In Ludwigsburg ist immer mal wieder zu hören, dass das Angebot in der Innenstadt stark gelitten habe. Zumindest die Ergebnisse der Umfrage unserer Zeitung legen aber etwas anders nahe. Mit einem durchschnittlichen Wert von 7,44 (Skala von 1 bis 10) landet Ludwigsburg auf einem vorderen Platz, nur ganz knapp hinter der zweitgrößten Stadt Bietigheim-Bissingen (7,46).
Trotz Kritik: Kornwestheim landet im oberen Mittelfeld
Citymanager Markus Fischer spricht von einem „großen, bunten Angebot“ in der Ludwigsburger Innenstadt, mit inhabergeführten Geschäften aber auch Filialisten, die sich vor allem in den beiden großen Centern (Marstall und Wilhelmgalerie) befinden. Aus seiner Sicht sind auch die Leerstände „überschaubar“. Natürlich zieht die Landeshauptstadt Stuttgart Kaufkraft ab, deshalb seien die Themen Erreichbarkeit – sowohl mit dem Auto als auch mit den Öffentlichen – und Aufenthaltsqualität essenziell. In unserer Umfrage wird die in Kornwestheim von mehreren Teilnehmern kritisiert, auch die Läden selbst. Einer schreibt: „Die Stadt sollte mehr für einen guten Einzelhandel tun und die Qualität der Läden verbessern. Aktuell gibt es einfach nur viel Ramsch.“ Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Kornwestheim landet im Kreisvergleich dennoch im oberen Mittelfeld (6,57). Unterdurchschnittlich schneidet hingegen Marbach ab (5,82). Ein fehlender Nahversorger im Ortsteil Rielingshausen ist ein mehrfach genannter Kritikpunkt, auch würden Parkplätze in Innenstadtnähe fehlen. „Da nützt dann auch eine sanierte Fußgängerzone nichts“, schreibt ein Teilnehmer.
Ganz oben im Ranking landet hingegen eine andere Bottwartal-Kommune: Murr (8,28). Das könnte an gleich zwei großen Discountern liegen – für eine 6700-Einwohner-Gemeinde viel. Bürgermeister Torsten Bartzsch nennt auch den „gut belebten Dorfplatz“ als Grund. Auch wenn zuletzt ein beliebter Blumenladen geschlossen habe, „die Leute können eigentlich alles in einem Aufwasch erledigen“, so Bartzsch.
In Mundelsheim ist das so nicht mehr gegeben. Die Gemeinde in der Neckarschleife wird deshalb von den Teilnehmern in der Kategorie mit durchschnittlich 4,27 Punkten abgestraft. Dass es keinen Bäcker und Metzger mehr im Ort gibt, wird bemängelt. So spielt das Thema Shopping erst gar keine Rolle. Schlechter schneidet nur noch Oberriexingen (2,39) ab. Hier gibt es im Gegensatz zu Mundelsheim nicht mal einen Discounter. Für Güter des täglichen Bedarfs müssen die Bewohner in einen benachbarten Ort.
Breuningerland erschwert Ansiedlung von Händlern
Vollständig ist die Angebotspalette in Gerlingen nicht, dennoch landet die Strohgäu-Kommune auf Rang 2 in der Kategorie Einzelhandel (7,65). „Die vielen Fachgeschäfte bieten persönliche und individuelle Beratung mit unterschiedlichster Serviceleistung“, sagt die Vorsitzende des Stadtmarketingvereins „Mein Gerlingen“, Heike Bischoff. Sehr engagiert seien die oft inhabergeführten Einzelhändler auch bei Veranstaltungen und Aktionen. Auch Bischoff spricht Aufenthaltsqualität als wichtigen Faktor für eine Innenstadt an.
Während in Ludwigsburg die Innenstadtakteure häufig auf die Konkurrenz durch das Breuningerland hinweisen, sieht man das Shoppingcenter in Tamm, von wo aus es genauso schnell erreichbar ist ebenfalls kritisch. Es mindere die „Attraktivität des Einzelhandel-Standorts Tamm“ und erschwere die „Ansiedelung von Einzelhandel im alten Ortskern, wie auf der Hohenstange“, heißt es aus dem Rathaus. Dass es in dem Ortsteil lange kein Lebensmittelgeschäft gab, ist einer der Gründe, warum Tamm mit einem Wert von 5,64 relativ weit hinten landet. Inzwischen gibt es wieder einen Supermarkt.
Der Korntal-Münchinger Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) versteht das schlechte Abschneiden (4,68) seiner Stadt „nur teilweise“. Man stärke die Zentren seit langem. In Münchingen wird die Ortsdurchfahrt umgebaut und soll sich eine Drogerie ansiedeln. In Korntal wird die Haupteinkaufsstraße angegangen. Der Rathauschef sieht aber auch die Bürger in der Pflicht. „Wir appellieren dazu, lokal einzukaufen.“ Im Endeffekt hätten die Verbraucher durch ihre Kaufentscheidungen den größten Einfluss.
Worum es beim Heimat-Check geht
Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.
Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.