Einzelhandel in Oberstenfeld VRS-Planer wollen Wildwuchs an Einkaufsmärkten stoppen
Der Verband Region Stuttgart sieht laut einem Gutachten in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) Grenzen erreicht und äußert Bedenken.
Der Verband Region Stuttgart sieht laut einem Gutachten in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) Grenzen erreicht und äußert Bedenken.
„Wettbewerb ist immer gut.“ Das findet Jörg Lilienkamp, der den Oberstenfelder Edeka-Markt seit einigen Wochen leitet. Dass direkt neben seinem Geschäft ein Getränkemarkt und ein Drogerieladen mit jeweils 700 Quadratmetern Fläche entstehen sollen, ficht ihn nicht an. Und auch das zweite geplante Projekt in Sichtweite mit einem Lebensmittelvollsortimenter auf dem großen Neubau-Areal Bottwarwiesen jagt dem Einzelhändler keinen Schrecken ein – auch wenn ein Gutachten, über das der Planungsausschuss des Verband Region Stuttgart am 15. November berät, Umsatzverlagerungen vorhersagt.
Jörg Lilienkamp hat schon einige Stationen durchlaufen, unter anderem im Großraum Hannover und am Bodensee. „Papier ist geduldig – die Kunden sind sehr ortsgebunden“, sagt der Marktleiter. Die bei ihm Einkaufenden will Lilienkamp etwa mit Bio-Produkten und Regionalware bei der Stange halten. Die Konkurrenz im Bottwartal ist jedoch schon jetzt groß.
Jahrzehntelang hatte die heutige 8100-Einwohner-Gemeinde nur zwei kleinere Lebensmittelläden. Viele Oberstenfelder fuhren zum Kaufland nach Steinheim – auch ein Aldi im benachbarten Beilstein zwackte Kundschaft ab. Pendler, die aus Richtung Stuttgart nach Oberstenfeld fahren, passieren die südliche Nachbarstadt Großbottwar mit vier Discountern. Erst vor etwa zehn Jahren legte Oberstenfeld nach. Es entstand der geräumigere Edeka-Markt auf einer Verkaufsfläche von 1600 Quadratmetern. In den nächsten Jahren wird die Gemeinde aber noch einmal um rund 1300 Bewohner wachsen. Gebaut wird in den Bottwarwiesen auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände. Wie viele Supermärkte dann gebraucht werden, auch darum geht es nun in dem Gutachten.
Brisant ist der Wettstreit der beiden geplanten Lebensmittelmarkt-Projekte vor allem auch deshalb, weil sie sich auf den gesamten Einzelhandel im Ort, aber auch auf die Discounter im gesamten Bottwartal auswirken. Vor einigen Monaten war noch jeweils ein neuer Lebensmittelmarkt mit Drogerie an beiden Standorten im Gespräch. Jetzt steht fest, dass dies für den Einzelhandel im Ort unverträglich ist.
Ein dm-Markt soll offenbar nicht neben dem geplanten 1400 Quadratmeter großen Rewe-Markt unter dem Shetdach auf dem Gelände der Bottwarwiesen entstehen. Eher wäre eine Drogerie neben einem Getränkemarkt auf dem Gelände bei Edeka denkbar, findet der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann nach Sichtung des Gutachtens. „Wir haben schon ohne die geplante Erweiterung in den Bottwarwiesen einen Bedarf.“ Dass nicht zwei Drogeriemärkte entstehen, entlaste die Ortsmitte mit ihren Läden. „Wir sind froh, dass wir ein lebendiges Zentrum haben und wollen es erhalten“, sagt Kleemann und lobt den Frischemarkt Meyer, der die fußläufige Bevölkerung versorge. Es gehe darum, die Bottwarwiesen angemessen mit der Ortsmitte zu verbinden.
Ähnlich sieht es Thomas Kiwitt, Technischer Direktor des Verband Region Stuttgart (VRS). „Die alten Bebauungspläne erlauben viel – aber die Nahversorgung eines Ortes braucht eine Planung aus einem Guss.“ Dazu gehöre, nicht drei Ortsmitten zu bilden. Wichtig sei auch, dass das Angebot an Märkten nur dem Bedarf der Oberstenfelder selbst entspreche. Der notwendige Wert von 70 Prozent beteiligter Kaufkraft aus dem eigenen Ort werde mit 68 Prozent bei beiden Projekten unterschritten. Ein Lebensmittelmarkt in den Bottwarwiesen erreiche den Wert nur perspektivisch, mit 1300 Neubürgern. „Es kann nicht sein, dass sich die Kommunen im Bottwartal mit immer neuen Supermärkten gegenseitig die Kundschaft abjagen.“