Rund um die Osterzeit werden oft Schulranzen für die künftigen Erstklässler gekauft. Bis heute steckt in diesem Einkauf ein ganz besonderer Zauber. Was Eltern wissen sollten.
Ein leises Zischen, dann quillt Nebel aus einer Kiste. „Abrakadabra!“ ruft ein Kind – und plötzlich steht er da: der neue Schulranzen. Groß, bunt, ein bisschen magisch. Und was wir jetzt erleben, ist wirklich etwas magisch.
Für einen Moment wirkt der Laden weniger wie ein Geschäft, sondern eher wie eine Bühne. Und mittendrin: Kinder, die kurz davor sind, Schulkinder zu werden. Es ist ein geschäftiger Samstag bei Leder Maurer in Böblingen, der sich auf Schulranzen spezialisiert hat. Schon beim Eintreten in den Laden wird klar: Hier geht es nicht nur ums Kaufen, sondern um ein Erlebnis. Familien füllen den Raum, Eltern, Geschwister, oft auch die Großeltern. Stimmengewirr liegt in der Luft, aufgeregtes Tuscheln, hier und da ein begeistertes: „Den will ich!“ Und trotzdem: Chaos entsteht keines. In mehreren abgegrenzten Beratungszonen stehen Familien und Verkäufer zusammen, probieren an, vergleichen, wägen ab. Alles wirkt durchdacht, fast wie ein kleines Ritual, das jede Familie für sich durchläuft.
Emilias magischer Moment: Der perfekte Schulranzen sitzt
Emilia steht neben mir und kommt aus dem Staunen kaum heraus. Sie greift nach meiner Hand. Ihr Blick wandert über die Regale, von Motiv zu Motiv, von Farbe zu Farbe. „Mama, schau mal, eine Meerjungfrau“, ruft sie und zeigt auf einen rosaroten Designer-Schulranzen mit einer goldenen Seepferdchenschnalle. Dann kommt ein junger Mann auf uns zu und lächelt Emilia an. „Bist du Emilia? Komm, ich zeige dir, was wir alles für Schulranzen haben.“
Emilia betrachtet ihren Lieblingsschulranzen im Zauberspiegel. Foto: Veronika Andreas
Plötzlich wird es ruhiger. Wir haben einen Bereich des Ladens für uns. Emilia probiert einen lilafarbenen Ranzen an. Die Träger werden eingestellt. „Passt es so?“, fragt Jan Maurer, der Verkäufer und Juniorchef. Der Ranzen sitzt. „Jetzt laufe mal eine Runde durch den Laden und schau, ob der Ranzen bequem ist“, sagt er. Das macht sie. Stolz läuft Emilia damit durch den Laden, dreht an der Hand von Papa ihre Proberunden. Ich sehe ihr zu und muss lächeln. Gerade noch Kindergartenkind – und plötzlich wirkt sie ein Stück größer.
Doch die anfängliche Euphorie bekommt schnell einen Dämpfer. Beim zweiten Modell runzelt Emilia die Stirn. „Der drückt.“ Und plötzlich scheint kein Ranzen mehr richtig zu passen. Jeder zwickt irgendwo. „Das ist ganz normal“, sagt Jan Maurer gelassen. Der größte Fehler sei, einen Ranzen nicht anzuprobieren, weiß der Experte. Wenn er nicht richtig sitzt, rutschen vielleicht die Träger immer über die Schultern oder der Ranzen drückt am Rücken. Noch wichtiger als das Gewicht des Ranzens, sei die richtige Einstellung, vor allem die Höhenverstellbarkeit – die inzwischen jedoch alle gängigen, höherpreisigen Modelle bieten.
Emilias Schulranzenwahl: Ein Balanceakt zwischen Komfort und Stil
Um Emilia die Entscheidung zu erleichtern, greift er zu einem Trick: Drei Ranzen stehen nebeneinander, Emilia darf den auswählen, der ihr am wenigstens gefällt. Der kommt weg, ein neuer rückt nach. Spielerisch und ohne Druck wird die Auswahl kleiner. Schritt für Schritt kristallisiert sich ihr Favorit heraus. „Heutzutage entscheiden meistens die Kinder“, sagt Jan Maurer.
Und ich denke: Gut so. Denn am Ende ist es ja auch Emilias Wahl. Sie muss ihn schließlich ein paar Jahre benutzen. Ein Modell bleibt übrig – und mit ihm ein breites Strahlen. Und, ich gebe es zu: Auch wir Eltern atmen leise auf – denn bei aller kindlichen Entscheidungsfreiheit waren auch ein, zwei Modelle dabei, bei denen wir innerlich leise gemurmelt haben: „Bitte nicht diesen.“
„Meistens entscheiden die Kinder.“
Jan Maurer, Leder Maurer Böblingen
Dann wird der Moment inszeniert: Ein Blick in den Zauberspiegel, ein Foto auf dem Ranzenthron. Und schließlich die große Übergabe aus der Zauberkiste, begleitet von Nebel und Staunen. Auch das Maskottchen, ein riesiger Stoffhund, schaut zu. Emilia strahlt, und ich halte diesen Moment innerlich fest. „Als ich den Schulranzen auf dem Rücken hatte, habe ich mich gefühlt, wie ein echtes Schulkind“, sagt Emilia später. Ihr neuer Ranzen habe die „perfekte Farbe“ und sei „wunderschön“. So schön, dass sie ihn eines Tages ihren eigenen Kindern vermachen möchte. Ich höre Emilia zu und spüre, wie viel in diesem Gegenstand steckt: Stolz, Vorfreude – und ein bisschen Zukunft.
Ein paar wenige kommen einen Tag vor der Einschulung
Obwohl die meisten Menschen zwischen Januar und Ostern Schulranzen kaufen würden, kämen manche Familien auch noch einen Tag vor der Einschulung, erzählt Jan Maurer. Umtausch? Möglich, aber selten. „Die kann ich an einer Hand abzählen. Meist sind es die Fälle, in denen die Eltern den Schulranzen ausgesucht haben“, sagt er und lächelt.
Besonders im Trend lägen derzeit die Magnet- und Klett-Patches, die den Ranzen optisch aufwerten. Doch wichtiger als jede Mode sei, dass der Ranzen mitwachse und passe. Für Emilia passt er. Und ein bisschen mehr noch: Er markiert einen Übergang. Auf die Frage, ob sie sich auf die Schule freue, sagt sie: „Ein bisschen schon. Aber ich habe auch ein bisschen Angst.“ Ich nicke. Genau so fühlt es sich an – für uns beide.
„Ein bisschen Angst, aber auch Vorfreude“ – Emilias Schulstart
Und dann geht es raus aus dem Laden, hinein ins echte Leben. Der neue Schulranzen kommt mit in den Biergarten, steht neben der Bank. Wird immer wieder angeschaut. Kurz darauf trägt ihn Emilia am Rücken, balanciert, wippt und klettert mit ihm auf dem Spielplatz. Am Abend will sie ihn gar nicht mehr ausziehen. „Der darf mit ins Bett“, sagt sie. Und stellt ihn zu ihren Füßen.
Hier wird der Schulranzenkauf zum Erlebnis
Läden Seit mehr als 65 Jahren gibt es das Familienunternehmen Leder Maurer in Böblingen. Es wurde 1960 von Kurt und Helga Maurer eröffnet. Heute führt es ihr Sohn Ralf Maurer gemeinsam mit seiner Frau Sandra und seinem Sohn Jan. Seit 2001 ist das Geschäft, das seinen Stammsitz in Böblingen hat, auch im Breuningerland ansässig.
Stammhaus Auf rund 400 Quadratmetern Verkaufsfläche und mit rund 15 festen Mitarbeitern gehört es zu den führenden Fachhändlern für Schulranzen in Deutschland. Über 300 Modelle von sechs Herstellern stehen zur Auswahl, viele davon das ganze Jahr über.