Eishockey-Regionalliga – Finalserie „Zur Meisterfeier komm’ ich gerne“

Die Stuttgarter Eishockey-Legende Vaclav „Venci“ Niesner überreichte Sebastian Meindl, dem damaligen Kapitän der Stuttgart Rebels, nach der Saison 2009/10 den Meisterschaftspokal. Foto: Günter Bergmann

Der ehemalige Kapitän der Rebels, Sebastian Meindl, erinnert sich an seine beiden Regionalliga-Meisterschaften mit dem Stuttgarter Team. Er glaubt vor dem zweiten Finalspiel an diesem Freitag, 20 Uhr, in Degerloch gegen Zweibrücken fest an den diesjährigen Titelgewinn.

Die Eishockeyspieler der Stuttgart Rebels samt Fans oben auf der Waldau hegen seit Längerem einen gemeinsamen Wunsch: raus aus der Regionalliga. Seit mehr als 15 Jahren parkt das Stuttgarter Eishockey auf diesem Spielklassenterrain. Grundvoraussetzung zum möglichen Sprung in die Oberliga ist aber der Titelgewinn in der Regionalliga Südwest. In der Best-of-Five-Finalserie gegen die Zweibrücken Hornets liegen die Stuttgarter aktuell 0:1 hinten. Spiel zwei findet an diesem Freitag (20 Uhr) auf der Waldau statt, Spiel drei an diesem Sonntag (19 Uhr) in Zweibrücken.

 

Sebastian Meindl wird aus beruflichen Gründen das heutige Heimspiel verpassen, drückt aber den Stuttgartern fest die Daumen. Der ehemalige Verteidiger und Kapitän der Rebels hat seinen Nachfolgern etwas voraus: Er weiß, wie Regionalliga-Meisterschaft geht.

Ein überraschender und ein geplanter Titelgewinn

Nach der erfolgreichen Saison 2009/2010 überreichte die Stuttgarter Eishockey-Legende Vaclav „Venci“ Niesner dem damaligen Kapitän Meindl den Pokal – die Belohnung für den Meisterschaftsgewinn. „Boah, da passte viel Bier rein, die Vase wurde an diesem Abend häufig gefüllt“, erinnert sich der heute 36-jährige Meindl und lacht.

Sehr gut hat er diesen ersten Titelgewinn im Gedächtnis, der ganz besonders gewesen sei. Für die Rebels war es Saison eins nach Beendigung der Kooperation mit dem damaligen Zweitligisten SC Bietigheim, als dessen 1b-Team man auflief. „Niemand hatte uns auf dem Schirm, wir uns auch nicht. Das war schon eine tolle Sache“, sagt Meindl. Ein Jahr später durften er und die Seinen erneut jubeln. Weniger überraschend – für Regionalliga-Verhältnisse sei ein Topteam auf dem Eis gestanden.

Beide Titelgewinne hatten eines gemein, was bei einer Meisterschaftsneuauflage in der aktuellen Runde nicht geplant ist: den Aufstieg in die Oberliga nicht ins Visier zu nehmen und weiter notgedrungen der Regionalliga treu zu bleiben.

Das liebe Geld, beziehungsweise das fehlende liebe Geld, veranlassten die damaligen Verantwortlichen in Degerloch, auf die Oberliga zu verzichten. Meindl, der das Eishockeyspielen beim bayrischen Club 1. EV Weiden gelernt hat und über die Stationen Blue Devils Weiden und Blue Lions Leipzig 2008 zu den Rebels kam und bis 2020 deren Trikot trug, wäre damals zwar gerne eine Klasse höher gegen die vielen Clubs aus Bayern angetreten, konnte die Gründe des Verzichts aber nachvollziehen. In Stuttgart sei man ja durch Insolvenzen diverser Vorgängervereine gebrandmarkt gewesen, die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen hätten auch damals nicht gepasst. „Es machte Sinn, kein Risiko einzugehen.“

Die Zeit ist reif für die Oberliga

Aktuell sieht er das anders. „Ich habe das Gefühl, die Zeit für die Oberliga ist reif, was die Begeisterung der Fans und die Strukturen im Verein anbelangt“, sagt Meindl, der aufgrund eines Sportstudiums und der Liebe nach Stuttgart kam und mittlerweile in Strümpfelbach die Firma „SportExperience“ betreibt, die zum Beispiel Mountainbike-Technikkurse für Jung und Alt anbietet.

Unter anderem mit Lukas Willer und Patrick Eisele aus dem aktuellen Rebels-Team hat Meindl noch zusammen gewirbelt und sieht den Stuttgarter Kader „als den besten der Liga“ an. Jedoch: Seine eigene Erfahrung warnt vor den Hornets aus Zweibrücken. Die Mannschaft sei schon immer eine Wundertüte gewesen. Manchmal habe man gar nicht nachvollziehen können, warum man gegen sie verlor. Dann bugsierte man sie wieder überraschend locker vom Eis. „Zweibrücken besticht durch eine unheimliche Effizienz, macht aus dem Nichts heraus Tore.“ Davon konnte sich der ehemalige Abwehrrecke beim Besuch des Aufeinandertreffens zwischen den Kontrahenten im Oktober 2022 – Endstand 6:2 für die Pfälzer – überzeugen. „Ein Tor der Hornets war fein herausgespielt, die restlichen irgendwelche Eier, die zustande kamen – warum auch immer?“

Sie sind es aber, und Zweibrücken hat auch die anderen beiden Spiele der Hauptrunde sowie das erste Finalspiel gegen Stuttgart (3:2) gewonnen. Dennoch: Meindl, mittlerweile mit einer Schwäbin verheiratet, glaubt ganz fest an seinen Ex-Verein. Spiele man, vor allem in der Defensive, durchgehend konzentriert und aufmerksam, dann setze sich auch die Stuttgarter Klasse durch – und spätestens in der nächste Woche würde das entscheidende Spiel dann auf der Waldau stattfinden. „Ich lass’ mich dazu gerne einladen und komme auch gerne zur Meisterfeier“, sagt Meindl lachend.

Der Rebels-Coach Vostarek muss an diesem Freitag auf Jonah Hynes, der sich im ersten Finalspiel das Wadenbein gebrochen hat, und Adrian Sanwald (krank) verzichten. Vor allem die Überzahlsituationen – fünf Möglichkeiten blieben zuletzt torlos – müssten bei den beiden Wochenendspielen besser genutzt werden. Darüber hinaus erwartet Vostarek von seiner gesamten Mannschaft „mit mehr Überzeugung in die Spiele zu gehen“.

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