Eisenbahn nach Welzheim Waldbahn dampft übers sanierte Viadukt

Von Harald Beck 

Die Kosten für das Laufenmühle-Viadukt bleiben im Rahmen der veranschlagten 2,2 Millionen Euro. Die Waldbahnsaison ist gestartet, wegen Gleisarbeiten unten im Wieslauftal fallen aber wohl die Fahrten während der Sommerferien aus.

Mit einer neuartigen Injektionsmethode ist der Beton am Laufenmühle-Viadukt saniert worden. Foto: Gottfried Stoppel 12 Bilder
Mit einer neuartigen Injektionsmethode ist der Beton am Laufenmühle-Viadukt saniert worden. Foto: Gottfried Stoppel

Sanierung - Sie ist nicht nur vollendet, die Sanierung des Viadukts Laufenmühle: Die Kosten für die Frischzellenkur am gut hundert Jahre alten Beton-Baudenkmal an der Schwäbischen Waldbahn zwischen Rudersberg und Welzheim sind auch im angepeilten Rahmen von 2,2 Millionen Euro geblieben, berichtet Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr sichtlich erleichtert.

Denn die Sache mit dem maroden Beton am 160 Meter langen größten Viadukt auf der 1911 gebauten Strecke, hat denjenigen, die über die Waldbahngesellschaft auch finanziell fürs Touristikbähnle verantwortlich sind, doch einigermaßen schwer im Magen gelegen. Denn vor vier Jahren hieß es zunächst, die absolut notwendige Betonsanierung am Laufenmühle-Viadukt werde mehr als 3,5 Millionen Euro kosten.

Günstige Sanierungsmethode schont das Stadtsäckel

Ein neues Sanierungsverfahren mittels gezielten Injektionen von extrem feinem Zement in die kritischen Bereiche der Brückenbögen hat dann doch noch eine deutlich günstigere Sanierungsvariante ermöglicht. Und weil der Landkreis zusätzlich einen Zuschuss von 300 000 Euro zusagte, bleibt am Ende – wenn alles endgültig abgerechnet ist – nur noch ein Eigenanteil von gut einer Million Euro am Welzheimer Stadtsäckel hängen. Angesichts der touristischen Bedeutung der Bahn durch die spektakuläre Schlucht für die Stadt und den Welzheimer Wald eine absolut lohnende Investition, findet der Bürgermeister.

Interessanterweise habe sich auch die kostensenkende innovative Sanierungsmethode für das historische Bahnbauwerk für die dort aktive Baufirma als bauwirtschaftlicher Glücksfall erwiesen. Die hätten zwar einen massiven Aufwand treiben müssen, um diese Methode erstmals einsetzen zu können – „sie betrachten das Ganze aber längst auch für sich als eine Riesenchance“, sagt Bernlöhr. Bei der Laufenmühle sei so quasi Brückensanierungsgeschichte geschrieben worden. Und erleichtert sei man seitens Waldbahn und Stadt natürlich auch darüber, dass die Sanierung bei laufendem Fahrbetrieb und ohne größere Auswirkungen auf den Fahrplan der Tourismusbahn durchgezogen werden konnte.

Erst in einigen Jahren steht die nächste Viaduktsanierung an

Mit der Beendigung der Frischzellenkur für das größte der Viadukte an der 13 Kilometer langen Bergstrecke, sei man mit dem ersten kompletten Sanierungsdurchgang weitgehend durch und habe für die nächsten drei bis fünf Jahre diesbezüglich Ruhe , sagt Bernlöhr. Als nächstes stehe dann irgendwann wieder eine Sanierung der Stützen des Strümpfelbachviadukts an. Und was die Strecke selbst angehe, sei ja ohnehin regelmäßig der aus ehrenamtlichen Bahnstreckenaktivisten bestehende Kontroll- und Reparaturtrupp auf einer Draisine unterwegs. Dieser behebt die sonstigen kleine Schäden oder Probleme am Streckenverlauf sowie den zugehörigen – inzwischen ebenfalls gut hundert Jahre alten – Entwässerungsanlagen an den Hängen entlang der Schlucht.

Auf Eis liegen mit Bezug auf das frisch sanierte Viadukt Laufenmühle die Pläne, an den Betonpfeilern des Viaduktes eine Boulderwand für Freizeitkletterer zu bauen und damit den touristischen Anziehungspunkt bei Laufenmühle, Hölltal, Kesselgrotte und Erlebnispark Eins und Alles nochmals aufzuwerten. Da habe man schlicht keinen Anbieter gefunden, der sich die Anlage zu bauen traue, sagt Bernlöhr. Allerdings sei die zusätzliche Attraktion damit nicht endgültig beerdigt: Sobald rechtliche und sonstige offene Fragen geklärt seien, werde man die Attraktion vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft doch noch in Angriff nehmen können.