Einweihung der neuen Firmenzentrale in Sindelfingen Bei Bitzer haben alle Arbeitsplätze Aussicht

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Das Unternehmen feiert den Einzug in seine neue Firmenzentrale und bekennt sich zum Standort Sindelfingen. Bei der Einweihung steht der vor vier Jahren verstorbene Firmenchef Peter Schaufler im Mittelpunkt: Der Neubau war seine Idee.

Ein Wahrzeichen für den Erfolg von Bitzer: Das Unternehmen hat sich ein Hochhaus  gebaut, die Mitarbeiter sind vor zwei Monaten eingezogen. Foto: factum/Simon Granville 14 Bilder
Ein Wahrzeichen für den Erfolg von Bitzer: Das Unternehmen hat sich ein Hochhaus gebaut, die Mitarbeiter sind vor zwei Monaten eingezogen. Foto: factum/Simon Granville

Sindelfingen - Es ist ein Wahrzeichen und mit 75 Metern das wohl höchste Gebäude der Region Stuttgart: Am Freitag wurde die neue Firmenzentrale des Klima- und Kältetechnikspezialisten Bitzer eingeweiht. Vor fünf Jahren hatte das Unternehmen die Neubaupläne verkündet, seit zwei Monaten arbeitet die Belegschaft in dem markanten Hochhaus im Sindelfinger Osten direkt gegenüber des bisherigen Unternehmenssitzes. „Es war nicht unbedingt die ökonomischste Entscheidung“, sagte Christian Wehrle, einer der Geschäftsführer. Aber das Gebäude „rundet das fantastische Lebenswerk von Peter Schaufler in weithin sichtbarer und ansprechender Art und Weise ab“.

Einige Stockwerke werden vermietet

Wie viel Geld das Bauwerk der Aachener Architekten Kada und Wittfeld gekostet hat, verrät Bitzer nicht. Im zweistöckigen Sockel, der sich unter das Hochhaus schiebt, befinden sich die Rezeption, das Restaurant und Konferenzräume. Auf den folgenden 14 Stockwerken können 500 Mitarbeiter arbeiten. Der Kälte- und Klimatechnikspezialist belegt davon nur die obere Hälfte, der Rest wird vermietet, bis Eigenbedarf besteht. Interessenten dafür zu finden, dürfte nicht schwer fallen: In dem Hochhaus hat jeder Arbeitsplatz eine ebenfalls fantastische Aussicht. Die Büros sind entlang der Fenster angeordnet. Wendeltreppen verbinden immer zwei Stockwerke miteinander. Es gibt viel Raum für Kommunikation und Austausch. Transparenz nach innen und nach außen war das Ziel der Architekten.

Es habe nur einmal kurz Zweifel an dem Bauprojekt gegeben, berichtete Christian Wehrle – als Peter Schaufler im August 2015 verstarb. „Brauchen wir es eigentlich und muss es so groß sein?“, habe seine Frau Christine Schaufler-Münch gefragt. Ohne nachzudenken, habe er geantwortet: „Wir bauen es genau so, wie Ihr Mann es gewollt hat.“ Nur die Wohnung die er sich im obersten Stockwerk einrichten wollte, wurde nicht realisiert. Gleich im Eingangsbereich trifft nach wie vor jeder auf den langjährigen Unternehmenschef: Ein Porträt von ihm nimmt dort eine ganze Wand ein. Seit dem Einzug hätten die Mitarbeiter „ein Lachen im Gesicht, das auch eine Spur Stolz beinhaltet, in dem wunderschönen Gebäude und für Frau Schaufler arbeiten zu können“, sagte Christian Wehrle.

Global Player in Sindelfingen verwurzelt

Auch Bernd Vöhringer ist stolz, weil Bitzer seinen Firmensitz in Sindelfingen hat. Das Unternehmen sei „ein erfolgreicher Global Player, aber ist hier verwurzelt“, sagte der Oberbürgermeister. Der Turm sei der passende Ausdruck für den Aufschwung, den Bitzer unter der Leitung von Peter Schaufler erreicht habe, erklärte der Landrat Roland Bernhard. Mit seiner Übernahme im Jahr 1979 habe die Geschichte der 1934 von seinem Vater gegründeten Firma erst begonnen, sagte Martin Brudermüller. Der Umsatz habe sich seither verzwanzigfacht, erklärt der Vorstandsvorsitzende von BASF. Er sieht das Hochhaus als Motivation, das Erbe von Peter Schaufler fortzuführen.

Von der Ein-Mann-Werkstatt auf 740 Millionen Euro Umsatz

Firma:
Als Ein-Mann-Werkstatt ist Bitzer im Jahr 1934 in Sindelfingen gegründet worden. Mit „Apparatebau für Kältetechnik“ hatte sich Martin Bitzer selbstständig gemacht. 1979 übernahm dann mit Peter Schaufler die dritte Generation die Firma. „Er wollte einfach Bitzer weiterbringen“, sagt seine Frau Christine Schaufler-Münch im bei der Einweihung der neuen Firmenzentrale vorgeführten Imagefilm. „Und das hätte er nicht hingekriegt, wenn er in Sindelfingen hocken geblieben wäre“, fügt sie darin an. Stattdessen ging er nach Brasilien und viel früher als andere deutschen Unternehmer nach China – und machte den Spezialist für Kälte- und Klimatechnik zum Weltmarktführer. Mit Vertriebsgesellschaften und Produktionsstätten ist Bitzer heute an 65 Standorten in 34 Ländern vertreten. Im Jahr 2018 erwirtschafteten 3500 Mitarbeiter einen Umsatz von 740 Millionen Euro.

Gebäude:
Die Adresse des Hochhauses lautet Peter-Schaufler-Platz 1 in Sindelfingen. Das Gebäude wendet sich mit einer leichten Drehung in Richtung Schauwerk, dem von Peter und Christine Schaufler gestifteten Kunstmuseum. Das Museum wird den alten Firmensitz für Lager- und Logistikzwecke nutzen.




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