Eishockey-Oberliga: Stuttgart Rebels „Die Rebels sind meine Herzensangelegenheit“

Der neue Geschäftsführer der Rebels, Roland Schmid, sitzt in der Spieler-Kabine. Foto:  

Roland Schmid ist der neue Geschäftsführer der Stuttgart Rebels Spielbetriebs GmbH. Der Marketingexperte ist vom Eishockey-Standort Stuttgart überzeugt und hat Ideen, um den Sport auf der Waldau noch zukunftssicherer zu machen.

Seit gut vier Wochen ist Roland Schmid der neue Geschäftsführer der Stuttgart Rebels Spielbetriebs GmbH. Der 53-jährige studierte Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Marketing sowie Unternehmensführung und Inhaber einer Werbeagentur will „das Stuttgarter Eishockey weiter festigen und die Strukturen professionalisieren“, sagte der Stuttgarter und dreifache Familienvater im Gespräch.

 

Herr Schmid, woher kommt Ihr Bezug zum Stuttgarter Eishockey?

Oh, das reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Mein Schulfreund Aurel Irion, der heutige Manager des deutschen Volleyballmeister MTV Allianz Stuttgart, sagte damals, Mensch, du musst unbedingt mal auf die Waldau mitkommen, da geht mächtig die Post ab. Es war die Zeit, als die beiden Kanadier Dave Morrison und John Samanski den damaligen EV Stuttgart mit ihren Toren in die zweite Liga schossen und Woche für Woche für tolle Stimmung und eine volle Hütte sorgten. Seitdem hat mich das Eishockey-Fieber nicht mehr losgelassen. Seit mehr als 30 Jahren stehe ich immer auf Höhe der ersten Blauen Linie und daran wird sich hoffentlich künftig auch nichts ändern. Zudem spielt mein jüngster Sohn mittlerweile bei der U9 bis U11 der Young Rebels.

Trotz all der Begeisterung übernimmt man doch nicht gleich einen hauptamtlichen Posten bei den Rebels.

Doch, genau aus purer Leidenschaft heraus. Die Rebels sind für mich eine Herzensangelegenheit. GmbH und Verein sind für mich untrennbar eins. Wir alle sind Rebels. Ich habe mich bereits nach der Pleite des EV Stuttgart engagiert und die Macher des SEC als Helfer unterstützt. Jedoch wurden leider danach wieder die gleichen Fehler wie zuvor gemacht und Profi-Eishockey scheiterte erneut in Stuttgart. Nun möchte ich mithelfen, dass hier etwas Dauerhaftes aufgebaut wird. Profi-Eishockey gehört einfach in eine Stadt wie Stuttgart. Ich tue dies vorerst in Teilzeit, weil wir auch hier die erforderlichen Strukturen erst Schritt für Schritt aufbauen können. Mein Stundendeputat überziehe ich derzeit massiv. Aber, wie gesagt, die Rebels sind meine Leidenschaft, da arbeite ich gern über das Abgemachte hinaus.

Sie haben die Nachfolge von Jannis Ersel angetreten. Warum sind Sie der richtige Mann, um Kontinuität auf die Waldau zu bringen?

Durch viele Gespräche mit Jannis ist erst die Idee entstanden, bei den Rebels einzusteigen. Er hat hervorragende Arbeit geleistet, mir in vielen Teilen schon den Weg geebnet und unterstützt mich auch weiterhin. Darüber hinaus kenne ich mich im Sportsponsoring aus – und habe unter anderem große Etats zum Beispiel in der Basketball-Bundesliga betreut. Zudem habe ich einige Ideen, um das Ganze in Degerloch dauerhaft auf gesunde, finanzielle Beine zu stellen.

Wie sieht Ihr Plan – auch sportlich – aus, um die angesprochene Dauerhaftigkeit umzusetzen und nicht wieder die nächste Pleite eines Stuttgarter Eishockeyvereins zu erleben?

Der Etablierungsprozess dauert aus meiner Sicht so um die vier Jahre. In dieser Zeit sollte auch die personelle Seite immer mehr Richtung Hauptamtlichkeit gehen. Aktuell haben wir sehr viele motivierte ehrenamtliche Helfer, die einen super Job machen – hier ist vor allem Kristina Pilz zu nennen, die neben PR, Social Media und Marketing zudem noch unfassbar gut networked und auch im Stammverein Großes leistet. Mit mehr personellen Ressourcen können wir auch mehr erreichen und den Bekanntheitsgrad steigern. Es ist nämlich in vielen Teilen der Stuttgarter Bevölkerung noch nicht angekommen, dass es hier wieder attraktives Eishockey gibt. Was das Sportliche anbelangt, so sollte das Team in der kommenden Runde in die Pre-Playoffs kommen, wovon ich überzeugt bin und sich dann immer mehr in der oberen Hälfte der Liga festsetzen. Was aber nicht bedeutet, dass wir an die DEL 2 denken. Wir wissen, wo wir herkommen, und bleiben demütig.

Sie haben die Mannschaft angesprochen. Diese scheint im Vergleich zum Vorjahr, als man abgeschlagener Letzter wurde, qualitativ um einiges besser zu sein. In Jahr eins im Profi-Eishockey war von einem Etat von 250 000 Euro die Rede, nun soll er zweieinhalb Mal so hoch sein.

Ja, das stimmt. Die Mannschaft ist besser aufgestellt und dementsprechend teurer, zumal wir eher weniger Förderlizenzspieler, die bei anderen Vereinen unter Vertrag sind, zum Einsatz bringen werden.

Habt Ihr die besagte Summe, also um die 625 000 Euro, schon beisammen?

Noch nicht ganz, aber wir werden das in den kommenden Wochen tun.

Wie gelingt das?

Der Etat setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Einerseits aus den Zuschauereinnahmen. Im Vorjahr kamen trotz des Negativlaufs rund 750 Zuschauer pro Spiel auf die Waldau, weil sie gesehen haben, dass das Team in seinen Möglichkeiten alles gegeben hat. Durch ein erfolgreicheres Team werden sicherlich noch mehr Leute kommen. Aber auch bauliche Veränderungen sorgen für mehr Zuwachs. So ist in der ehemaligen Gaststätte nun ein VIP-Raum, der seinen Namen auch verdient, und von dem aus man nun über eine Tür direkt zu den Sitzplätzen gelangt. Wir rechnen mit 1000 Zuschauern pro Spiel, wobei der Dauerkartenverkauf am 31. August beginnt. Auch ist es bereits gelungen, sozusagen den ganzen Spieler zu verkaufen, also Trikot, Helm und Hose mit Sponsoren zu bestücken. Im Sponsorenbereich haben wir rund 250 000 Euro Einnahmen, arbeiten aber noch daran, die so genannte unter Eis Werbung, also die Flächen, die dauerhaft auf dem Eis zu sehen sein werden, zu verkaufen. Die Zeit drängt, schließlich wird das Eis Mitte August gemacht. Außerdem kommen über den Streamingdienst Sprade-TV rund 30 000 Euro rein. Der Rest wird durch private Zuwendungen vollends gedeckt. Auf längere Sicht soll letzterer Punkt nicht mehr in die Kalkulation mit einfließen, sondern eben über zusätzliche Sponsoreneinnahmen abgedeckt werden.

Wo sehen Sie zukünftige Potenziale, die Rebels noch interessanter für Sponsoren zu machen?

Im Bereich Hospitality und bei der Bandenwerbung. Hier liegt noch großes Potenzial, das meiner Meinung nach noch nicht richtig vermarktet wurde. Die Werbeflächen sind ja nicht nur bei den Rebels-Spielen präsent, sondern auch beim Publikumslauf. Und immerhin kommen hier zusätzlich jährlich rund 140 000 Schlittschuhläufer in die Eiswelt – ein starkes Argument gegenüber möglichen Geldgebern.

Sie haben bauliche Veränderung angesprochen. Die Eishalle gehört der Stadt und die Verbindung zum Rathaus waren nicht immer die besten. Wie ist mittlerweile die Zusammenarbeit?

Die hat sich stark verbessert, und wir sind wirklich sehr dankbar, wie die Stadt uns in vielen Punkten unterstützt. So bringen uns nicht nur die angesprochenen Veränderungen im VIP-Bereich weiter, auch partizipieren wir am Catering während der Spiele mehr als in der Vergangenheit. Klar würden wir diesen Bereich gerne komplett in Eigenregie abwickeln. Aufgrund von Verträgen mit einem Caterer ist das nicht möglich. Auch wenn viele Rahmenbedingungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ideal sein können, blicken wir zuversichtlich nach vorne und freuen uns selbstbewusst auf die kommende Saison.

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