Eins und Alles bei Welzheim Erlebnispark trotzt der Flutkatastrophe

Der Waldachin von Hansjörg Palm, Martin Hunke und Claudia Borowski ist eine neue Attraktion auf dem sogenannten Wunderweg des Eins und Alles. Foto: Eins + Alles

Das verheerende Starkregenereignis Anfang Juni wirkt auch im Erfahrungsfeld der Sinne Eins und Alles nach. Doch die Verantwortlichen blicken nach vorn: Der besondere Freizeit- und Erlebnispark ist wieder geöffnet – und hat sogar zwei neue Attraktionen.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die extremen Wassermassen, die am 3. Juni in kürzester Zeit auf den Welzheimer Wald und das Wieslauftal niedergeprasselt sind, haben auch das Eins und Alles schwer getroffen. Weil Hänge und Straßen abrutschten, war die Einrichtung zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Noch immer gibt es Einschränkungen bei der Anreise. Aber es gibt eine gute Botschaft: Der anthroposophisch orientierte Freizeit- und Erlebnispark bei der Welzheimer Laufenmühle ist wieder geöffnet.

 

Schäden im siebenstelligen Bereich

Die bereits eruierten Schäden seien enorm, sagt Daniela Doberschütz, die Pressesprecherin der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle. Die Einrichtung, die zugleich Heimat und Arbeitsplatz für Menschen mit Handicap ist, rechnet mit einem siebenstelligen Eurobetrag. Dabei sei das Ausmaß der Schäden noch immer nicht abzusehen, weil man im laufenden Betrieb vereinzelt nach wie vor auf neue unliebsame Entdeckungen stoße.

Der Schlamm ist wieder raus aus den Gebäuden, das Wichtigste zumindest provisorisch wiederhergestellt. Für die Hangsicherung der abgerutschten Lamaweide werden derzeit Angebote eingeholt. Eine große Herausforderung sei der ÖPNV, da die Laufenmühle derzeit nur zweimal täglich angefahren werde, um Menschen mit Behinderungen zu ihrer Tagesstruktur und zurück zu bringen. Die Sanierung der unterspülten Straße am Viadukt werde bis voraussichtlich bis zum Jahr 2026 andauern. Doch Doberschütz will nicht klagen. Das Unglück habe viel Mutmachendes bewegt. „Wir spüren eine große Gemeinschaft an Menschen, die uns unterstützen, und sind sehr dankbar dafür.“ Auch das regionale Handwerk stehe trotz übervoller Auftragsbücher bereit, um die Lebensgemeinschaft wieder aufzurichten.

Erfahrungsfeld wieder täglich geöffnet

Jetzt indes hoffe man darauf, dass auch die Gäste die Treue halten und das Eins und Alles wieder besuchen kommen, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Denn das Erfahrungsfeld der Sinne ist wieder täglich geöffnet. Glücklicherweise habe der Wunderweg mit seinen Landart-Stationen keinen großen Schaden genommen, und die kleineren Ausbesserungsarbeiten an den Wegen seien abgeschlossen. Nur ein sehr kleiner Bereich rund um den Lamastall sei derzeit noch nicht wieder zugänglich.

Es gibt sogar neue Attraktionen: Unter dem Titel „Lichtung 2024“ werde es auf dem bisherigen Aktionsplatz nun experimentell und aufregend, verspricht die Pressesprecherin. „Alles dreht sich um Landart, Dialog, Gemeinschaft und Lebensfreude.“ An vielen neuen Stationen werde zum Ausprobieren eingeladen. Doberschütz nennt Stichworte wie Lichtungspoesie, Stroh-Oase, Näher-Rücker oder Sichtwechsel. Doch was bedeutet das? In der Stroh-Oase etwa könne man entdecken, wer ein Freund ist. Wie man das herausfindet? „Sucht euch jemanden, der mit euch einfach mal eine Stunde wortlos im Stroh liegt“, lautet die Erklärung. Denn wer das kann, müsse ein Freund sein. Der Näher-Rücker hingegen lote aus, wie nah oder fern sich die Gäste sind, die dabei miteinander ins Gespräch kommen sollen. Einander zuzuhören und den anderen zu Wort kommen zu lassen, sei ein wiederkehrendes Thema verschiedener neuer Stationen. An der großen „Tafel des Teilens“ dürfen Zeit, Vesper, Gedanken, Mut und Ängste geteilt werden, um daraus Gemeinschaft entstehen zu lassen. Und hinter Schranktüren tue sich eine Welt des Spielens auf.

Auf verschiedene Weise kann man auch künstlerisch aktiv werden: Mehrere Mitmach-Stationen sind geeignet, das kreative Potenzial in Bild und Wort zu entfalten. Dabei dürfe es auch mal etwas wilder zugehen, heißt es in einer Einladung der Macher. Groß und Klein seien eingeladen, auf der Lichtung zu spielen, viel Neues zu entdecken und sich an einem Foodtrailer zu stärken.

Und auch auf dem mit Landart-Kunst gesäumten Wunderweg im Wald gibt es Neues zu Bestaunen. Die Künstler Hansjörg Palm, Martin Hunke und Claudia Borowski haben eine geradezu monumentale Station geschaffen, den Waldachin.

Wie kommt man da hin?

Öffnungszeiten
Das Erfahrungsfeld der Sinne an der Welzheimer Laufenmühle ist wieder täglich geöffnet. Auch Schulklassen und Gruppen (mit und ohne Programmbuchung) sind willkommen. Fragen werden unter der Telefonnummer 0 71 82/80 07 77 beantwortet.

Anreise
Wegen der Hangrutschungen und der unterspülten Landesstraße ist die Anreise zum Eins und Alles nicht ganz unkompliziert. Zurzeit ist die Anfahrt von Rudersberg noch gesperrt. Empfohlen wird, im Navigationsgerät zuerst nur den Wanderparkplatz Bockseiche Welzheim einzugeben und ab dann ohne Navi zur Laufenmühle runterzufahren. Das Eins und Alles hat auf seiner Internetseite unter https://www.eins-und-alles.de/aktuelles/details/wichtige-infos-zur-anfahrt  alles Wissenswerte zusammengestellt.

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