Eisbär-Tod in Stuttgarter Wilhelma "Können aus Zoo keinen Hochsicherheitstrakt machen"

Von SIR/dpa 

Rucksäcke, Jacken, Regenschirme: Solche Gegenstände landen - wie beim traurigen Tod von Eisbär Anton in der Wilhelma in Stuttgart - immer wieder in den Gehegen von Zootieren. Das kann für die Tiere lebensgefährlich werden. Fachleute appellieren an die Vernunft der Besucher.

Der grausame Tod von Eisbär Anton in der Stuttgarter Wilhelma wird nach Expertenmeinung wohl kein Einzelfall bleiben. Foto: dpa 10 Bilder
Der grausame Tod von Eisbär Anton in der Stuttgarter Wilhelma wird nach Expertenmeinung wohl kein Einzelfall bleiben. Foto: dpa

Rucksäcke, Jacken, Regenschirme: Solche Gegenstände landen - wie beim traurigen Tod von Eisbär Anton in der Wilhelma in Stuttgart - immer wieder in den Gehegen von Zootieren. Das kann für die Tiere lebensgefährlich werden. Fachleute appellieren an die Vernunft der Besucher.

Stuttgart/Weißwasser - Der grausame Tod von Eisbär Anton im Stuttgarter Zoo wird nach Expertenmeinung wohl kein Einzelfall bleiben. „Wir können aus dem Zoo keinen Hochsicherheitstrakt machen“, sagte der Präsident der Deutschen Tierparkgesellschaft, Gert Emmrich, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Der Eisbär in Stuttgart war in der Nacht zum Montag an einer Darmentzündung gestorben. Er hatte Rucksack- und Jackenfetzen sowie eine Puppe verschluckt.

Eisbär Anton hatte die vermutlich ins Gehege fallengelassenen Gegenstände bereits Anfang Januar verschlungen. „Wir wissen natürlich nicht, was gewesen wäre, wenn er die Dinge einzeln gefressen hätte. Aber vermutlich haben alle drei zusammen zur Darmentzündung geführt“, sagte ein Sprecher des Zoos Wilhelma am Mittwoch.

"Wir können nur an die Vernunft der Besucher appellieren"

„Es hätte in jedem Zoo passieren können“, sagte Emmrich. Obwohl es in vielen Zoos Hinweisschilder gebe, dass nichts in die Gehege geworfen werden dürfe, würden immer mal wieder Gegenstände darin landen - sei es beabsichtigt oder aus Versehen. „Wir können nur an die Vernunft der Besucher appellieren“, sagte Emmrich.

Der Stuttgarter Zoo will seine Sicherheitsmaßnahmen überprüfen. Es werde geschaut, ob zum Beispiel Absperrungen verstärkt werden müssten.

Am 11. Januar hatten Besucher einen Rucksack im Gehege der Eisbären entdeckt und die Tierpfleger alarmiert. Sie fanden einige Fetzen, sammelten die Teile ein und setzten sie soweit wie möglich zusammen. „Es gab damals für die Wilhelma-Mitarbeiter keine Anzeichen dafür, dass Anton etwas verschluckt haben könnte“, hieß es in einer Mitteilung. „Da das Eisbärmännchen sich in den folgenden Wochen nicht auffällig verhielt und normal fraß, schöpfte niemand Verdacht.“

Erst in der vergangenen Woche sei es dem Tier schlechter gegangen. Anton habe Teile einer Jacke und eines Rucksacks ausgespien. Auch aufgrund von Hinweisen gehe man nun davon aus, dass der Eisbär doch schon am 11. Januar die Stücke verschluckt hatte, sagte der Sprecher.

Am Tag nach der traurigen Nachricht erhielt der Zoo zahlreiche Trauerkarten und Anrufe, in denen Besucher ihr Mitgefühl zum Tod des Eisbären ausdrückten. Anton solle später präpariert und im Naturkundemuseum in Stuttgart ausgestellt werden, sagte der Sprecher und bestätigte damit Medienberichte. Ein Zeitpunkt stehe dafür aber noch nicht fest. Auch ob die Wilhelma, die an einem europäischen Zuchtprogramm für Eisbären teilnimmt, Ersatz für das Eisbärmännchen beschafft, ist nach Angaben des Sprechers noch unklar. Der Zoo hat derzeit nur noch die Eisbärendame Corinna.




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