Einsatz in Fellbach-Schmiden Der Kampfmittelräumdienst muss noch mal ran

Von Dirk Herrmann 

Vermutlich wegen Hitze hat der Detektor des Kampfmittelräumdiensts auf dem Gelände der Siemensstraße schlapp gemacht. Dort entwickelt das Siedlungswerk sein Projekt „Wohnen für alle“.

Kein Schatzsucher,  sondern ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdiensts. Foto: Patricia Sigerist
Kein Schatzsucher, sondern ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdiensts. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Sinneswandel übers Wochenende: Während die Stadtverwaltung am Freitag noch überlegt hatte, im Zuge der Baustelle an der Ecke zur Fellbacher Straße die Siemensstraße auf der Nordseite für den Verkehr zu sperren und somit keinen Ost-West-Verkehr zu ermöglichen, gilt nun doch eine deutlich flexiblere Lösung. Demnach wird der Großteil der für die Baustelle erforderlichen Aktivitäten auf dem dortigen Geh- und Radweg erledigt, die Straße bleibt von Lastwagen-Abstellplätzen und ähnlichen Hindernissen frei.

Für Fußgänger ist der übliche Weg derzeit gesperrt. Foto: Patricia Sigerist
Am Montag bot sich Auto- und Radfahrern oder Fußgängern, die jene Kreuzung passierten, ein besonderes Bild: So mancher Passant verwechselte am Vormittag den Räumdienst mit einer Schatzsuche. Mit einem Detektor „auf Rollen“ suchte der Kampfmittelräumdienst die Freifläche an der Siemensstraße ab. Ein Mitarbeiter der Firma Geomer Kampfmittelbergung, die ihren Hauptsitz im Stadtzentrum von Augsburg hat, war an den südlichen Ortsrand von Schmiden gekommen. Dort inspizierte er das Gelände auf Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg, die bei Bauarbeiten Probleme bereiten könnten.

„Eine derartige Begehung ist obligatorisch, um Handgranatenreste oder alte Bomben ausschließen zu können“, erklärte Peter Bigalk, der Leiter des Fellbacher Ordnungsamtes. Unliebsame Überraschungen erwartet Bigalk zwar nicht, doch „Sicherheit geht vor“.

Die Firma Geomer ist bundesweit jährlich bei weit über 350 Kampfmittel-Untersuchungen aktiv. Auch im Großraum Stuttgart werden ihre Dienste oft genutzt – sei’s für Stuttgart 21 beim Fernbahnhof mit Ober- und Untertürkheim oder am Leuze, bei der Stadtbahn-Verlängerung der U 12 oder am Flughafen in Echterdingen. Und nun war also Fellbach an der Reihe.

Beginn der Bauarbeiten fürs neue Wohngebiet an der Siemensstraße. Foto: Patricia Sigerist
Allerdings streikte das Gerät des Mitarbeiters im Laufe des Vormittags – sei’s wegen der Hitze oder aus sonstigen Gründen. Deshalb muss an diesem Dienstag der Suchlauf fortgesetzt werden – vermutlich, so jedenfalls die Erwartung der Experten auf dem Rathaus, ohne besorgniserregenden Befund. Die montägliche und nun noch in die Verlängerung gehende Inspektion durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst auf dem Acker entlang der Siemensstraße ist der Auftakt der demnächst anstehenden Arbeiten. Sobald das Baufeld freigeräumt ist, können in dieser Woche die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Rund 60 Wohnungen sind auf dem Areal Siemensstraße/Ecke Fellbacher Straße vorgesehen. Unter dem Motto „Wohnen für alle“ werden in dem neuen Viertel Miet- und Eigentumswohnungen sowie sozialgeförderter Wohnraum angeboten. Es handelt sich um das zweite große Bauvorhaben im Zuge der Fellbacher Wohnbauoffensive 2020, die von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull maßgeblich forciert wird. Das Siedlungswerk errichtet auf über 4000 Quadratmetern ein Quartier, „das besonders Familien ansprechen soll“, wie die Rathauschefin ausführt.

In vier Baukörpern werden sowohl 18 Eigentums- als auch 42 Mietwohnungen sowie eine Tiefgarage mit 70 Plätzen errichtet. Die Wohneinheiten bieten zwischen 56 und 115 Quadratmeter Wohnfläche. Nach dem Motto „Wohnen für alle“ richtet sich das Angebot auch an weniger finanzkräftige Anbieter. Bei der Vermietung von 17 Mietwohnungen trägt eine Familienkomponente zur leichten Reduzierung der Miete bei. 35 Wohnungen werden über den Wohnungsberechtigungs-Nachweis vergeben.

Das Siedlungswerk, das 1948 durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart gegründet wurde, fühlt sich sozialen, ökologischen und ökonomischen Motiven verpflichtet. „Wohnen für alle“ bietet mit einem Quartiersraum Möglichkeiten der Begegnung und ein Konzept des nachbarschaftlichen Miteinanders. Der Bauträger rechnet mit einer Gesamtinvestition von circa 17 Millionen Euro und einer Fertigstellung im dritten Quartal 2020.

Mit der Einrichtung der Baustelle in dieser Woche beginnt auch der Baustellenverkehr, der hauptsächlich von Norden her über den Lindberghweg geführt wird. Fußgänger und Radfahrer müssen einen kleinen Umweg in Kauf nehmen und auf Höhe der Wirtembergstraße die Siemensstraße überqueren. Hier wird für die Dauer der Umleitung eine Ampelanlage installiert.




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