Der VfB Stuttgart hat bei der Einweihung des Jugendleistungszentrums ein Grußwort der Stadt für unnötig erachtet. Nun folgt die Entschuldigung – allerdings zu spät.

Stuttgart - „Der VfB gehört zu Stuttgart“, hat Bernd Wahler nach seiner Wahl zum Präsidenten des Fußballbundesligisten gesagt und damit bei der Stadtverwaltung die Hoffnung genährt, das Verhältnis zwischen Club und Rathaus würde sich in der Ära nach Gerd Mäuser verbessern. Wahlers Vorgänger hatte viel Porzellan zerschlagen, etwa mit einer Klageandrohung, falls die Stadt neben dem Stadion Wohnungen baut. Beim Empfang nach dem Pokalfinale 2013 waren die Spieler förmlich aus dem Rathaus geflohen, und auch ein Brief von Ex-Manager Fredi Bobic, der Exklusivität bei der Vergabe von Trainingszeiten auf städtischen Plätzen gefordert hatte, war schlecht angekommen.

Auch eineinhalb Jahre nach dem Amtsantritt Wahlers ist man im Rathaus der Ansicht, die Beziehung sei einseitig und der VfB melde sich nur, wenn er etwas wolle. Nachdem sich OB Fritz Kuhn (Grüne) beim Neujahrsempfang des Vereins 2014 mit seinem Bekenntnis zum FC Bayern aus Sicht der VfB-Oberen etwas verdribbelt hatte, erweckte der Club nun den Eindruck, eine Retourkutsche fahren zu wollen. Zur Einweihung des Jugendleistungszentrums Ende November sind zwar OB Kuhn und die Bürgermeister für Sport und Finanzen, Susanne Eisenmann und Michael Föll (beide CDU), eingeladen, allerdings „ohne aktiven Part“, wie der Stadtsprecher Sven Matis sagte. In der Einladung sind zwei Redebeiträge von Wahler und ein Grußwort der EnBW vermerkt, aber keines – wie in Stuttgart üblich – eines Vertreters der Bürgerschaft, die dem VfB das Grundstück zum Vorzugspreis vermietet und fast eine Million Euro zuschießt. Zudem sind Stadt und Club Partner in der Stadiongesellschaft.

„Die Veranstaltung ist ohne Absprache mit der Stadt organisiert worden. Üblicherweise werden Eröffnungen und Einweihungen von Sportstätten lange vorher geplant und mit den Unterstützern abgesprochen“, so der Stadtsprecher. Der VfB zeigte sich am Mittwoch auf Nachfrage noch unbeeindruckt: Man habe viele Beteiligte und Zuschussgeber, sagte Pressesprecher Tobias Herwerth. Da könne man nicht jeden reden lassen. FDP-Fraktionschef und Sportsprecher Bernd Klingler empfand dies als unerhört, „vor allem, weil wir uns im Gemeinderat wegen der Höhe des Zuschusses mit der Entscheidung sehr schwer taten“. Am Donnerstag teilte Herwerth dann mit, der VfB bedauere „das Versäumnis“. Fritz Kuhn werde jetzt doch gebeten, ein Grußwort zu halten. Zu spät – zumindest Kuhn und Eisenmann haben jetzt „andere terminliche Verpflichtungen“.

Im Falle eines Abstiegs dürfte es Gesprächsbedarf geben

Findet sich noch ein Vertreter, könnte dieser Botschaft überbringen, dass der Großteil des Zuschusses nicht ausgezahlt und die Grundstücksmieten erhöht würden, sollte der VfB seinen Profibereich inklusive aller Jugendteams von der U 16 an aufwärts aus dem gemeinnützigen Verein in eine Kapitalgesellschaft verlagern. Die Stadt darf nämlich keine Unternehmen bezuschussen und diesen auch nicht Grundstücke zum niedrigen Preis überlassen, den gemeinnützige Vereine erhalten. Die Stadt hat auf Anfrage mitgeteilt, der Zuschuss für das Jugendleistungszentrum würde sich um 80 Prozent auf 120 000 Euro reduzieren, der für das Funktionsgebäude von 165 000 auf etwa 33 000. Bei der Verteilung der Trainingszeiten des Nachwuchses auf der Bezirkssportanlage würde der VfB als Betriebssportgruppe geführt. Allerdings hält man es im Rathaus für unwahrscheinlich, dass die Mitglieder die Umwandlung zeitnah genehmigen. Der letzte Tabellenplatz und die Unzufriedenheit mit der Vereinsführung sprächen dagegen. Stattdessen könnte VfB-Finanzvorstand Ulrich Ruf bald Gesprächsbedarf anmelden: Im Falle eines Abstiegs ginge die Stadiongesellschaft mit dem VfB als stillem Gesellschafter schweren Zeiten entgegen.

Ganz anders wird in der Stadt die Entwicklung der Stuttgarter Kickers wahrgenommen. Die „Blauen“ galten im Rathaus lange Zeit als Sorgenkinder. Ein Präsidium, das mit leeren Tasche eine Fußballhalle für 20 000 Fans forderte, konnte nicht ernst genommen werden. Am städtischen Tropf hängt der Club schon lang: 2003 kaufte die Stadt den ADM-Sportpark für 1,36 Millionen Euro, weil die Insolvenz drohte. Die Forderungen aus dem Stadionumbau von 1998 sind so lange gestundet worden, bis die Stadt sie 2012 gestrichen hat. Nun fällt auf, dass Präsident Rainer Lorz und Manager Michael Zeyer für Verlässlichkeit und Seriosität gelobt werden.

Bekanntlich wird das Gazi-Stadion auf der Waldau für zwölf Millionen Euro aus der Stadtkasse modernisiert, weshalb die Heimspiele in Reutlingen stattfinden. Das meisterten Club, Mannschaft und Fans vorbildlich, heißt es. Sollten die Kickers in die zweite Liga aufsteigen, wird in der Verwaltung eine Ausweitung der Zuschauerkapazitäten für denkbar erachtet. In diesem Fall würde die Stadt, die den jetzigen Umbau alleine stemmt, auch das Land um Unterstützung bitten. Bürgermeister Föll verweist gerne auf das Engagement der grün-roten Landesregierung in Karlsruhe und Freiburg, die bei ihren Stadion-Modernisierungen stark unterstützt werden. Zunächst will Föll aber mit Verweis auf diese Städte den in Aussicht gestellten Landeszuschuss von 2,25 Millionen Euro fürs Sportbad absichern; für das Projekt wird jetzt ein Wettbewerb ausgeschrieben.