Das Geschäft Blumen Hertneck beim Alten Friedhof in Vaihingen schließt seinen freien Verkauf, Blumen gibt es ab sofort nur noch auf Bestellung. Persönliche und wirtschaftliche Gründe haben das Ehepaar Riethmüller dazu bewogen.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Für viele Vaihinger ist es der schönste Blumenladen im Stadtteil. Jahrzehntelang hat das Ehepaar Riethmüller mit seinen bunten Auslagen vor dem Geschäft Blumen Hertneck an der Holzhauser Straße 3 gegenüber des Alten Friedhofs auf sich aufmerksam gemacht: ein großes Angebot an Schnittblumen, gebundenen Sträußen, Gestecken, Schalen und anderen Arrangements. Doch genau damit ist nun Schluss. „Wir verändern unser Konzept. Wir schließen aber nicht, wir hören nicht auf“, sagt Kerstin Riethmüller.

Doch den freien Verkauf gibt es ab sofort nicht mehr, Blumen sind bei dem Ehepaar Riethmüller nur noch auf Bestellung erhältlich. Dabei bleibt die gesamte Angebotspalette erhalten – von der Trauerbinderei über die Eventdekoration bis hin zur Balkonbepflanzung. Und auch wer sich beraten lassen möchte, kann telefonisch oder im Internet einen Termin vereinbaren. „Wir wollen weiterhin für unsere Kundinnen und Kunden da sein“, betont Kerstin Riethmüller. Obwohl es kein Abschied ist, fällt dem Ehepaar der Schritt schwer. Den Blumenladen Hertneck gibt es bereits seit 1960. „Meine Eltern haben ihn gegründet. Ich bin quasi in der Gärtnerei aufgewachsen und habe schon mit drei Jahren kleine Sträußchen gebunden“, erzählt Kerstin Riethmüller und lacht. „Floristin ist und bleibt mein Traumberuf. Ohne Blumen geht bei uns nichts“, sagt die 56-Jährige.

Personalmangel und nur noch wenige Auszubildende

Doch für einen klassischen Blumenladen sind die Perspektiven schwierig. Da sind zum einen die drastisch gestiegenen Einkaufspreise. Die hohen Kosten für Energie und Transport machen Blumen und Pflanzen teuer. Denn sie müssen in aller Regel in Gewächshäusern angezogen und dann über viele Kilometer nach Süddeutschland gebracht werden. Zum anderen findet sich kein Personal mehr. Blumenläden haben freitags, samstags und vor Feiertagen Hochkonjunktur. Das sind aber genau die Zeiten, zu denen Eltern lieber frei haben – vor allem, wenn sie in Teilzeit arbeiten.

Und auch insgesamt fehlt der Nachwuchs. „Als ich 1982 meine Lehre abgeschlossen habe, waren wir 140 Absolventen. In diesem Jahr sind es elf Absolventen aus Stuttgart, Esslingen, Böblingen und Sindelfingen“, nennt Kerstin Riethmüller konkrete Zahlen.

Das neue Konzept sei wirtschaftlicher und nachhaltiger, sagt Kerstin Riethmüller. „Blumen sind verderbliche Ware. Ich kann Schnittblumen nicht länger als ein bis zwei Tage im Laden anbieten“, sagt die Floristin. Wenn sie wisse, was gewünscht sei, könne sie zielgenau einkaufen und auf Kundenwünsche eingehen. Vor allem, wenn es um Blumen für bestimmte Anlässe wie Trauerfeiern, Hochzeiten oder Konfirmationen gehe, sei das auch für die Kundschaft planbar. Von dem neuen Konzept erhofft sich das Ehepaar aber auch mehr Freizeit. Bisher beginnt ihr Arbeitstag oft morgens um 4 Uhr mit der Fahrt zum Großmarkt in Wangen und endet spätabends mit Büroarbeit oder dem Vorbereiten neuer Blumenarrangements. Mit den Jahren gehe das auf die Gesundheit, sagt Ralf Riethmüller, der bald 60 wird. Zudem seien ihre Eltern mittlerweile zwischen 80 und 90 Jahren alt und bräuchten mehr Unterstützung.

Insbesondere ältere Kunden haben das Nachsehen

Ihre Stammkundschaft haben die Riethmüllers bereits über die Neuerungen informiert. „Die Menschen haben sehr positiv reagiert. Sie können die Gründe für das neue Konzept gut nachvollziehen“, sagt Kerstin Riethmüller. Dennoch: „Insbesondere für die älteren Kunden tut es uns leid. Sie haben unser umfangreiches Angebot immer sehr geschätzt. Das werden die Leute wohl vermissen.“ Bei der von Kerstin Riethmüllers Bruder betriebenen Gärtnerei Joachim Hertneck bleibt alles unverändert. „Wir sind zwei getrennte Betriebe“, erklärt die Floristin.