Rabattschilder überall. Auf alles gibt es zehn Prozent. Und auch die Hiobsbotschaften „Wir schließen diese Filiale“, „Alles muss raus“, „Sale“, „Großer Sortimentsabverkauf“, die an der Decke baumeln, sind nicht zu übersehen. Es ist endgültig vorbei mit Karstadt im Leo-Center.
Das Sprichwort „aller guten Dinge sind drei“ trifft nicht auf das Warenhaus zu, das seit mehr als 50 Jahren in Leonberg ist und in den letzten Jahren durch Insolvenzen einige Tiefschläge erleiden musste. Zweimal in der Vergangenheit stand Karstadt in Leonberg schon mal auf der Schließungsliste, zweimal wurde der Name von dieser wieder gestrichen und es ging weiter. Beim dritten Mal gibt es nun keine Rettung, wie sie aktuell das Haus in Potsdam erleben durfte. Für Leonberg ist nach der Insolvenz des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof das definitive Ende traurige Gewissheit. „Ende Mai haben alle eine betriebsbedingte Kündigung bekommen“, sagt Dietmar Weigelt, Betriebsrat bei Karstadt in Leonberg und auch im Gesamtbetriebsrat von Karstadt tätig. „Am 24. August ist der letzte Verkaufstag, am 31. August die Schlüsselübergabe“.
Keine Signale, die auf eine Wende hätten hoffen lassen
Nach der Ankündigung Ende April, die Leonberger Filiale stünde erneut auf der Schließungsliste, habe es keinerlei Informationen, Signale oder Botschaften mehr gegeben, die auf eine Wende hätten hoffen lassen. „Ich denke, dass man sich letztendlich nicht mit der Miete einig geworden ist“, sagt Weigelt mit Blick auf die Hamburger ECE-Gruppe, die europaweit insgesamt 150 Center betreibt, etwa 100 in Deutschland. „Als wir nun diese endgültige Nachricht erhalten haben, waren wir natürlich erneut geschockt, enttäuscht und traurig, sind aber trotzdem alle relativ gefasst“.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Karstadt würden durch eine Transfergesellschaft gut aufgefangen, sagt der Betriebsrat. „Wir haben einen Sozialplan, können an verschiedenen Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen und uns so neu orientieren. Acht Monate lang erhalten die Mitarbeiter 75 Prozent ihres Nettogehalts. Sie haben die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren oder auf Probe zu arbeiten. „Wir haben Ansprechpartner und werden bestens betreut“, sagt der 58-jährige Dietmar Weigelt, der sich ebenfalls beruflich neu orientieren muss. „Ich bin mir sicher, dass alle einen neuen Job finden, vor allem um die jungen Menschen mache ich mir keine Sorgen, bei den älteren wird es schon schwieriger“. Große Solidarität und Anteilnahme erfahren die etwa 70 Mitarbeitenden seitens der Kunden. „Viele können sich nicht vorstellen, wie es ohne Karstadt weitergehen soll, überlegen, wo sie jetzt die kleinen Dinge des Lebens wie Knöpfe oder Socken bekommen“, sagt Weigelt. Es gäbe allerdings auch ungehaltene Kundschaft, „die unhöflich wird, weil sie länger an der Kasse stehen muss oder mehr Prozente haben möchte.“ Das sei für seine Kolleginnen und Kollegen nicht immer einfach. „Da kommt eine gewisse Emotionalität und auch Dünnhäutigkeit ins Spiel“, sagt der Betriebsrat und bittet um Nachsicht.
Kunden zeigen große Anteilnahme
Dass der Vermieter ECE bereits einen Plan B für die Karstadt-Fläche in der Tasche hat, ist keine neue Nachricht. „Ich hoffe für den Leonberger Einzelhandel, dass es gut werden wird“, sagt Weigelt. Center-Managerin Nadine Fensterer setzt sich mit ihren Vorgesetzten schon seit längerer Zeit mit der möglichen Schließung des Warenhauses auseinander.
Nicht erst seit der Hiobsbotschaft muss sie nun nach vorne blicken. Was potenzielle Nachmieter für die Karstadt-Fläche betrifft, hält sie sich wie immer bedeckt, wenn die Verträge noch nicht niet- und nagelfest sind. „Wir sind mit mehreren Ideen dran, Namen kann ich noch nicht nennen, das ist zu früh.“ Dass sich die Karstadt-Schließung negativ auf künftige Miet-Verhandlungen im Center auswirken könnte, glaubt Nadine Fensterer nicht. Das Leo-Center hat insgesamt 25 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, ein Drittel davon nimmt allein Karstadt in Anspruch. Der Vertrag mit Textileinzelhändler New Yorker wurde bereits im Februar unterschrieben. Um eine passende Fläche bereitstellen zu können, wurde kräftig mit anderen Mietern jongliert. So wird New Yorker ins Obergeschoss einziehen. Hierfür werden die beiden Flächen der Schuhhandelskette Deichmann und die direkt daran anschließenden Räumlichkeiten, in denen sich früher das Schuhgeschäft Reno befand und die schon seit längerer Zeit leer stehen, zusammengelegt. Deichmann zieht ans andere Ende im Obergeschoss. Hier werden die Flächen eines ehemaligen Spielwarengeschäfts und die angrenzenden zusammengelegt. Die Änderungsschneiderei/Reinigung zieht ins Erdgeschoss beim Eingang zur Leonberger Straße. Die Gastronomie im Obergeschoss lässt allerdings noch auf sich warten. „Wir hatten schon Mehrfachbesichtigungen, es gibt aber noch viele Abhängigkeiten und ich kann den Zeitpunkt noch nicht sagen, wann sich dort was tun wird, aber das ist eine unserer Prioritäten.“
Was mit der Postfiliale, seit fünf Jahren Untermieterin bei Karstadt und im Untergeschoss untergebracht, passiert, ist auch noch unklar. „Da sind wir im Gespräch“, sagt Fensterer, die hofft, eine andere Fläche anbieten zu können. Auf eine Anfrage bei der Pressestelle der Deutschen Post in Stuttgart klingt die Antwort allerdings verhaltener: „Aktuell liegen keine Informationen vor, die man teilen könnte.“