Einreiseverbot für Künstler Botschaft verhindert Künstlergespräch
Die Stuttgarter Galerie Amann stellt Kunst aus Äthiopien aus. Die Künstler dürfen nicht zur Eröffnung kommen. Warum nicht?
Die Stuttgarter Galerie Amann stellt Kunst aus Äthiopien aus. Die Künstler dürfen nicht zur Eröffnung kommen. Warum nicht?
Der Stuttgarter Galerist Karl Amann wollte Künstler aus Äthiopien zu einem Gespräch einladen. Aber ihnen wird nicht erlaubt, nach Deutschland einzureisen.
Herr Amann, Sie stellen Kunst aus Äthiopien aus. Wieso dürfen die Künstler nicht zum Galeriegespräch kommen?
Sie dürfen nicht einreisen, weil die deutsche Botschaft ihnen kein Einreisevisum erteilt hat. Wir hatten intensive Unterstützung vom Honorarkonsul hier in Reutlingen, und das Goethe-Institut hätte sogar einen Teil der Reisekosten übernommen und uns unterstützt – aber es hat nicht geholfen. Das Konsulat in Addis Abeba hat keine Einreisegenehmigung erteilt.
Wissen Sie, warum das so gekommen ist?
Wir vermuten, dass es im Moment politisch restriktiver gehandhabt wird. Ich weiß nicht, ob die neue Regierung einen Riegel vorschiebt und nun großflächig ablehnt. Wir waren jedenfalls sehr überrascht, dass wirklich keiner reisen durfte.
Letztlich hat die Botschaft in Addis Abeba also Einfluss auf das Stuttgarter Kulturprogramm?
Ja, das kann man schon so sagen.
Sollte man in diesen Zeiten solche Ausstellungen lieber bleiben lassen?
Nein. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir kulturellen Austausch mit anderen Ländern brauchen, weil er immer eine Bereicherung ist – Politik hin oder her. Und das Schöne bei den Äthiopiern ist, dass sie sich ihre Eigenheit bewahrt haben. Sie haben es verdient, größere Beachtung zu bekommen.
Sie waren vor Ort. Ist der Kunstbetrieb vergleichbar mit unserem?
Ich war im Januar vier Tage dort. Wir haben zahlreiche Ateliers besucht und waren an der Hochschule, an der ein Großteil der Künstler, die wir ausstellen, studiert hat. Sie arbeiten schon unter anderen Bedingungen als hier. Viele arbeiten von zu Hause aus, und es gibt nicht so viele Ausstellungsmöglichkeiten wie bei uns – aber dennoch eine wirklich lebhafte Kunstszene.
Als Galerie müssen Sie auch den Handel im Blick haben. Gibt es hier einen Markt für Künstler aus Äthiopien?
Es gibt einen Markt für afrikanische Kunst im Allgemeinen, besonders für Künstler, die bereits international sichtbar sind. Ich bin eher eine Newcomer-Galerie, mir fehlt vielleicht noch etwas Strahlkraft. Aber die Leute in Stuttgart sind sehr interessiert.
Die Künstler werden nun online am Galeriegespräch teilnehmen. Aus ökologischer Sicht ist das eine gute Lösung, oder?
Es ist eine gute Lösung, aber es ist schon etwas anderes, persönlich ins Gespräch zu kommen – so wie es für die Künstler etwas anderes ist, ihre Arbeiten in der Ausstellung zu sehen und nicht nur auf Fotos.
Werden Sie sich künftig wieder auf Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland konzentrieren – oder jetzt erst recht die weite Welt nach Stuttgart holen?
Es ist bereits vereinbart, dass das Projekt mit äthiopischen Künstlern weitergehen wird. Auch wenn Stuttgart grundsätzlich ein gutes Pflaster für Nachwuchstalente ist, halte ich die Augen offen, damit hin und wieder auch internationale Positionen in meiner Galerie auftauchen.
Person
Karl Amann ist Architekt und hat vor fast dreißig Jahren begonnen, zeitgenössische Kunst zu sammeln. Vor zwei Jahren hat er in Stuttgart eine Galerie eröffnet. Die Ausstellung über Künstler aus Äthiopien hat er mit Tesfaye Urgessa auf den Weg gebracht. Der Künstler aus Addis Abeba war im vergangenen Jahr auf der Biennale in Venedig vertreten.
Ausstellung
bis 29.8. in der Galerie Amann, Schwabstraße 69/1, geöffnet Mi und Fr 13 bis 17 Uhr, Do 13 bis 19 Uhr. adr