Stuttgart - An der oberen Königstraße tut sich was. In der Immobilienbranche spricht man sogar davon, dass sich dort gerade der Wind drehe. Firmierten die Veränderungen dort zuletzt eher unter der Überschrift „Downgrading“, gekennzeichnet von der Flucht renommierter Marken wie etwa Wempe, so setzt nun der neue Mieter im Haus mit der Nummer 43B ein Ausrufezeichen hinter eine neue Entwicklung. Im Frühjahr soll dort auf zwei Etagen Lego einen Store eröffnen. Dies wäre nicht nur für Liebhaber der kleinen Spielsteine eine gute Nachricht. Auch für die Nachbarschaft soll sich dies positiv auswirken: Denn überall dort, wo Lego bisher einen Laden eröffnete, verzeichnete man eine überdurchschnittliche Passantenfrequenz. Lego will sich dazu allerdings nicht äußern.
Anziehungskraft für internationale Marken
So könnte man meinen, alles, was in diesem Bereich derzeit passiert, diene einem großen Plan: Nämlich die obere Königstraße wieder aufzuwerten, die Aufenthaltsqualität wieder zu steigern. Schon die bisherigen Aktivitäten setzten „ein deutliches Signal“ in diese Richtung, wie Jürgen Track von Colliers Stuttgart betont. Dabei erinnert er an die Neueröffnungen von Levi’s (Königstraße 29) und JD Sports (Königstraße 41) im vierten Quartal des vergangenen Jahres. „Es ist ein gutes Zeichen und aller Ehren wert, dass große internationale Marken hier eröffnen“, sagt Track. Im Kontext der weiteren Immobilien-Entwicklungen sei die obere Königstraße damit auf einem guten Weg. Track spricht damit auch den derzeitigen Abriss an der Hausnummer 35 an. Dort, wo ehemals ein Telekom-Shop, der Modehändler Orsay und die Schlossparfümerie residierten, soll nun ein Neubau mit sechs Etagen und Tiefgarage entstehen. Die Fläche von etwa 3700 Quadratmetern teilen sich der Einzelhandel (1700 Quadratmeter) und der Büromarkt (2000 Quadratmeter).
Zwei Konzepte im Rennen: ein Steakhaus sowie ein gutbügerliches Restaurant
Auch das sogenannte Hofbräu-Eck an der Querspange, das im Besitz der Stinag AG ist, wird nach einem ähnlichen Konzept wohl im Sommer 2021 fertig. Von den 4500 Quadratmetern Gesamtfläche machen Büros den Löwenanteil (3300 Quadratmeter) aus. Mieter ist die Anwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek. Neben dem Handel soll allerdings die Gastronomie mit Außenbewirtung eine große Rolle spielen. Derzeit sind dem Vernehmen nach noch zwei Konzepte im Rennen: ein Steakhaus sowie ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche.
Als eigentliche Attraktion gilt jedoch der Lego-Store. „Das ist eine sehr starke Marke, die man in ihrer Ausstrahlung beinahe mit Apple vergleichen kann“, sagt ein Kenner der Branche. Schon jetzt werben Schriftzüge an den beklebten Schaufenstern damit, dass auf einer Etage der Königstraße 43B im Frühjahr 2021 „das Spielvergnügen“ für die ganze Familie eröffnet. Der Eigentümer, die Württembergische, ziert sich allerdings noch, den Namen Lego auszusprechen. „Zum 1. Februar 2021 erfolgt eine Neuvermietung für die im Erdgeschoß gelegenen Geschäftsräume der Immobilie Königsstraße 43B in Stuttgart. Die Geschäftsräume umfassen eine Fläche von insgesamt rund 270 Quadratmetern und gehen an einen Einzelmieter“, sagt Immo Dehnert, Kommunikationschef der Wüstenrot & Württembergische AG. Damit hält er die Spielregeln ein, wonach der Händler das Vorrecht der offiziellen Bekanntgabe hat. Lego selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch wenn der Sache noch der offizielle Charakter fehlt, äußert sich Citymanager Sven Hahn positiv: „Wenn es tatsächlich Lego wird, nimmt diese Ecke da oben eine echt gute Richtung.“ Lego mache insgesamt einen tollen Job und stehe für Spaß und Erlebnis, so Hahn. Beide Faktoren würden der Innenstadt guttun.
Wohin entwickeln sich die Mietpreise künftig?
Mit den Fortschritten auf der oberen Königstraße stellt sich freilich die Frage nach der Gesamtentwicklung der Einkaufstraße: Wohin geht die Reise – auch bei der Mietentwicklung? Für die Antwort geht Jürgen Track zurück ins Jahr 2015/16. „Da hatten wir bei den Spitzenmieten das bisherige Allzeithoch“, sagt der Handelsexperte bei Colliers. Zu dieser Zeit habe der Quadratmeterpreis für eine 80-Quadratmeter-Fläche bei rund 300 Euro gelegen. Derzeit lassen sich für vergleichbare Flächen nur noch Preise zwischen 200 und 250 Euro pro Quadratmeter erzielen. „Seit 2015 findet eine sukzessive Mietanpassung statt“, sagt Track, „es geht tendenziell nach unten.“
Wie überall, so gibt es auch hier die Ausnahmen von der Regel. So berichtet ein Hörgeräte-Akustiker, dass ihm die Parfümerie-Douglas-Ladenfläche im Königsbau für eine Monatsmiete in Höhe von 20 000 Euro für zwei Jahre bis zur Sanierung vom Land Baden-Württemberg als Eigentümer angeboten worden sei. Auch auf dem Kleinen Schlossplatz soll ein Händler für eine Ladenfläche immer noch 22 000 Euro monatlich bezahlen. Obschon dies exponierte Stellen in der Innenstadt seien, ist Jürgen Track skeptisch, ob sich dies in Zukunft weiter so darstellen lasse. Angesichts des wachsenden Online-Handels und der Folgen der Pandemie „ist gerade der Textilbereich brutal unter Druck“. Viele Händler hätten große Liquiditätsprobleme. Weiter meint Track: „Ich glaube, wir werden drastische Veränderungen in der Innenstadt erleben.“