Eintrittspreise für Studenten An der Badekasse endet das Studentenleben früh

Von  

Wer als Student in Stuttgarter Bädern von ermäßigten Eintrittspreisen profitieren möchte, muss sich ranhalten. Auf Nachlässe der Bäderverwaltung kann nur hoffen, wer jünger als 25 Jahre ist. Betroffene finden das ungerecht.

Klar abgegrenzt: Wer 25 Jahre alt ist, ist für die Bäderbetriebe kein Student mehr. Foto: Archiv
Klar abgegrenzt: Wer 25 Jahre alt ist, ist für die Bäderbetriebe kein Student mehr. Foto: Archiv

Stuttgart - Kassieren geht über studieren. Nach diesem Prinzip handelt die Stadt Stuttgart, findet zumindest Florian Ellsäßer. Ellsäßer ist 25 Jahre alt, er studiert an der Uni Hohenheim Umweltwissenschaften und nein, er hält sich keinesfalls für das, was gemeinhin etwas abschätzig als Bummelstudent beschrieben wird.

Die Stadt jedoch behandle ihn wie einen, sagt Florian Ellsäßer und verweist auf seine Besuche in städtischen Schwimmbädern. Im Heslacher Hallenbad hat er kürzlich an der Kasse seinen Studentenausweis vorgelegt, dennoch musste er den vollen Preis bezahlen. Wer in Stuttgart als Student schwimmen will, profitiert nur bis zum vollendeten 25. Lebensjahr von den Vergünstigungen. Dies bestätigt auch ein Sprecher der Stadt: Der Bäderausschuss des Gemeinderats habe die Altersgrenze im Jahr 2006 auf 25 Jahre festgelegt.

Der Student fühlt sich diskreditiert

Florian Ellsäßer kann das nicht nachvollziehen: „Wieso muss ich den vollen Preis bezahlen, obwohl meine finanziellen Möglichkeiten momentan hinter denen eines Hartz-IV-Empfängers zurückbleiben?“ Die Preisgestaltung der Stadt empfindet er als unfair. In einem „Offenen Brief“ an die Bäderbetriebe fragt er: „Mit welchem Recht diskreditieren Sie mich als Studierenden zweiter Klasse?“

Tatsächlich herrscht Wildwuchs in der Stadt, wenn es um Vergünstigungen für Studierende geht: Fast alle Einrichtungen bieten Preisnachlässe an, die Altersgrenzen werden jedoch unterschiedlich gezogen. So kommen Studenten bis zum vollendeten 28. Lebensjahr günstiger zu Affe, Eisbär & Co. in die Wilhelma. Wer im Schauspielhaus Brecht oder in der Oper Verdi sehen und hören will, erhält ermäßigte Tickets, wenn er nicht älter als 30 ist.

Kultureinrichtungen haben Spielraum bei den Preisen

Noch kulanter sind das Kunstmuseum und das Landesmuseum. Wenn Studenten einen gültigen Ausweis vorlegen, bekommen sie günstigere Tickets. Beim Kunstmuseum gibt es – so die Sprecherin – nur eine Ausnahme von dieser Regel: Wer im Alter ein Studium aufnimmt, profitiert nicht von den Studentenpreisen. Die Kultureinrichtungen des Landes besitzen eine gewisse Handlungsfreiheit bei der Preisgestaltung und möglichen Nachlässen. So bietet die Staatsgalerie allen Studierenden günstigere Tickets – wer nicht älter als 20 ist, kann die Ausstellungen sogar kostenlos sehen. Die Kosten übernimmt ein Sponsor.

Im öffentlichen Nachverkehr sind die Spielregeln eindeutig: Jeder, der eine gültige Immatrikulationsbescheinigung vorlegt, kann auch ein vergünstigtes Studiticket kaufen – unabhängig davon, wie alt er ist.

Wunsch nach mehr Kulanz

So viel Kulanz würde sich Florian Ellsäßer auch von den Bäderbetrieben der Stadt wünschen. Er habe sich im Ausland ehrenamtlich engagiert, neben der Uni gearbeitet und sein Bachelorstudium in der Regelzeit absolviert. Trotzdem stellt er sich die Frage: „Glaubt man in Stuttgart, dass Studierende mit 25 faule Dauerstudenten sind?“

Sonderthemen