Eishockey bei Olympia 2022 Darum gewinnt Deutschland gegen Kanada
Das deutsche Eishockey-Team ist seit Pyeongchang noch besser geworden und startet sogar als Favorit gegen Kanada ins Olympia-Turnier.
Das deutsche Eishockey-Team ist seit Pyeongchang noch besser geworden und startet sogar als Favorit gegen Kanada ins Olympia-Turnier.
Yanqing - Der Star ist das Team. Oder besser: der Teamgeist. So hatten das die deutschen Eishockey-Nationalspieler bei den Winterspielen 2018 immer umrissen, wenn sie nach der wichtigsten Grundlage für den Erfolgsweg in Pyeongchang gefragt worden waren. Damals holten die Cracks Silber und schrammten an Gold knapp vorbei. Vier Jahre sind vergangen, in denen nicht nur im Eishockey einiges passiert ist, von Corona ganz zu schweigen – aber auf die Frage, was der größte Trumpf im Turnier 2022 in China für das Team Germany sein werde, antwortet Marcel Noebels: „Die Mannschaft. Wir sind ein gefestigtes Team, das seit einigen Jahren zusammenspielt. Wir kennen uns und wissen, was der Bundestrainer von uns will.“ Um die Worte mit Zahlen zu belegen: 21 Cracks aus dem 25-Mann-Kaders fuhren schon bei der WM 2021 im DEB-Trikot aufs Eis, und dort landete die Auswahl auf Platz vier. Erfolg schweißt zusammen, und Zusammenhalt führt zu Erfolg.
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Der Stürmer der Eisbären Berlin ist einer von zehn verbliebenen Silberfischchen aus Korea, natürlich erinnert er sich gerne an die glorreichen Tage in Gangneung, doch der 29-Jährige ist Profi genug, um zu wissen, dass „der Blick zurück im Sport zwar schön sein mag, einen aber nicht weiterbringt“. 2022 ist nicht 2018, damals war das deutsche Team zwar kein Niemand, aber keinesfalls zählten die Experten die Truppe des damaligen Bundestrainers Marco Sturm zu den Kandidaten auf den Olympiasieg. In Peking wird das anders sein, gerade auch deshalb, weil die Vorzeichen fast identisch sind, da jetzt wie einst die Stars aus der nordamerikanischen NHL nicht mit von der Partie sind. Entsprechend hatten die Männer um Kapitän Moritz Müller mit der Ausrüstung auch ganz andere Gedanken im Gepäck. „Damals sind wir nach Südkorea geflogen und sagten: Schauen wir mal, was rauskommt“, erzählt Noebels, „nun sind wir nach Peking gekommen, um zu gewinnen und im Finale zu stehen.“ Soll heißen: Ein Souvenir aus China soll mit im Koffer beim Heimflug stecken, eines in Medaillenform.
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Die erste Pflichtaufgabe wartet mit der kanadischen Mannschaft an diesem Donnerstag (14.10 Uhr/ZDF) im Beijing National Indoor Stadium, die weiteren Gruppengegner sind die USA und die bunt zusammengewürfelte Patchwork-Equipe von Gastgeber China. Und auch wenn Noebels sagt, „wir müssen uns vor keinem verstecken“, so weiß er, dass die Gegner nicht in Ehrfurcht erstarren, nur weil der Deutsche Eishockey Bund (DEB) in der Weltrangliste auf Nummer fünf geführt wird. Die sportlichen Qualitäten können im Training und in Theoriestunden vom Trainerteam um Chefcoach Toni Söderholm geschliffen werden, der nötige Teamgeist aber, der kann nicht verordnet werden. Der muss sich entwickeln. Eine und nicht unwichtige Maßnahmen haben die Nationalspieler bereits umgesetzt. Olympia-Debütant Marco Nowak von der Düsseldorfer EG wurde zum Kabinen-DJ ernannt, er übernimmt den Job von David Wolf, der in Korea die Stimmung angeheizt hatte.
Die Whatsapp-Gruppe „Mission Gold“ wurde umbenannt, wie Noebels verriet, und mit einem etwas sperrigen Titel versehen: „Olympia 2022, aber mit ganz vielen Goldmedaillen drin“. Unverändert bleibt das bewährte Erfolgsmotto von 2018, die Worte „Glaube, Wille, Leidenschaft“ hängen in der deutschen Kabine. Damit sie keiner vergisst.
Marcel Noebels ist einer der Führungsspieler, die diese großen Worte mit Leben füllen sollen, die vorangehen und die jungen Spieler motivieren und mitreißen sollen. Der gebürtige Krefelder ist dabei eher für den Part auf der Eisfläche zuständig, da er von sich behauptet – da er „nicht unbedingt derjenige ist, der ständig das Wort ergreift“ –, er werde lieber mit „der Leistung auf dem Eis ein Vorbild sein – ich werde Tore schießen, Vorlagen geben und auch in der eigenen Zone hart arbeiten“. Für die Ansprache und die klaren Worte ist Kapitän Müller zuständig – so bringt sich jeder nach seinem Naturell ein. Teamgeist eben.
Dass nicht mehr Marco Sturm als Bundestrainer hinter der Bande steht und die Mannschaft in seiner ruhigen Art führt, sollte kein Nachteil sein. Findet zumindest Christian Ehrhoff, der ebenfalls eine Silbermedaille besitzt, aber mit 39 Jahren nicht mehr seine Knochen hinhalten will. „Söderholm hat an das angeknüpft, was Sturm aufgebaut hatte und das deutsche Eishockey weiterentwickelt, weiter nach vorne geführt“, sagt der Eurosport-Experte, „das sind alles sehr positive Entwicklungen, wie auch die letzten internationalen Ergebnisse bestätigen.“
Marcel Noebels hätte noch Platz zu Hause für eine weitere Medaille, er weiß, dass ein guter Start wichtig ist, um als Mannschaft mental gleich im Turnier zu sein. Auch wenn die Deutschen vor vier Jahren mit einem 2:5 gegen Finnland starteten, dem ein 0:1 gegen Schweden folgte – erst danach begann das Wintermärchen. In Peking könnte es gerne auch schon früher beginnen und am besten mit einem Erfolgserlebnis enden.
Das Olympische Eishockey-Turnier
Gruppen
Es wird in drei Vorrunden-Gruppen gespielt. Gruppe A: Kanada, USA, Deutschland, China. Gruppe B: Russland, Tschechien, Schweiz, Dänemark. Gruppe C: Finnland, Schweden, Slowakei, Lettland.
Spiele
Die deutsche Mannschaft trifft auf Kanada (Donnerstag, 14.10 Uhr/ZDF), China (Samstag 9.40 Uhr/ZDF) und die USA (Sonntag 14.10 Uhr/ARD).
Modus
Die Gruppenersten sowie der beste Zweite qualifizieren sich fürs Viertelfinale. Die übrigen acht Teams werden nach Punkten und Toren in eine Rangliste gebracht, in den K.-o.-Spielen trifft der Erste auf den Letzten, der Zweite auf den Vorletzten und so weiter. Die Sieger ziehen ins Viertelfinale (15./16. Februar) ein. Halbfinals finden am 18. Februar statt. Spiel um Platz drei am 19. Februar, das Finale am 20. Februar.