Der italienische Sänger Nek erweist sich am Donnerstagabend beim einzigen Deutschlandkonzert in Stuttgart als Stimmungsbombe: Bilder und Kritik vom Konzert im ausverkauften Hegelsaal.
Thomas Morawitzky
10.04.2026 - 08:34 Uhr
In Italien ist er ein Star, in Deutschland, anderen europäischen Ländern, ist er unvergessen wegen seines großen Hits: 1997 sang Nek „Laura non c’è“, mit eingängiger Melodie, gutem Tempo und heller, rauer Stimme. Sein Tophit wird bis heute in den Radios gespielt. Am Donnerstagabend lockt der Mann, der eigentlich Filippo Neviani heißt, 1400 Besucher in den Hegelsaal der Liederhalle. Es ist seine einzige Show in Deutschland. Und er spielt sich 100 Minuten lang energisch und mit einiger Strahlkraft durch ein gar nicht so kleines Repertoire: Seit 1992 hat Nek immerhin 17 Alben veröffentlicht.
Der Hegelsaal fühlt sich an wie ein Fußballstadion
Seine Karriere begann mit Auftritten bei den großen italienischen Liederfestivals, in Castrocaro Treme e Terra del Sole 1992 und beim Festival della Canzone Italiana di Sanremo 1993, der wichtigsten Plattform für italienische Interpreten. Seine ersten Alben blieben unbeachtet, 1996 jedoch kam der Durchbruch – in Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich, der Schweiz. Bis 2005 hielt Neks internationaler Erfolg an, seither platziert er sich noch in den Hitparaden seiner Heimat, dort aber auf den vordersten Plätzen. Ein großer Teil der Menschen, die am Donnerstag in den Hegelsaal geströmt sind, stammt aus Italien. Das macht sich bemerkbar: Von Anfang an knistert die Luft von Emotion, von Leidenschaft, das Publikum jubelt, wie man es bei deutschen Sängern nie erlebt, und als es zuletzt eine Zugabe fordert, bilden sich Chöre und der Hegelsaal fühlt sich an, wie ein Fußballstadion.
Das Konzert von Nek im Hegelsaal ist ausverkauft Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
Allerdings: Auch der Anteil deutscher Zuschauer ist nicht klein. Nek spricht ausschließlich Italienisch und lässt sich später hinreißen zu manch einem charmanten Monolog, dem der unkundige Musikfreund mit spitzem Ohr lediglich entnehmen kann, dass „cantare“, „la Canzone“ „la Poesia“ sehr wichtige Rollen spielen. Er ist aber nicht gekommen, um in beschaulichen Liedern zu schwelgen.
Er bringt die italienische Rockmusik nach Stuttgart, das wird klar, schon als sein Schlagzeuger den Abend mit vielen Trommelwirbeln eröffnet. Nek war 25 Jahre alt, als er „Laura non c’è“ sang, nun ist er, seit Januar schon, 54. Er trägt einen gut geschnittenen Anzug, ein zweireihiges Jackett, er spielt den E-Bass – ein schmales, futuristisches Instrument zuerst, dass er später dann gegen ein größeres eintauscht – er steht lässig, mit der Energie einer Sprungfeder, am Mikrofon, lehnt sich zurück, wenn er seine Stimme in den Saal hinaus schickt, tanzt. Sein großes Vorbild, das erfährt man im Netz, war von Anfang an Sting. Fast wäre man selbst darauf gekommen.
Und Nek tritt auf in minimaler Begleitung. Seine Bühne ist mit schwarzen Tüchern abgehängt. Auf ihr Schlagzeug, Nek und sein Gitarrist. Der steht, verwegen mit Cowboyhut, weit hinten, bedient auch ein Keyboard, mischt harte Riffs mit synthetischen Sounds. Dazu Nek schwerer, wuchtiger Bass. In wenigen Momenten wird der Sänger sanft und lyrisch, verlässt sich ganz auf seine Stimme. Zumeist feiert er, mit maximaler Euphorie, italienische Ohrwurmmelodien mit einem Power-Trio ab, schleudert mitreißende Refrains auf sein Publikum und grinst dabei glücklich.
Nek und die Ukulele
Das Zusammenspiel seiner Band zeigt eine Dramaturgie, die den Abend musikalisch gestaltet: Oft steht die Gitarre in den Vordergrund, nimmt sich das Schlagzeug bis auf wenige Akzente ganz zurück, schweigt auch der Bass – dann wieder, und im emotional rechtem Augenblick, kehren die beiden Instrumente zurück, heben den Druck beträchtlich an. Mit „Tu sei, tu sai“, einem Stück, in dem er von einem Mann erzählt, der seine schlafende Frau beobachtet und sich fragt, wovon sie träumt, beginnt Nek eine Folge von Liedern, bei denen er sich nur von einer Ukulele begleiten lässt, darunter auch „In te“ („In dir“), das Lied, mit dem der überzeugte Katholik sich 1993 gegen Abtreibungen positionierte.
Der Wechsel zurück zur bewährten Besetzung findet flüssig statt, inmitten eines Songs legt Neks Begleiter die Ukulele nieder, greift zur elektrischen Gitarre. Mit „Almeno stavola“ („Wenigstens manchmal“) begann der Abend. Hits wie „Lascia che io sia“ („Lass mich sein“, 2005), „Uno di questi giorni“ („Einer dieser Tage“) und „Unici“ („Einzigartig“, beide 2016) werden von Neks Fans bejubelt, mitgesungen. Und schließlich, fast zuletzt, kommt, mit dem dringlichen Puls des Schlagzeugs und der klirrenden Gitarre, „Laura non c’è“ – und der Hegelsaal tobt.