Einschränkungen bei der S-Bahn In der Region verliert mancher die Geduld

Die S-Bahn Stuttgart produziert derzeit wenig gute Nachrichten. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Es fehlt an Fahrzeugen und Lokführern: Von Dezember an wird der S-Bahn-Takt abends und an den Samstagen ausgedünnt. Im Regionalparlament als Auftraggeber für die S-Bahn Stuttgart ist man nicht amüsiert. Die Regionalräte finden deutliche Worte.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Die angekündigten Einschränkungen bei der S-Bahn im von Mitte Dezember an geltenden Fahrplan haben in der Regionalpolitik für Verärgerung gesorgt. Derzeit ist vorgesehen, unter der Woche den Viertelstundentakt bereits am Abend statt erst um 20.30 Uhr bereits um 19 Uhr enden zu lassen. Samstags sollen die Bahnen nur alle halbe Stunde statt im Viertelstundentakt fahren. Ausgenommen davon ist nur die Linie S 6.

 

DB fährt die S-Bahn bis Mitte 2032

Der Regionalverband ist Aufgabenträger bei der S-Bahn, das heißt: Die Region schreibt die Leistung aus und vergibt sie. Die DB hat sich den Auftrag gesichert und fährt noch bis Mitte 2032 die Leistungen im S-Bahn-Netz.

„Das ist extrem schade. Die Reduzierung des Angebots trifft auf nach Corona und auch dank des Deutschlandtickets wieder steigende Fahrgastzahlen“, sagt Regionalrat Rainer Ganske (CDU). Mit Blick auf die aktuellen Unwägbarkeiten stellt Ganske aber auch fest: „Es ist besser, die S-Bahn fährt einen realistischen 30-Minuten-Takt, als dass immer wieder spontan Züge ausfallen.“ Bei der Debatte im Verkehrsausschuss der Region Anfang Oktober erwartet er von der Deutschen Bahn verlässliche Auskünfte, wie es weitergeht. „Eine Salamitaktik nehmen wir nicht hin.“

Grüne sprechen von Offenbarungseid

Bei den Grünen ist die Verärgerung groß. „Für uns ist das ein Offenbarungseid der DB“, sagt Regionalrat Michael Lateier. Auch auf Drängen der Grünen stehe das Thema Personal seit Jahren auf der Tagesordnung: „Dennoch scheint es der DB Regio – und damit der DB insgesamt – nicht möglich, innerhalb dieser Zeit einen Plan zu entwickeln, wie man den zugesagten S-Bahn-Vertrag erfüllen könnte.“ Die Atmosphäre sei unter dem Nullpunkt und die Mehrheit in der Region „von den ständigen Hiobsbotschaften aus dem Haus der DB AG mehr als nur genervt“.

SPD reißt der Geduldsfaden

„Für die Fahrgäste der S-Bahn und des ganzen öffentlichen Nahverkehrs in der Region ist dies eine weitere Hiobsbotschaft in einem wahrlich nicht armen Jahr an solchen Botschaften“, sagt Thomas Leipnitz (SPD). Ihm sei der Hinweis wichtig, „dass diese Angebotsreduzierung auf Veranlassung der Deutschen Bahn und nicht der Region kommen wird“. Leipnitz reißt angesichts der langen Reihe an Beeinträchtigungen der Geduldsfaden.

Die Bahn habe „eigentlich jegliches Vertrauen verspielt, und dies ist sicher nicht der Weg, um dieses Vertrauen bei uns und den Fahrgästen zurückzugewinnen“. Wenn man nun die angekündigten Einschränkungen für das Jahr 2024 mittrage, komme man der Deutschen Bahn weit entgegen. Im Gegenzug erwartet Leipnitz „ab sofort von der Bahn keine weiteren schlechten Nachrichten, sondern endlich einen verlässlichen und pünktlichen Fahrplan für unsere Fahrgäste. Dies schließt auch mit ein, dass es keine weiteren spontanen Streckensperrungen mehr gibt.“ Für Armin Serwani (FDP) sind die Einschränkungen eine „klare Konsequenz aus dem Personalmangel bei der S-Bahn“. Das Bahnunternehmen versucht seit Längerem, die dünne Personaldecke zu stärken, und setzt dabei auf Quereinsteiger, aber vor allem auf die Ausbildung neuer Mitarbeiter. Auch Serwani legt den Fokus auf die Planbarkeit: „Uns ist es lieber, wenn der Takt planmäßig reduziert wird, als dass immer mal wieder einzelne Züge ausfallen. So können die Fahrgäste planen.“

Skepsis gegenüber etwaigen Ausweitungen des Verkehrs

Deutlich wird Bernhard Maier (Freie Wähler): „Lokführermangel als Ausfallgrund ist ein Offenbarungseid der Bahn. Das größte deutsche Verkehrsunternehmen ist nicht mehr in der Lage, seine vertraglichen Pflichten zu erfüllen – so weit sind wir gekommen. Das Schlimme ist, dass wir dem als Auftraggeber machtlos gegenüberstehen.“ Maier mahnt zur Zurückhaltung in der Zukunft. Man müsse sich fragen, ob es nicht besser sei, sich „der Bestandspflege und dem Status quo zu widmen, als immer neue Ideen für den weiteren Ausbau zu entwickeln, der mit diesem Partner so ohnehin nicht umsetzbar ist“. Angesichts der aktuellen Entwicklung sieht auch Rainer Ganske diskutierte Ausweitungen des Verkehrs etwa über das Regionsgebiet hinaus skeptisch. Dabei geht es um Überlegungen, die S-Bahn in Richtung Horb oder gar Rottweil zu verlängern, um den dortigen Fahrgästen eine umsteigefreie Verbindung an den Stuttgarter Hauptbahnhof zu bieten, wenn von Mitte 2025 an die Gäubahnstrecke in Stuttgart gekappt wird. Ganske: „Das darf nicht zulasten unserer Fahrgäste in der Region Stuttgart passieren.“

Weitere Themen