Einzelhandel in Leinfelden-Echterdingen Ein Abschied, der eine Vielzahl von Gründen hat

Ende Oktober schließt Dagmar Nennemann nach 15 Jahren ihren Schuhladen im Echterdinger Zentrum. Foto: Caroline Holowiecki

Nach 15 Jahren schließt Dagmar Nennemann ihr Schuhgeschäft im Echterdinger Zentrum. Sie hat das Rentenalter erreicht, dem Handel stellt sie aber auch kein gutes Zeugnis aus.

Bevor Dagmar Nennemann am Montagmorgen ihren Laden aufsperrt, rüstet sie sich gedanklich. Eine anstrengende Woche liegt vor ihr. Die nächste. Die Kundschaft hat mittlerweile mitbekommen, dass sie das Schuhgeschäft an der Echterdinger Hauptstraße aufgibt, „Abschiedswochen“ steht groß im Schaufenster. Da wollen viele noch mal gucken und ade sagen. Für Dagmar Nennemann ist der Trubel auch mental fordernd. „Da ist man schon platt“, sagt sie. Aktuell läuft der Ausverkauf. Alles muss raus. Am 31. Oktober, so der Plan, wird sie ihren Laden nach 15 Jahren für immer schließen. „Das Wichtigste ist, noch das Krautfest mitzunehmen. Da kommen auch viele Leute von auswärts.“

 

Einen Grund allein für das Aus nennt Dagmar Nennemann nicht, vielmehr gleich einen ganzen Strauß an Gründen. Zum einen ist sie jetzt 65, hat also das Rentenalter erreicht. Gern hätte sie das Geschäft an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben, gesucht habe sie, aber „wenn ich die Zahlen vorlege, übernimmt keiner“. Spätestens seit Corona habe sich im Einzelhandel vieles verändert, sagt sie, vor allem in der Textil- und Schuhbranche. Gerade die junge Kundschaft sei verloren gegangen, sagt Dagmar Nennemann, die kaufe lieber online. Außerdem habe sich auch der Bedarf stark gewandelt. Schicke Anlassschuhe und Pumps seien deutlich weniger nachgefragt, „das ist total zurückgegangen“. In Summe werde weniger Geld ausgegeben, „weil die Leute nicht mehr wissen, wie es weitergeht“. All diese Veränderungen fielen jedoch mit hohen Mieten und steigenden Nebenkosten zusammen. Alles in allem, so ihr Urteil, lohne sich das Geschäft immer weniger.

Umsätze sinken, Kosten steigen

Erfahrungen wie diese machen Einzelhändler landauf, landab, und dies bereits seit einiger Zeit. Schon vor einem Jahr sprach Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, im Gespräch mit unserer Zeitung von Problemen in der Branche. „Die Frequenzen sind zurückgegangen und liegen, je nach Standort, zwischen zehn und 20 Prozent unter 2019“, sagte sie. Die Konsumenten gingen auch nicht mehr so stark in den stationären Einzelhandel wie vorher. Die Umsätze seien daher gesunken, und dies bei deutlich gestiegenen Kosten. Sie sah vor allem die Kundschaft in der Pflicht, vor Ort einzukaufen, um ein Ausbluten der Zentren zu verhindern. Dagmar Nennemann hätte sich zudem augenscheinlich mehr Unterstützung von der Stadt gewünscht. So seien die Mietkosten für Dauerstellplätze im Parkhaus am S-Bahnhof, die sie für ihr Team benötige, merklich erhöht worden. „Das hat mich stark enttäuscht“, sagt sie.

Trotz aller Unwägbarkeiten: Dagmar Nennemann bedauert das Aus. Der Abschied fällt ihr schwer. Sie spricht von einer tollen Zeit. „Eine Kundin kam rein und hat sich für 15 Jahre gute Laune bedankt“, erzählt sie. Seinerzeit sei sie als Quereinsteigerin aus dem Zeitschriften-Großhandel zu ihrem Schuhladen gekommen. Die Vorgängerin, die das Geschäft 25 Jahre geführt habe, habe sie als Stammkundin, die öfter mal Ware zur Auswahl für Kollegen mitgenommen habe, einfach angesprochen, ob sie sich den Job vorstellen könne. Dagmar Nennemann schaut sich in ihrem Geschäft um und lächelt: „Das hätte ich alles im Büro nicht kennengelernt.“

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