Eiserne Hochzeit in Rot Vom Tanzparkett zum Traualtar

Von Margret Rilling 

Alice und Egon Storz haben das Fest der eisernen Hochzeit gefeiert. Als sie sich kennen lernten. waren sie gerade einmal 17 Jahre alt. Am 18. Dezember 1948 läuteten dann die Hochzeitsglocken.

Bezirksvorsteher Gerhard Hanus gratulierte dem Jubelpaar, das seit 75 Jahren verheiratet ist und überbrachte Glückwünsche des Oberbürgermeisters. Foto: Margret Rilling
Bezirksvorsteher Gerhard Hanus gratulierte dem Jubelpaar, das seit 75 Jahren verheiratet ist und überbrachte Glückwünsche des Oberbürgermeisters. Foto: Margret Rilling

Rot - Ich tanze mit dir in den Himmel hinein, in den siebten Himmel der Liebe . . .“: An den ersten gemeinsamen Tanz, einen langsamen Walzer aus einem Film mit Lilian Harvey und Willy Fritsch, erinnert sich das Ehepaar Alice und Egon Storz noch genau. Das war 1946 in Schwäbisch Hall, die beiden waren gerade 17 Jahre alt. Am 18. Dezember 1948 läuteten dann die Hochzeitsglocken in der Kirche St. Joseph in Schwäbisch Hall. Alice Storz, geborene Maier, brauchte die Einwilligung des Vaters für die Eheschließung. Als Kaufmann war der ebenfalls 19-jährige Bräutigam bereits aus beruflichen Gründen für volljährig erklärt worden, um Rechtsgeschäfte für seine Firma vornehmen zu können.

Das Hochzeitskleid war geliehen

„Jung gefreit hat nie gereut“ – dieser Satz trifft auf das Ehepaar Alice und Egon Storz zu. Am Wochenende feiern sie im Kreis ihrer Familie das Fest der eisernen Hochzeit. Am Mittwoch hatte ihnen Bezirksvorsteher Gerhard Hanus in ihrem Haus in Rot zur eisernen Hochzeit gratuliert und die Glückwünsche von Oberbürgermeister Fritz Kuhn übermittelt.

Das Ehepaar hat vier Kinder: die Töchter Gabriele und Angelika und die Söhne Matthias und Thomas. Zur Familie gehören auch vier Enkel und drei Urenkel. Am Tag ihrer eisernen Hochzeit berichten Alice und Storz vom Jahr 1948, in dem es noch Lebensmittelkarten gab und überall Mangel herrschte. Das Hochzeitskleid lieh sich die junge Braut aus, nur den Schleier hatte sie von ihrer Mutter geschenkt bekommen. Für das Hochzeitsessen waren die beiden lange unterwegs: Es galt Mehl bei den Mühlen rund um Schwäbisch Hall zu beschaffen. „50 Pfund kamen schließlich für Spätzle und Kuchen zusammen“, erzählt Egon Storz. Fast wäre die Hochzeitsfeier verschoben worden. Denn der sportliche 19-Jährige hatte vorher einen Boxkampf nicht ganz unbeschadet überstanden. Die rechte Braue war gerissen und die Braut so richtig schockiert: „So können wir doch nicht vor den Altar treten.“ Doch der Hausarzt nähte die Braue so geschickt, so dass die junge Braut keine weiteren Einwände gegen den Hochzeitstermin hatte. Ein Bild zeigt das junge Paar, der Fotograf hatte dabei den Bräutigam so platziert, dass die Verletzung nicht zu sehen ist.

Rat zu Kompromissbereitschaft und Verständnis

Im Jahre 1956 zogen Alice und Egon Storz mit ihren vier Kindern von Schwäbisch Hall nach Stuttgart, wo Egon Storz Beamter bei der Wehrbereichsverwaltung war, zuletzt bis zur Pensionierung als Regierungsoberamtsrat. Alice Storz blieb Hausfrau: „Unsere Kinder sollten keine Schlüsselkinder sein“, sagt Egon Storz. „Für uns war von jeher die Familie das Wichtigste“, fügt Alice Storz hinzu. Was alle Gratulanten imponierte: Das Ehepaar hatte bereits mit 27 Jahren vier Kinder.

Die Jubilarin ist Klavierspielerin und Hobbygärtnerin. Für Freizeitbeschäftigungen blieb Egon Storz durch eine Fülle von Ehrenämtern wenig Zeit: Er war unter anderem Vorsitzender des Personalrates bei der Wehrbereichsverwaltung V, ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgerichtshof und Vorsitzender des Sozialwerkes der Bundeswehr, für das er als Ehrenvorsitzender heute noch tätig ist. Unter anderem wurde er für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Für eine gleichfalls gute Partnerschaft raten Alice und Egon Storz zu Kompromissbereitschaft und Verständnis füreinander: „Man darf nicht, wie es heute leider oft üblich ist, bei einem Streit oder Problem gleich auseinander gehen.“ Wichtig sei es, miteinander zu reden.

Sonderthemen