Eisbahn in Gerlingen Scharfe Kufen und heißer Aperol
Seit dem Wochenende belebt sie wieder den Rathausplatz: Zum dritten Mal hat der der Stadtmarketingverein „Mein Gerlingen“ eine Eisbahn aufgebaut mit Budenzauber. Das lockte Alt und Jung an.
Seit dem Wochenende belebt sie wieder den Rathausplatz: Zum dritten Mal hat der der Stadtmarketingverein „Mein Gerlingen“ eine Eisbahn aufgebaut mit Budenzauber. Das lockte Alt und Jung an.
„Es ist eigentlich alles toll hier!“ Artem ist einer der Besucher der Eisbahn und beißt genussvoll in seinen Nutella-Crêpe, während er sich an der Bande der Eisbahn anlehnt. Eine Pause machen, bevor es wieder ins Getümmel geht! An diesem zweiten Adventwochenende ist was los. Seine Mutter, ohne Schlittschuhe auf der anderen Seite des Geländers, nickt. „Wir sind aus Weilimdorf und waren schon in den vergangenen Jahren immer hier, das ist wirklich eine super Idee.“ Zum dritten Mal betreibt der Stadtmarketingverein „Mein Gerlingen“ mitten in der Stadt eine Eisbahn auf dem Rathausplatz – nach 2019 und 2023, dazwischen war Pause aufgrund der Coronapandemie.
Schon als die Eisbahn erstmals zum Laufen über das gefrorene Nass einlud, war man sich bei den Ideengebern einig, dass dies eine Attraktion wird, die auch Besucher aus Nachbarstädten anlockt. Und spricht man mit Alt und Jung, die da auf der glatten Oberfläche zu poppiger Musik, etwa Madonna oder „Viva la Vita“ von Coldplay rennen, schlittern, lachen und auch mal die eine oder andere Pirouette drehen, dann ist das Kalkül aufgegangen.
Der 17-jährige Mike ist etwa eigens aus Renningen gekommen – und Laura aus Ditzingen. „Ist ja ums Eck“, sagt die 20-jährige Studentin schmunzelnd und betont: „Aber ich hätte auch einen längeren Weg in Kauf genommen.“ Freilich lassen auch Gerlinger und Gerlingerinnen die Kufen kratzen und knirschen, schwärmen von der Eröffnung am Freitag mit Oberbürgermeister Dirk Oestringer, bei der eine Nikolausshow auf dem Eis gezeigt wurde. Betriebsleiter Florian Eppinger, der täglich für Eis in bestem Zustand sorgt, stand da mit Jessica Pflaum auf den Schlittschuhen. Die beiden kreierten einst auf der Waldau etwas Besonderes: Hip Hop gemixt mit anderen zeitgenössischen Stilen. „Freestyle auf Eis“, schmunzelt er und freut sich, dass einiges los ist.
Er zeigt auf die ganz Kleinen in dicken Winteroveralls, die sich an roten Robben festhalten und diese tapfer voranschieben, bis sie sich ihrer Sache sicher sind. Der eine Opa oder die andere Oma lässt sich gar darauf schieben: Die lustigen Plastiktiere können auch als rutschende Sitze verwendet werden. Damit Menschen mit Handicap auch auf die Bahn können, gibt es eigens einen Eisgleiter – einen Rollstuhl mit Metallkufen.
Das frohe Treiben genießen zudem Katharina Schmitz und Nicolas Müller aus Gerlingen, allerdings erst einmal an den Stehtischen mit einem Heißgetränk. In dem Buden- und Zeltzauber drumherum kann man nicht nur Schlittschuhe ausleihen und Tickets lösen. Dort werden auch Glühwein ohne und mit Schuss, Punsch und Hot Aperol geboten, und freilich Alkoholfreies wie Wasser und Softdrinks. Von den eingangs erwähnten Crêpes, süß und salzig mit Käse, und allerlei Würstchen sowie vegane Käsespätzle mal ganz abgesehen. Drei Gastronomen aus Gerlingen sprächen sich ab, damit Passendes zu Weihnachtszeit kredenzt würde, heißt es bei „Mein Gerlingen.“
„Das Schöne ist, wie hier alle zusammenarbeiten: die Gerlinger Gastro, Metzger, Vereine und mehr“, sagt Katharina Schmitz. Die Mittzwanzigerin ist selbst Mitglied in einem der Vereine. „Letztlich geht es, gerade nach Corona und in diesen Zeiten, um Zusammenhalt“, unterstreicht die Messespezialistin. So sieht das auch Nicolas Müller. „Diese sportliche Arena belebt nicht nur den Rathausplatz, sondern die ganze Stadt. Ich hoffe, dass sich die Eisbahn verstetigt“, so der Fast-Dreißiger.
Damit das möglichst nachhaltig geschieht, hat der Marketingverein von Anfang an eine umweltverträgliche Anlage angemietet, nicht ganz neu und sehr viel energieeffizienter sei als andere Systeme. „Das Kühlmittel wird nach dem Abbau für den nächsten Einsatz aufbewahrt“, so Heike Bischoff, Vorsitzende von „Mein Gerlingen“. Der Strom wiederum stamme aus Wasserkraft und das Wasser werde nur für die Eisfläche gebraucht. Nötig sind 36 000 Liter, das entspräche dem Verbrauch in der Stadt innerhalb von 21 Minuten. Alles wie 2019 also, außer die Kosten, Aufbau und Betrieb lagen damals bei rund 45 000 Euro. „Wie alles, sind sie nun etwas gestiegen“, so Bischoff. Aber bei den vergangenen Malen sei viel hereingekommen, mit Ticketverkauf, Werbung, Gastrolizenzen und Firmenveranstaltungen. „Wie immer haben wir uns mit der Stadt im Vorfeld abgestimmt.“ So springe Gerlingen bei einem eventuellen Defizit in die Bresche. Bischoff: „Aber wenn es nicht regnet, dann dürfte das nicht nötig sein.“
Die Eisbahn ist noch bis 6. Januar 2025 geöffnet.