Einzelhandel in Leonberg Im Leo-Center geht es vorwärts

Seit kurzem ist die Metzgerei Schneider neue Mieterin im Leo-Center. Foto: Simon Granville

Der Regionalchef Südwest der Betreibergruppe ECE hält große Stücke auf die Shoppingmall in Leonberg. ECE kündigt neue attraktive Läden und mehr Gastronomie an. So sehen die Pläne aus.

Eine Woche Feierlaune jüngst im Oktober anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums hat den Verantwortlichen des Leo-Centers mit Sicherheit gutgetan und ein wenig von den Alltagsgeschäften abgelenkt. Denn turbulent sind die Zeiten, das Leonberger Shoppingcenter kämpft gegen ein Image-Problem an. Kunden klagen, vor allem seit Corona, über zu viele Leerstände. Sie wünschen sich eine größere Vielfalt an qualitativen Fachgeschäften, dagegen vielleicht die eine oder andere Kette weniger.

 

Auch der Gastronomie-Bereich wurde zuletzt stark geschwächt: Über Nacht waren plötzlich drei Cafés verschwunden. Zugemacht hatte sie das Leonberger Ordnungsamt – denn der Betreiber aller drei Lokale hatte keine Konzession mehr, weil er bereits Ende Mai das Gewerbe abgemeldet hatte, die Gastronomie aber weiterlaufen ließ. Langjährige Mieter wie beispielsweise Photo Planet sind nicht mehr da, das Uhren- und Schmuckfachgeschäft Juwel wird in Kürze schließen.

Es gibt auch Lichtblicke

Doch es gibt Lichtblicke. Mit Only ist ein neues Modegeschäft ins Center eingezogen. Die Bäckerei Trölsch hat mit einem integrierten Café einen neuen Treffpunkt geschaffen. Die Metzgerei Schneider mit Stammsitz in Pliezhausen und insgesamt 15 Fachgeschäften in der Region ist neue Mieterin im Erdgeschoss. Die beiden geschäftsführenden Brüder Marcus und Jochen Schneider haben die Fläche kundenfreundlich modernisiert, Stehtische laden zum Verweilen ein.

Auf der gleichen Etage schräg gegenüber steigt das Einrichtungsgeschäft Depot, das seit dem Sommer Mieter im Leo-Center ist, nach einer einwöchigen Umbauphase nun mit Deko-Artikeln ins vorweihnachtliche Geschäft ein. Es tut sich also was auf der insgesamt 25 000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche. Ein Drittel davon nimmt allein Karstadt in Anspruch. Das Kaufhaus hat von dem Center-Betreiber ECE die Auflage bekommen, die Flächen zu modernisieren.

Mit potenziellen Mietern im Gespräch

Aktuell zählt die Center-Managerin Nadine Fensterer 68 Mieter, allerdings noch 17 Leerstände. Immer wieder verkündet sie: „Wir sind mit potenziellen Mietern im Gespräch, auch mit möglichen Gastronomen.“ Mit Dominik Sacher, dem Betreiber des veganen Restaurants, der Insolvenz anmelden musste, sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Unterstützung bekommt Fensterer von Axel Diewald, dem ECE-Bereichsleiter Südwest, der unter anderem die Shoppingcenter in Stuttgart (Milaneo und Königsbau Passagen), Karlsruhe oder Frankfurt betreut. Die Hamburger ECE-Gruppe betreibt europaweit insgesamt 150 Center, davon knapp 100 in Deutschland. „In vielen läuft es nach Corona wieder richtig gut, denn die Menschen wollen raus, sie wollen Leute treffen.“ Leonberg ist für Diewald nach wie vor nicht nur ein strategisch wichtiger Standort, sondern einer mit einer 50-jährigen Geschichte. „Uns ist extrem wichtig, dass das Leo-Center weiterhin funktioniert, Leonberg hat fast 50 000 Einwohner, ist eine Stadt mit viel Kaufkraft, einem interessanten Umland und das Center ist Teil der Innenstadt“, betont der Bereichsleiter. Gerüchte, die ECE würde das Leo-Center verkaufen wollen, dementiert er: „Das stimmt schlichtweg nicht.“ Allerdings sagt Diewald, dass dem Leo-Center etwas mehr Glanz gut zu Gesicht stehen würde. „Es muss tatsächlich mehr Qualität rein, die Kunden wünschen sich Erlebnis-Shoppen, wir wollen auch die Jüngeren ansprechen.“ Ideen, das Leo-Center mit einer Gastronomie nach außen hin zur Leonberger Straße zu öffnen, gab es schon vor Corona. Da sei das Management nach der turbulenten Zeit wieder dran, versichert der Bereichsleiter. „Bei schönem Wetter wollen die Menschen draußen sitzen, und der Platz ist da.“

Vieles läuft nicht nach Wunsch des Managements

Dass in den vergangenen Jahren – besonders seit Corona – vieles nicht so läuft, wie es sich das Management wünschen würde, daraus macht Diewald keinen Hehl. „Während der Pandemie konnten wir keine Mieter akquirieren, danach kam der Überlebenskampf von Karstadt hinzu, das war alles andere als einfach die letzten Jahre.“ Was die Umsätze betrifft, sei das Leo-Center jetzt wieder auf einem guten Weg. „Mit den Zahlen im ersten Halbjahr 2023 sind wir vergleichsweise wieder da, wo wir 2019 waren“, sagt Diewald.

Nicht nur um neue potenzielle Mieter muss sich das Management kümmern (Diewald: „Wir sind mit einigen im Gespräch, dürfen aber noch nichts Konkretes sagen“), zudem um das Weiterführen bestehender Verträge. „14 wurden in den letzten 18 Monaten langfristig verlängert“, sagt Nadine Fensterer. Kritik, dass die Mieten zu hoch seien, weist der Bereichsleiter von sich. Quadratmeterpreise gäbe es nicht. Die Bedingungen, auch die Laufzeiten, würden mit jedem Partner individuell verhandelt und variierten beispielsweise je nach Branche oder Gewinnspanne des jeweiligen Unternehmens.

Aufgabe des Managers: Mit den Mietern in Kontakt bleiben

Ein Kritikpunkt, den Mieter mitunter äußern, ist mangelnde Kommunikation seitens des Managements. Diese weist Nadine Fensterer von sich: „Ich bin im ständigen Kontakt mit den Mietern, mache regelmäßig einen Rundgang durch das Center.“ Erst kürzlich hätten Axel Diewald und Nadine Fensterer die Mieter zu einem gemeinsamen Austausch eingeladen. Regelmäßig würden Rundschreiben verschickt. „Aufgabe des Managers ist es, den Kontakt mit den Mietern aufrechtzuerhalten“, sagt Diewald.

Zu Weihnachten hofft das Leo-Center auf ein gutes Geschäft und lockt mit einheitlichen Öffnungszeiten der Geschäfte von 9.30 Uhr bis 20 Uhr. Ab dem 15. November bis zum Ende des Jahres ist für die letzte Geschäftsstunde das Parken im Parkhaus für Kunden kostenfrei.

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