Einzelhandel in Stuttgart Mehr als 130 000 Besucher stürmen das Milaneo

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Mit der Eröffnung des Milaneo zieht Lebens ins Europaviertel ein. Center-Managerin Andrea Poul spricht von einem Traumstart. Das neue Einkaufszentrum lockt am ersten Tag Tausende zumeist junger Kunden an.

Das Milaneo kann am ersten Verkaufstag massenhaft junge Kunden anlocken. In unserer Foto-Umfrage erfahren Sie, was die jungen Besucher ins Milaneo zieht und was sie von dem neuen Einkaufszentrum in Stuttgart halten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 6 Bilder
Das Milaneo kann am ersten Verkaufstag massenhaft junge Kunden anlocken. In unserer Foto-Umfrage erfahren Sie, was die jungen Besucher ins Milaneo zieht und was sie von dem neuen Einkaufszentrum in Stuttgart halten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Als die Center-Managerin des Milaneos, Andrea Poul, das rote Band um 8 Uhr durchtrennt hat, warteten vor jedem der vier Haupteingänge des Einkaufscenters mehrere hundert junge Menschen – die meisten sind 15 Jahre bis 25 Jahre alt. Die Filialen des Schuhhändlers Snipes und der irischen Modekette Primark waren ihre ersehnten Anlaufstellen. Nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit hat das größte Einkaufszentrum in Baden-Württemberg seit Donnerstagmorgen für das Publikum geöffnet.

„Das war der absolute Hammer“, sagte Poul über den ersten Verkaufstag. Der Zulauf sei enorm gewesen: „Stand Donnerstagabend werden wir mehr als 130 000 Besucher haben“, berichtete Poul. Die eigenen Erwartungen seien deutlich übertroffen worden. Sehr gefreut habe sie, dass das befürchtete Verkehrschaos ausgeblieben sei. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei klappt wunderbar“, sagte Poul und fügte an: „Der Mailänder Platz und das Quartier haben richtig gelebt, genau wie es etwa Oberbürgermeister Fritz Kuhn gefordert hat.“

Demonstrationen gegen Primark und Milaneo

Die Eröffnung des Milaneos ist allerdings nicht nur von Jugendlichen auf der Suche nach reduzierten Sneakers und billigen T-Shirts geprägt worden. Gegen 9.20 Uhr versammelten sich rund 40 Aktivisten verschiedener Initiativen vor der Filiale des umstrittenen Textilhändlers Primark. Die Demonstranten knieten vor der Primark-Filiale und beteten aus Protest ein überdimensionales T-Shirt an. Ihre Rufe gingen jedoch in den dröhnenden Bässen unter, die aus den Modegeschäften wummerten. Unter den Kunden des Milaneos fand die Aktion zudem wenig Anklang. Eine junge Frau zum Beispiel warf die Flugblätter zu Boden, die ihr ein Demonstrant ungefragt in ihre Einkaufstasche stecken wollte.

Die Polizei zählte bis zu 100 Demonstranten auf dem Gelände zwischen Einkaufszentrum und Stadtbibliothek. Im Laufe des Tages kam es nach Polizeiangaben zudem immer wieder zu kleineren Aktionen von verschiedenen Gruppen.

Bereits am Morgen stießen die Straßen rund um das neue Einkaufszentrum an die Grenze ihrer Kapazität. Um 10.30 Uhr, gut zwei Stunden nach der Eröffnung, kam es zu ersten ernsthaften Behinderungen. „Die rund 1200 Stellplätze des Shoppingcenters waren voll. Das Parkhaus musste gesperrt werden“, berichtete der Einsatzleiter der Polizei, Ralf Perrey. „Daraufhin hat sich der Verkehr auf der Wolframstraße für etwa eine Stunde gestaut. Der Andrang war richtig stark.“ Danach habe sich die Situation auf den Straßen rund um das Milaneo wieder entspannt. Zwischen 11.30 Uhr und 16 Uhr habe es regelmäßig freie Plätze im Parkhaus gegeben. Kurzzeitig sei das Parkhaus zwar erneut voll gewesen, gegen 18 Uhr hat Perrey aber 235 freie Plätze gezählt. Eine Demonstration in der Stadt, die nichts mit dem Milaneo zu tun hatte, verursachte einen Stau auf der Wolframstraße.

Geschäftsleute sind vom Andrang positiv überrascht

Die Ladenbetreiber quer durch sämtliche Branchen zeigten sich mit dem ersten Verkaufstag zufrieden. Der Elektronikhändler Media Markt öffnete seine Tore bereits zwei Stunden vor dem Rest des Centers. Die Geschäftsleitung zählte allein von 6 Uhr bis 8 Uhr mehr als 1500 Kunden.

Friedrich Ermert, der Geschäftsführer des Bettwäscheherstellers Billerbeck sagte: „Wir sind kein Publikumsmagnet wie Primark, trotzdem sind wir mit der Frequenz sehr zufrieden. Und das, obwohl unsere typischen Kunden so einen Rummel wie zur Eröffnung sonst eher meiden.“

Dennis Gaden, der Filialleiter von Mymuesli, sah das Geschäft im Milaneo als eine Art Experiment. Es sei zwar bereits ihr 16. Shop in Deutschland, doch der erste Laden in einer Shopping-Mall, sagte Gaden. „Die Kundenfrequenz ist heute jedenfalls extrem hoch. Es hat den Anschein, dass Stuttgart kräftig konsumiert“, sagte der Filialleiter. Und auch draußen ist viel los gewesen: Der Mailänder Platz zwischen Einkaufscenter und Bibliothek sowie das gesamte Europaviertel wirkten so frequentiert wie selten zuvor. „Jetzt lebt es hier zum ersten Mal so richtig“, beschrieb eine Bankangestellte, die ihre Pause im Milaneo verbracht hat, ihre Eindrücke.

Dass das Einkaufszentrum bereits am frühen Morgen geöffnet hatte, ist eine Ausnahme gewesen. Regulär öffnet das Milaneo um 10 Uhr, samstags um 9.30 Uhr.

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