Bad Cannstatts Bezirksvorsteher weiß um die Probleme der Einzelhändler und die Notwendigkeit, schnell einen adäquaten Ersatzbau für den ehemaligen Frequenzbringer Kaufhof zu realisieren. Löffler bringt deshalb kein Verständnis mehr dafür auf, dass sich die beiden Seiten nicht einigen können. Wobei bisher nur die LBBW öffentlich Interesse kommuniziert hat, die restlichen Grundstücksanteile zu erwerben und zu bebauen.
OB Nopper für schnellen Abriss
Offenbar hat es auch wenig geholfen, dass sich OB Frank Nopper in die Verhandlungen „moderierend“ eingeschaltet hatte. Bekanntlich ist die Stadt Stuttgart Anteilseigner der Landesbank Baden Württemberg (LBBW), besitzt aber keinen Quadratmeter an den zur Disposition stehenden Flächen. Die letzte Devise von Stuttgarts Rathauschef klang dennoch optimistisch: „Es muss jetzt darum gehen, zügig zu einem Grunderwerb durch die LBBW Immobilien zu kommen und danach die Phase bis zum Baubeginn so kurz wie irgend möglich zu halten.“
Verhandlungsfronten verhärtet
Doch gerade davon scheint man im Augenblick meilenweit entfernt. Seit Wochen kursiert in Bad Cannstatt – aber auch im Stuttgarter Rathaus – das Gerücht, dass die Eugen Mertz GmbH & Co. KG die Gespräche mit der LBBW Immobilien abgebrochen hat und nur noch mit der Stadt Stuttgart über den Verkauf ihrer Anteile verhandeln will. Das würde jedoch bedeuten, dass die Stadt zuerst das komplette Gelände kaufen müsste. Eine Vorgehensweise, die sicher nicht Usus in der Landeshauptstadt ist und im Gemeinderat mehr als nur eine kritische Frage hervorrufen würde.
Erbengemeinschaft gibt grünes Licht
Die Verantwortlichen der LBBW Immobilien sind sich laut Geschäftsführer Frank Berlepp der Bedeutung des ehemaligen Kaufhof-Geländes für den Standort Bad Cannstatt bewusst. „Wir haben nach wie vor größtes Interesse daran, das Areal zu entwickeln – mit der Erbengemeinschaft laufen zurzeit die finalen Kaufverhandlungen“, so Frank Berlepp. „Wir gehen davon aus, dass die Verträge in den kommenden vier bis sechs Wochen unterzeichnet werden.“ Die Eugen Mertz GmbH & Co. KG habe dagegen die Verhandlungen bedauerlicherweise unterbrochen, obwohl bereits Einigkeit über den Kaufpreis herrsche und die LBBW Immobilien trotz des deutlich schwierigeren Marktumfeldes daran festhalte.
Momentan zeigt sich der Geschäftsführer der LBBW Immobilien ratlos, wie es weitergehen soll. „Die Verhandlungstür unsererseits ist sicher noch ein Stück offen – allerdings wünsche ich mir auch einmal ein Gespräch mit der Geschäftsführerin der Eugen Mertz GmbH & Co. KG.“ Die habe sich bisher zu 100 Prozent aus den Verhandlungen herausgehalten, was nach Meinung Berlepps nicht hilfreich gewesen sei.
Verkauf kommt zum Erliegen
Stefan Kiefer von der SK Consulting Grundwert GmbH, die seit gut vier Jahren als Berater der Eugen Mertz GmbH & Co. KG fungiert, sieht das Problem bei den Verantwortlichen der LBBW Immobilien. „Vor eineinhalb Jahren haben wir uns einigen können und die Modalitäten schriftlich fixiert. Dann gab es jedoch Unklarheiten bezüglich des Gebäudeabrisses und der Firma Signa“, so Kiefer. Ein zügiges Abwickeln des Geschäfts kam vorerst zum Erliegen.
Als die Probleme gelöst waren, haben die Verantwortlichen der LBBW Immobilien laut Kiefer von dem ursprünglichen Vertrag allerdings nichts mehr wissen wollen und der SK Consulting Grundwert GmbH ein Papier vorgelegt, das aus deren Sicht beim besten Willen nicht tragbar gewesen sei. „Notar und unsere Rechtsanwälte haben uns davon dringend abgeraten“, so Kiefer. Die Gespräche, bei denen auch OB Frank Nopper mit am Tisch saß, gingen weiter – blieben zwar bis heute ohne Ergebnis, dennoch bewertet Kiefer die Verhandlungen noch nicht als gescheitert. „Wir haben der LBBW Immobilien sogar angeboten, dass die Eugen Mertz GmbH & Co. KG ihrerseits die restlichen Kaufhof-Flächen kauft und entwickelt“, so der Berater. Die Geschäftsführung der LBBW Immobilien sei jedoch nicht dazu bereit gewesen.
Das Kaufangebot steht allerdings im Widerspruch zu den Äußerungen der Geschäftsführerin der Eugen Mertz GmbH & Co. KG, die nach Rücksprache mit ihrem Berater namentlich im Zusammenhang mit den Vertragsverhandlungen nicht mehr genannt werden möchte. „Ich bin bereit zu verkaufen und verstehe die Verzögerungen nicht mehr“, sagte sie im Juli gegenüber unserer Zeitung. Sie sei keine Projektentwicklerin und habe folglich auch kein Interesse mehr an dem Kaufhof-Gelände. Der Geschäftsführerin der Eugen Mertz GmbH & Co. KG dauerte damals die Diskussion über den Verkauf viel zu lange. „Darunter leidet Bad Cannstatt enorm.“ Zu einer Stellungnahme, was ihren potenziellen Meinungsumschwung in den vergangenen Wochen betrifft, war die Geschäftsführerin persönlich nicht bereit.