Eishockey-Oberliga Personell verzockt? Weihnachtsfrust bei den Rebels nach der nächsten Niederlage

Der Trainer Jan Melichar hat mit seiner Aufstellung überrascht – und sich dabei diesmal verzockt? Foto: Archiv/Günter Bergmann

Nachdem es intern gescheppert hat, zeigen die Stuttgarter sich verbessert, verlieren aber auch gegen Höchstadt. Warum beim 4:6 die Leistungsträger Vieregge und Schingoethe fehlen.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Drittes Spiel innerhalb von fünf Tagen, dritte Niederlage, und das in allen drei Fällen gegen direkte Konkurrenten im Kampf um die Teilnahme an den Pre-Play-offs. Nach dem 4:6 am Dienstagabend zuhause auch gegen die Höchstadt Alligators ist beim Eishockey-Oberligisten Stuttgart Rebels die Weihnachtsstimmung im Keller. „Sehr schmerzhaft. Sehr enttäuschend. Wir haben in den letzten Begegnungen eine Tendenz, die wir jetzt dringend stoppen müssen“, sagt der Geschäftsführer Roland Schmid. Die Frage ist: wie? Und als Zusatzfrage stellt sich: Hat sich der Trainer Jan Melichar in der aktuellen Partie personell verzockt?

 

Unter den rund 800 Zuschauern auf der Waldau dürften jedenfalls nicht wenige verwundert auf die Aufstellung geblickt haben. In jener wartete Melichar mit zwei Überraschungen auf: Der Keeper Nick Vieregge und der Torjäger Wyatt Schingoethe fehlten. Bei Vieregge eine Entscheidung aus Gründen der Belastungssteuerung. Er sollte im aktuellen Stressprogramm eine Verschnaufpause erhalten. Da zudem Kimi Safran wegen Verpflichtungen bei seinem Stammclub in Mannheim nicht zur Verfügung stand, kam zwischen den Pfosten der gerade mal 17-jährige Mika Hennig zu seinem Stuttgart-Debüt – auch er ein Förderlizenzspieler von den Jungadlern Mannheim. Dessen Auftritt dauerte dann allerdings nur 17 Minuten. Dann, nach drei gegnerischen Torschüssen, die zum Rebels-0:3-Rückstand allesamt drin waren, beendete Melichar das Experiment. Raphael Rödel, eigentlicher dritter Torhüter des Kaders, durfte von diesem Zeitpunkt an ran.

Und Schingoethe? Auf den Mann, der seit seinem Oktober-Einstieg im Verein in 15 Einsätzen 26 Scorerpunkte gesammelt hat, verzichtete der Coach im Rahmen der Ausländerregelung. Stattdessen erhielt Matt Pistilli einen der Kontingentplätze, um eine kurzfristig entstandene Abwehrbaustelle zu beheben. Hintergrund: Der eigentlich in der Verteidigung gesetzte David Kirchhoff brummte eine Matchstrafe ab – die Quittung für eine Rauferei aus dem vorangegangen Spiel in Passau (2:6).

Klar, hinterher ist man immer schlauer. Aber wäre es mit Vieregge und Schingoethe anders gelaufen? „Hypothetisch. Eine müßige Diskussion“, findet Schmid, der sich in Trainerentscheidungen „generell nicht einmischen“ will. Mit Blick auf ihr Greenhorn im Tor waren er und Melichar sich einig: „Keinerlei Vorwürfe an den Jungen.“ Im Angriff dagegen schien ein Hadern durchaus angebracht. Ein mächtiges Rebels-Plus von 48:22 Torschüssen wies die Statistik am Ende aus. „Und dennoch kriegen wir nichts“, stöhnte Melichar. Die Punkte nahm trotzdem der Gegner mit. Die Knipser-Qualitäten eines Schingoethe hätten offenkundig gut getan.

So schnupperten die Degerlocher nach Treffern von Daniel Pronin, Jannik Herm und zweimal Jayden Lammel zwar noch auf 2:3 respektive 3:4 und 4:5 heran, der Turnaround gelang aber nicht mehr. Eine deutliche Leistungssteigerung nach dem halblebigen Passau-Auftritt, in dessen Folge es intern gescheppert hatte, ja. Bezüglich des erhofften Erfolgserlebnisses galt jedoch: erneut nein. Und so hat die Mannschaft in den vergangenen Tagen nach Schmids Einschätzung „eine große Chance liegen gelassen“. Durchaus möglich gewesen wäre es sogar, an Tabellenplatz sechs heranzurücken und damit die direkte Play-off-Qualifikation ins Visier zu nehmen. Nun aber verharren Melichar und die Seinen auf Rang zehn – dies mit nur noch einem Zähler Abstand zur imaginären Linie, die zwischen den Pre-Play-off-Plätzen und der Abstiegskandidatenzone verläuft.

Neun Spiele in 19 Tagen

Heißt: Der Lieferdruck wird größer. Dass es dabei im Terminkalender gerade mehr denn je Schlag auf Schlag geht, hält Schmid für Fluch und Segen zugleich. Insgesamt befinden sich die Rebels auf einer Strecke mit sage und schreibe neun Spielen innerhalb von nur 19 Tagen – ein Hardcorepensum vom 19. Dezember bis zum 6. Januar. Nächster Auftritt ist schon am Freitag in Bayreuth, ehe am Sonntag (17.30 Uhr) in der heimischen Eiswelt das Derby gegen die Heilbronner Falken folgt.

Einerseits ist es mit dieser Taktung „eine enorme Belastung für alle, sowohl physisch als auch mental“, sagt Schmid. Andererseits auch „ein Gutes“ aus seiner Sicht: „So kann man Dinge schnell wieder wettmachen.“ Wenn auch nicht mehr die vorweihnachtliche Stimmung. Die ist zumindest aus sportlicher Warte für heuer unreparierbar hinüber.

Statistik zum Spiel

Tore
0:1 Gron (1.), 0:2 Eriksson (6.), 0:3 Zap (17.), 1:3 Pronin (27.), 2:3 Herm (46.), 2:4 Guft-Sokolov (47.), 3:4 Lammel (48.), 3:5 Seewald (51.), 4:5 Lammel (55.), 4:6 Guft-Sokolov (58.)

Zeitstrafen
Stuttgart vier Minuten / Höchstadt sechs Minuten

Zuschauer
801

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