Eis gibt es 24/7 im Landkreis Ludwigsburg Fräulein Schmid und ihr Eis
Anna-Sophia Schmid aus Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) hat sich mit ihren Eiskreationen binnen kürzester Zeit einen Namen gemacht.
Anna-Sophia Schmid aus Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) hat sich mit ihren Eiskreationen binnen kürzester Zeit einen Namen gemacht.
Ihr Eis wird mittlerweile an mehr als 100 Stellen verkauft, ihre Eis-Lieferanten fahren in einem Umkreis von bis zu 60 Kilometern rund um den kleinen Hofladen auf den Feldern zwischen Kleinsachsenheim und Freudental. Fräulein Schmid hat sich in Sachen Eis einen Namen gemacht, auch wenn sie diesen Namen erst mal gar nicht cool fand.
Es war Ende 2020, als der elterliche Hofladen umgebaut wurde. Anna-Sophia Schmid, heute 32 Jahre alt, war in der Immobilienbranche tätig. Weil sie aber schon immer im Hofladen der Eltern ausgeholfen hatte, beschloss sie, dass sie dort langfristig mehr Freude hätte. Sie wollte das Ganze etwas größer aufziehen – dass es aber so groß werden würde, damit hatte sie nie gerechnet.
Für den Laden jedenfalls, in dem es vorher nur saisonal Erdbeeren und Spargel sowie selbst gemachte Marmelade gab, wollte Anna-Sophia Schmid eine eigene Hofmarke kreieren und weitere eigene Produkte anbieten. Als sie sich dabei Maschinen für die Marmeladenherstellung ansah, stieß sie auf eine Eismaschine – und war total begeistert. Sie, der Eisfan schlechthin, richtete sich eine eigene Eisküche ein und tüftelte an ihrem ersten Eisrezept, ein Mangosorbet.
Heute lacht Anna-Sophia Schmid über ihre erste Eisbecher-Bestellung. 1000 Stück waren es. Das klang damals viel für sie. „Sie haben nicht mal eine Woche gereicht.“ Wenn sie heute bestellt, geht es um deutlich größere Mengen. 45 Paletten kamen kürzlich. Die Scheune, wo früher Maschinen und Traktoren standen, ist inzwischen das Lager von Fräulein Schmid, wo auch die zwölf mal fünf Meter große Kühlung steht. Zum Vergleich: Anfangs hatte sie nur das Tiefkühlhaus in der Küche, zwei mal zwei Meter groß.
Anfang März 2021 war dann also das erste Eis fertig. Anna-Sophia Schmid hatte einen Eiskurs besucht und erarbeitete sich die Rezepturen. „Die Trockenzutaten, die Frucht, alles muss zusammenpassen, damit das Eis schmeckt und seine Cremigkeit hat“, erklärt sie. „Alles muss perfekt sein.“ Sie selbst ist ihr größter Kritiker. „Es kann nicht lecker genug schmecken.“
Es folgten weitere Sorten, mittlerweile mehr als 20 Stück. Darunter sind Klassiker wie Vanille, Stracciatella, Joghurt, Haselnuss oder Pistazie. Aber auch Käsekuchen, Joghurt-Himbeer oder Kokos-Ananas und Bananensplit gibt es, teilweise nach Saison. Natürlich gibt es auch Erdbeersorbet, immerhin hat die Familie eigene Erdbeeren. Um es ganzjährig anbieten zu können, werden jedes Jahr mehr als drei Tonnen Erdbeeren tiefgefroren und dann peu à peu verarbeitet.
Ihr Lieblingseis? Anna-Sophia Schmid muss nicht lange überlegen: Schokolade. Um das Eis so schokoladig und cremig hinzubekommen, wie es jetzt ist, „da habe ich echt lang herumgetüftelt“, berichtet sie. „Und da bin ich echt stolz drauf.“
Worauf Fräulein Schmid achtet, ist Qualität und Regionalität. Soweit möglich, stammen die Zutaten aus der direkten Umgebung, Himbeeren, Cassis, Erdbeeren sowieso. Den Joghurt fürs Eis macht sie selbst. „Ich will gute Zutaten verarbeiten“, sagt sie. Künstliche Aromen oder sonstige bedenkliche Zusätze kommen ihr nicht ins Eis.
Und auch nicht zu viel Luft: Während bei Industrieeis teils 50 bis 70 Prozent und damit weniger Eis drin ist, schlägt Anna-Sophia Schmid nur das Minimum an Luft in ihr Eis, nämlich 20 bis maximal 25 Prozent. „Also bei uns ist mehr drin, daher kann man die Preise auch nicht mit dem Eis der Industrie vergleichen“, sagt die Sachsenheimerin.
Der Erfolg gibt der jungen Unternehmerin recht. Ihr Eis ist inzwischen im ganzen Landkreis und darüber hinaus in zahlreichen Hofläden, Tante-M-Läden und an Automaten zu haben. Anfangs hatte Anna-Sophia Schmid selbst sechs Automaten gekauft. Eine große Investition, immerhin kostet einer um die 15 000 Euro netto. „Aber das rechnet sich sehr schnell“, sagt sie.
Inzwischen hat sie alle Automaten – bis auf die direkt am Hof – an andere Betreiber weiterverkauft. Ihr Eis ist darin immernoch zu haben, aber sie muss sich nicht mehr selbst darum kümmern. Ein Fahrer bringt das Eis zu den Wiederverkäufern. Auch Firmenevents oder Hochzeiten werden mit Eis beliefert.
Während Anna-Sophia Schmid anfangs fast alleine in der Eisküche stand, hat sie jetzt ein „super Team“ um sich. Die Rezepte bleiben zwar weiterhin die Sache der Chefin. Für alles andere, von der Herstellung bis zur Lagerung, hat sie aber Hilfe. Was zum einen aufgrund der schieren Menge an Eis nötig ist, zum anderen aber auch deswegen, weil vor zwei Monaten ihr Söhnchen Leo auf die Welt kam. „Da bin ich froh, dass die Mädels mich unterstützen.“
Schließlich geht es auch nicht nur um Eis. Zur Hofmarke Fräulein Schmid gehört mittlerweile auch einiges anderes Handgemachtes: verschiedene Marmeladen, Aufstriche, Kompotte, eingelegter Vesperspargel, Kürbissuppe, eingelegte Gurken, Zucchini süß-sauer, Tomatensauce, verschiedene Senfvariationen und mehr.
Auch der Hofladen selbst heißt Fräulein Schmid. Mit der Kreation eines passenden Namens hatte Anna-Sophia Schmid damals eine Werbefirma beauftragt. Es sollte ein einprägsamer Name für die eigene Hofmarke sein, so ihr Wunsch. Dann kam der Vorschlag. „Dieses ,Fräulein’ fand ich erst überhaupt nicht toll“, gesteht sie. Dann hat sie eine Nacht drüber geschlafen – und sich mit dem Namen angefreundet.
Die Anfänge
Der Hof besteht in zweiter Generation. 1977 bauten Martin und Christa Schmid in Kleinsachsenheim zum ersten Mal Erdbeeren zur Direktvermarktung an. Sie wurden aus einem Bauwagen am Feld heraus verkauft. Später gab es Verkaufsstände in Klein- und Großsachsenheim. 1987 zog der Hof auf die Felder am Heinzenberger Weg um.
Das Sortiment
Seit 2004 wird von der Familie Schmid auch weißer Spargel angebaut, grüner Spargel folgte 2014. Im gleichen Jahr wurde der neue Hofladen eröffnet, der jeweils zur Erdbeer- und Spargelsaison geöffnet hatte. 2020/2021 wurde erneut umgebaut und nun hat der Hofladen ganzjährig geöffnet, unter anderem mit den Produkten der eigenen Hofmarke „Fräulein Schmid“.