Einzelhandel in Göppingen Modekette C&A schließt in Göppingen

C&A in der Göppinger Bleichstraße: Die Modekette wird in wenigen Monaten schließen. Es gibt offenbar bereits erste Überlegungen, wie das Quartier künftig entwickelt wird. Foto: Giacinto Carlucci

Das Modehaus in der Bleichstraße wird wohl im Frühsommer schließen. Laut C&A läuft der Mietvertrag aus. Im Agnes könnten betroffene Mitarbeiter eine Zukunft haben.

Die Tage des traditionsreichen Modehauses C&A in der Göppinger Bleichstraße sind gezählt: „Wir können bestätigen, dass der Mietvertrag für unsere Filiale in Göppingen ausläuft und der Standort in diesem Zusammenhang schließen wird“, teilt die Unternehmenssprecherin Claudia Junge auf Anfrage mit. Weitere Informationen, beispielsweise wie viele Mitarbeiter betroffen sind und wann genau die Filiale schließen wird, wollte sie nicht nennen: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu vertraulichen Vertragsdetails sowie zu internen Angelegenheiten, darunter auch Mitarbeiterbelange, grundsätzlich nicht äußern.“ Nach Informationen dieser Zeitung soll dem Modehaus in Göppingen voraussichtlich am 30. Juni 2026 die letzte Stunde schlagen, festgezurrt ist dieses Datum aber offenbar noch nicht. Im kommenden Jahr hätte der C&A-Standort in der Bleichstraße seinen 50. Geburtstag gefeiert.

 

Bedauern beim Göppinger Marketingverein

In der Stadt wird diese Nachricht mit Betrübnis zur Kenntnis genommen: „Die angekündigte Schließung der Filiale von C&A in Göppingen bedauern wir als Marketingverein sehr“, sagt Oliver Sihler, Geschäftsführer des Marketingvereins Göppinger City. „Als Verein sehen wir unsere zentrale Aufgabe darin, den innerstädtischen Handel zu stärken – umso mehr schmerzt es, wenn ein traditionsreiches Geschäft die Innenstadt verlässt.“ Über viele Jahre hinweg sei C&A, gemeinsam mit dem damaligen Kaufhof, ein prägendes und frequenzstarkes Geschäft in der Bleichstraße gewesen – lange bevor die Neue Mitte entstanden sei. „Daher ist dieser Schritt für die Innenstadt zweifellos ein herber Verlust“, betont Sihler.

Ist ein Mix aus Wohnungen und Geschäften angedacht?

Auch der direkte Nachbar bedauert das Aus von C&A: „Es ist schade, dass ein weiterer Marktteilnehmer Göppingen verlässt“, sagt Joachim Trender, Quartiersmanager des Einkaufszentrums Agnes. Handelstechnisch seien beide Häuser nicht miteinander verbunden, das Agnes habe auch keinerlei Ambitionen, sich auszudehnen. Trender macht aber deutlich, für Gespräche zur Verfügung zu stehen, wenn es um die Zukunft der von der C&A-Schließung betroffenen Mitarbeiter geht. Offenbar gibt es bereits erste Überlegungen eines Immobilien-Experten, wie der Standort nach der Schließung des Modehauses entwickelt werden könnte. Offenbar ist ein Mix aus Wohnungen und Geschäften angedacht.​

Die Industrie- und Handelskammer hat Zahlen, wie sich Kunden bewegen. Seit November 2024 misst die IHK Region Stuttgart auch in Göppingen die Besucherfrequenz in der Innenstadt an ausgewählten Punkten. „Die Zahlen stellen wir der Stadt und den Einzelhändlern regelmäßig zur Verfügung. Damit ermöglichen wir einen objektiven Blick auf die Besuchszahlen, um politische Entscheidungen für die Innenstadtentwicklung zu objektivieren und dem Einzelhandel Rückschlüsse auf verkaufsfördernde Maßnahmen zu ermöglichen“, erklärt Gernot Imgart, der Leitende IHK-Geschäftsführer in Göppingen.

Täglich etwa 8350 Menschen zwischen Bleichstraße und Marktplatz

Dabei habe sich gezeigt, dass sich die Poststraße mit der Eröffnung des Agnes und dem Parkhaus immer mehr zu einem Frequenzbringer entwickelt. Durchschnittlich bewegen sich zwischen Bleichstraße und Marktplatz täglich etwa 8350 Menschen. In der besten Lage der Marktstraße sind es fast 10.000. „Die Ansiedlung neuer Einzelhandelsgeschäfte entlang der Poststraße belegt diese deutliche Aufwertung“, ergänzt Imgart. „Das ist eine sehr positive Entwicklung und zeigt, dass die Anbindung zur Kernstadt und den dortigen Geschäften funktioniert. Das war auch eine Idee der sogenannten Neuen Mitte Göppingens.“​ Bedauerlicherweise habe die Bleichstraße selbst, die mit den dort angesiedelten Kaufhäusern jahrzehntelang die vermutlich zweitwichtigste Einzelhandelslage darstellte, von dieser Entwicklung nicht profitieren können, meint der IHK-Chef. „Das mag auch daran liegen, dass die fußläufige Verbindung am unteren Ende der Bleichstraße über die Apostelhöfe den Kunden nicht attraktiv genug erscheint, um den notwendigen Fußgängerstrom sicherzustellen.“ Die Schließung des Kaufhofs im Jahre 2020 habe diese Situation sicherlich weiter verschlechtert. Das Aus von C&A sei kein gutes Signal für Göppingen und für die Bleichstraße, unterstreicht Imgart. Damit erfüllten sich in der Rückschau ausgerechnet die Hoffnungen nicht, die in den Standort des neuen Einkaufszentrums Agnes gesetzt wurden. „Nämlich den Einzelhandel in der gesamten Bleichstraße langfristig zu stabilisieren und zu revitalisieren.“​

Unternehmen gibt es seit mehr als 180 Jahren

Geschichte
 C&A ist eines der ältesten noch existierenden Bekleidungsunternehmen Europas. Es besteht bereits seit mehr als 180 Jahren. Die Ursprünge und Verbindungen zum Textilhandel gehen allerdings noch weiter zurück und lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer zogen im Jahr 1841 los, „um die Modewelt zu verändern“. Die Initialen der beiden Vornamen stehen für das das C und A im Firmennamen.​

Filialen
 C&A betreibt laut Homepage rund 1300 Filialen in ganz Europa.

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