Eishockey-Oberliga: Stuttgart Rebels Rebels-Jubel mit nur zweieinhalb Reihen
Der Stuttgarter Eishockey-Oberligist gewinnt mit nur 13 Spielern beim EV Füssen. Möglicherweise bestreiten drei Akteure keine Partie mehr für die Degerlocher.
Der Stuttgarter Eishockey-Oberligist gewinnt mit nur 13 Spielern beim EV Füssen. Möglicherweise bestreiten drei Akteure keine Partie mehr für die Degerlocher.
Die personellen Voraussetzungen ließen nichts Gutes erahnen, die sechste Niederlage in Serie deutete sich für das Schlusslicht der Eishockey-Oberliga am Sonntagabend vor dem Gastspiel beim EV Füssen an. Doch nach den 60 Minuten war alles ganz anders. Die Stuttgart Rebels siegten nach tollem Kampf beim 16-fachen Deutschen Meister mit 4:3 (1:1, 2:0, 1:2).
Der Bus war ziemlich leer, als die Spieler samt Verantwortlichen der Rebels ihn betraten und es nach Bayern ging. Kurioserweise schickte das Busunternehmen einen Doppeldecker. „Dieses konnte ja nicht erahnen, dass uns nur 13 Spieler zur Verfügung standen“, sagt der Rebels-Geschäftsführer Roland Schmid schmunzelnd. Das Mangelpersonal kam unter anderem durch den Ausfall von Mathieu Tousignant (Kopfverletzung nach üblem Check aus dem Freitagspiel) und dem Fehlen von Sofiene Bräuner, Moritz Müller und Michael Brunner zustande. Die drei Letztgenannten waren, wie auch schon gegen Peiting, aus persönlichen Gründen, wie der Verein verlauten ließ, nicht dabei. Es bleibt abzuwarten, ob sie in den letzten sechs Saisonspielen überhaupt noch für die Rebels aufs Eis zurückkehren werden.
Die kleine Reisegruppe aus Stuttgart – acht Stürmer und fünf Verteidiger, also zweieinhalb Reihen – zeigten auf dem Eis des Stadions am Kobelhang einen großen Kampfgeist. Oder wie es Füssens Ex-Nationallspieler und Coach Georg Holzmann bei der Pressekonferenz treffend ausdrückte: „kleines Team, großes Herz.“
Auch Rebels-Coach Jan Melichar, sonst mit Worten geizend, sprudelte förmlich ob des beherzten und engagierten Auftritts seines Teams. „Wir haben endlich gespielt wie eine Mannschaft. Jeder Spieler hat für den anderen gekämpft und sich in der Abwehr in jeden Schuss geworfen und versucht, diesen zu blocken“, so der Rebels Coach.
Um Kräfte zu sparen, verzichtete Melichar auf seinen sonstigen Spielstil mit permanentem Forechecking. Die Herangehensweise war deutlich defensiver als gewohnt. Mit Erfolg – und dies, obwohl es einige Rückschläge zu verkraften gab. Nach der frühen Stuttgarter Führung durch Michael Fink gelang Marc Besl nämlich der Ausgleich – ein Tor mit erheblichem Diskussionspotenzial. Denn in dem Moment, als der nach seiner Sperre wieder im Tor stehende, insgesamt gute Keanu Salmik den Puck abprallen ließ, ertönte ein Pfiff des Unparteiischen. Erst danach bugsierte der Füssener den Puck über die Torlinie. Grundsätzlich sei der Pfiff des Schiedsrichters zwar falsch gewesen, „aber da er ihn getätigt hatte, bevor der Puck im Netz lag, war das Tor irregulär“, so Schmid. Alle Proteste halfen nichts, das 1:1 nach dem ersten Drittel hatte Bestand. Doch die kleine Stuttgarter Belegschaft hakte den Fehler des Unparteiischen schnell ab und führte nach dem zweiten Drittel durch Tore von Nico Geidl und Janik Herm mit 3:1. Eine Führung, die die Rebels in dieser Runde schon häufiger wieder abgaben. Auch dieses Mal. Nach einem Doppelschlag von Bence Farkas stand acht Minuten vor dem Ende ein 3:3 auf der Anzeigetafel. Bei den Stuttgartern schwanden zwar immer mehr die Kräfte, doch das Team präsentierte sich als Einheit und wurde belohnt. 50 Sekunden vor Schluss erzielte der starke Herm nicht nur seinen zweiten Tagestreffer, sondern auch das Tor zum 4:3-Sieg.
Die „wilden 13“ kehrten also erfolgreich, aber müde im geräumigen Doppeldecker am Sonntag nach Degerloch zurück. Nun bleibt fast eine Woche Zeit, um die Wehwehchen auszukurieren. Am Freitag sind die Rebels spielfrei, am Sonntag geht es dann weiter gegen den Drittletzten Bayreuth. Dann sollen wieder mehr als 13 Spieler in den Bus steigen.
Tore: 0:1 Fink (2:32), 1:1 Besl (6:16), 1:2 Geidl (10:14/Überzahl), 1:3 Herm (37:32/Überzahl), 2:3 Farkas (45:38), 3:3 Farkas (52:01), 3:4 Herm (59:10).
Strafzeiten: EV Füssen 10 Minuten/Stuttgart 16 Minuten.
Zuschauer: 824