Einzelhandel Neuanfang bei Spielwaren Kurtz

Die Chefs Bernd Stocker und Edith Winter Foto: factum/Granville
Die Chefs Bernd Stocker und Edith Winter Foto: factum/Granville

Das Traditionsgeschäft Spielwaren Kurtz ist jetzt nicht mehr vom Marktplatz aus zugänglich. Der Eingang liegt jetzt an der Sporerstraße.

Lokales: Sven Hahn (hah)
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Stuttgart - Wenn der älteste Spielzeughändler der Stadt am Donnerstag seine Pforten öffnet, können Eltern und ­Kinder nur noch über die Sporerstraße, gegenüber der Markthalle, ins Haus ­gelangen. Der Haupteingang am Marktplatz bleibt geschlossen. Am Mittwoch, dem Tag vor der Neueröffnung, sehen die Räumen allerdings mehr nach Werkstatt als nach Kinderparadies aus.

Handwerker laufen hektisch durcheinander, schrauben Regale fest, verlegen Kabel. Bohrer sind zu hören. Kurzum, der neue Spielwaren Kurtz ist noch am Tag vor der Eröffnung eine große ­Baustelle. „Wir haben vier Wochen Bauverzögerung“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Bernd Stocker. „Trotzdem werden wir am Donnerstag fertig sein und eröffnen. Wir arbeiten die Nächte durch“, sagt Stocker. Den ursprünglich für Oktober geplanten Eröffnungstermin musste er mehrfach verschieben.

Der Internethandel setzt Spielwaren Kurtz zu

Im Jahr 2005 hat der 42-Jährige das Stuttgarter Traditionsgeschäft übernommen. „Alle außer meiner Frau haben mir von diesem Schritt abgeraten“, erzählt ­Stocker. Es sei schwer geworden für unabhängige Einzelhändler, in den attraktiven Lagen der Innenstädte zu bestehen. Spielwaren Kurtz behauptet sich in Stuttgart seit nunmehr 180 Jahren. „Doch ein Polster für weitere Jahrzehnte haben wir uns in dieser Zeit nicht zulegen können“, gibt ­Stocker offen zu. Die Gründe: die Konkurrenz aus dem Internet und ein harter Preiskampf in der Branche. Daher geht der bekannte Einzelhändler mit einer spürbar verkleinerten Verkaufsfläche an den Start – statt ehemals 1700 sind es nun 1300 Quadratmeter. „Wir sparen dadurch einen beträchtlichen Teil der Miete“, sagt Stocker. Die rund 50 Mitarbeiter will der dreifache ­Familienvater aber weiter beschäftigen.

Das sich der Spielzeughändler in der ­Innenstadt halten kann, hat auch mit ­seinem Vermieter zu tun. Das Haus befindet sich im Besitz der Piëch Holding und wurde in zwei Bereiche unterteilt. In die Fläche mit Schaufenster Richtung Rathaus wird künftig die Schweizer Kaffeekette Nespresso einziehen. „Das wird Kunden an den Marktplatz binden und verhindern, dass zu viele Menschen in die neuen Einkaufszentren abwandern“, hofft Stocker. Der Schweizer Kaffeehändler, ein Tochterunternehmen des Nestlé-Konzerns, betreibt derzeit eine Boutique im vierten Stock von ­Breuninger. „Bei uns wird Nespresso in der zweiten Jahreshälfte 2014 ausziehen“, ­bestätigt der Sprecher des Unternehmens, Christian Witt, und fügt an: „Der Mieter hat bei uns sehr viel Frequenz gebracht. Wir ­konnten leider keine entsprechend größere Fläche im Haus anbieten.“ Wie Breuninger den freien Raum nutzen will, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, sagt Witt.

Quartiersentwicklung soll Kundenströme bringen

Kurtz-Inhaber Stocker verbindet derweil große Hoffnungen mit einem ­weite­ren  Breuninger-Projekt, dem Dorotheen-Quartier zwischen Karlstraße und Markthalle. „Die Fußwege der Kunden werden sich ­dadurch zu unseren Gunsten verändern“, glaubt der Geschäftsmann. Auf das neue Quartier muss Bernd Stocker allerdings noch mindestens drei Jahre warten. Die neuen Einkaufszentren Gerber und Milaneo ­werden jedoch bereits im kommenden Herbst eröffnen. „Wir werden nicht ­versuchen, diese Zeit zu überbrücken“, sagt der 42-Jährige. Man werde versuchen, mit den besseren Mitarbeitern und den besseren Spielsachen zu punkten.

Stuttgart -




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