozialabgaben aus. Der aktuelle Vergleich von 38 Industrieländern bezieht sich auf das vergangene Jahr. Demnach ist Deutschland sowohl Vizeuropa- wie auch Vizeweltmeister.

Ein Single mit einem Durchschnittsverdienst zahlte hierzulande 48,1 Prozent seines Gehalts für Steuern und Sozialbeiträge an das Finanzamt – was deutlich über dem OECD-Schnitt von 34,6 Prozent liegt. Nur in Belgien mussten Singles mit 52,6 Prozent des Gehalts mehr an den Fiskus abführen.

Hinter Deutschland folgen Österreich mit 47,8 Prozent, Frankreich mit 47 Prozent, Italien mit 46,5 Prozent, Slowenien (43,6 Prozent), Ungarn (43,2 Prozent) und Finnland (42,7 Prozent). Im europäischen Vergleich sind Singles in der Schweiz mit 22,8 Prozent der Gehaltsabgaben steuertechnisch am besten gestellt.

Wer zahlt am meisten Steuern in Europa?

  1. Belgien (52,6 Prozent)
  2. Deutschland (48,1 Prozent)
  3. Österreich (47,8 Prozent)
  4. Frankreich (47 Prozent)
  5. Italien (46,5 Prozent)
  6. Slowenien (43,6 Prozent)
  7. Ungarn (43,2 Prozent)
  8. Finnland (42,7 Prozent)

Das Ehegatten-Splitting als deutsche Besonderheit

Anders sieht es beim Durchschnittsverdienst eines verheirateten Paars mit zwei Kindern aus, bei dem nur eine Person zum Einkommen beiträgt. Hier sind die Steuern und Abgaben in Frankreich (39 Prozent) und Finnland (38,6 Prozent) am höchsten. In Deutschland sieht es hier mit einer Abgabenlast von 32,7 Prozent verhältnismäßig gut aus. Was auch am Ehegattensplitting liegt, das Familien bevorzugt, in denen ein Ehepartner viel und der andere gar nichts verdient.

Die OECD-Studie leistet allerdings nur einen groben Vergleich. So steckt hinter dem angenommen Durchschnittsverdienst eigentlich eine Vielzahl unterschiedlicher Steuersätze. So werden Geringverdiener in Deutschland im internationalen Vergleich tendenziell stärker belastet, Spitzenverdiener schwächer. Außerdem berücksichtigt die Studie nicht die Eigenheiten von Steuersystemen – wie etwa die Steuerabzüge, die hierzulande möglich sind, etwa der Arbeitnehmerpauschbetrag.

Was die OECD-Liste auch nicht berücksichtigt: In vielen Ländern außerhalb der EU müssen Arbeitnehmer oft sich selbst absichern, während in der EU der Staat viele Sozialleistungen übernimmt.