Einweihung in Bad Cannstatt Psychiatrie erhält neues Domizil

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In der kommenden Woche ziehen die Patienten nach Bad Cannstatt. Zwei Stationen bleiben am Altstandort, wo das Sozialpsychiatrische Zentrum Mitte entsteht.

Der Standort in Bad Cannstatt ist modern, hell und großzügig gestaltet. Foto: Heinz Heiss
Der Standort in Bad Cannstatt ist modern, hell und großzügig gestaltet. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Es ist eine jener Bemerkungen gewesen, die ein Problem übertrieben darstellen, dieses aber gerade deshalb deutlich erfassen. Solche Zustände, sagte ein Ratsmitglied nach einer Klinikbegehung vor einigen Jahren, habe er „zuletzt in Indien gesehen“. Damit gemeint waren die Verhältnisse in der Psychiatrie des Bürgerhospitals, die räumliche Enge auf den Stationen, fehlende sanitären Anlagen in den Zimmern, die zum Teil mit vier und fünf Patienten belegt waren, für die es keine Rückzugsmöglichkeiten gab.

Immer wieder hatten Mitarbeiter und Patienten die Zustände im Zentrum für seelische Gesundheit kritisiert, bis diese wegen des wachsenden Unmuts 2006 auf die Tagesordnung der Kommunalpolitik gekommen sind. Zuletzt stand der Beschluss, den Neubau der Psychiatrie vorzuziehen und am Standort Bad Cannstatt anzusiedeln. Nach zwei Jahren Bauzeit ist es soweit: am Freitag wird das 63,4 Millionen Euro teure Projekt eingeweiht, in der Woche darauf erfolgt der Umzug.

Großer Schritt für die Psychiatrie

Damit macht die Psychiatrie in der Landeshauptstadt einen großen Schritt nach vorn. Die beiden durch Lichthöfe gegliederten Baukörper, die an das bestehende städtischen Krankenhaus in Bad Cannstatt anschließen, sind großzügig gestaltet, die Zimmer hell, die Flure breit angelegt. Der Neubau bietet Platz für 238 Betten in der Erwachsenenpsychiatrie, dazu für 24 Betten und tagesklinische Plätze der Kinder- und Jugendpsychiatrie (deren Hauptstandort in der Hasenbergsteige im Westen bleibt) sowie für 32 Plätze der Schule für Kranke und 20 Plätze der suchtmedizinischen Rehaeinrichtung Wendepunkt.

Standort Bürgerhospital bleibt mit zwei Stationen erhalten

Mit dem Neubau sind die räumlichen Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der städtischen Psychiatrie geschaffen. Das Konzept des Ärztlichen Direktors im Zentrum für seelische Gesundheit, Martin Bürgy, wird aber erst deutlich, wenn man weiß, dass zwei Stationen mit insgesamt 38 Betten nicht nach Bad Cannstatt umziehen, sondern am Standort Bürgerhospital bleiben. Sie bilden das neue Sozialpsychiatrische Zentrum Mitte, das in enger Verbindung mit den insgesamt acht in der Stadt verteilten und unter anderem von Caritas und Evangelischer Gesellschaft getragenen gemeindepsychiatrischen Einrichtungen arbeiten soll. Hier werden insbesondere Patienten betreut, die an chronischen psychischen Erkrankungen des schizophrenen Typus leiden. Das Ziel der neuen Einrichtung: durch eine wirkungsvolle kurzzeitige Krisenintervention und die enge Verzahnung von ärztlicher Versorgung und Sozialarbeit sollen Klinikaufenthalte der Betroffenen verkürzt oder gar vermieden werden.

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